headeroberzell

Leidenschaftliche Köchin mit großem Gemeinschaftssinn

SrVinzentineEbenhoechSie hatte eben noch zu Mittag gegessen und sich anschließend am Mittwoch, 8. Juni 2022, in ihrem Zimmer hingelegt, um sich auszuruhen. So gesättigt, vielleicht auch lebenssatt, rief Gott unsere Mitschwester M. Vinzentine Ebenhöch in sein himmlisches Gastmahl und zur Ewigen Ruhe.

Schwester Vinzentine wurde am 6. Oktober 1932 in Hausen im Landkreis Amberg-Sulzbach in der Oberpfalz geboren und zwei Tage später auf den Namen Bertha getauft. Sie wuchs in einer kinderreichen Familie mit sieben Geschwistern auf. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre Mutter. Ihr Vater heiratete nochmals, nicht zuletzt, damit wieder eine Frau in der Familie war. Die Schulzeit von Bertha fiel in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Nach 1945 half Bertha im Haushalt der Familie mit. Seit ihrer Erstkommunion hatte sie den Wunsch, Ordensschwester zu werden. Ihre ältere Schwester Anna war 1948 in unsere Gemeinschaft eingetreten und hatte den Namen Schwester Apollonia angenommen. 1970 war sie ausgetreten und ist erst im vergangenen Jahr gestorben. Die ganze Familie war eng miteinander verbunden. Eine besondere Freude war es für Schwester Vinzentine, dass sie am 1. Juni, genau eine Woche vor ihrem Tod, noch einmal unerwartet Besuch von zwei Neffen bekommen hatte. „Meine Buben“, hatte sie sie liebevoll genannt.

Sie sorgte für das leibliche  Wohl der Schülerinnen

Bertha trat am 6. Mai 1952 in unsere Kongregation ein. Sie wurde am 3. Oktober 1953 eingekleidet und in das damals einjährige Noviziat aufgenommen. Bei der Einkleidung erhielt sie ihren Ordensnamen Schwester M. Vinzentine. Ihre zeitlichen Gelübde legte sie am 4. Oktober 1954 ab und die Profess auf Lebenszeit genau drei Jahre später. Schwester Vinzentine hatte Freude am Kochen. So wurde sie nach ihrer Erstprofess in der Großküche des Mutterhauses eingesetzt und konnte ihre Kenntnisse dort vertiefen.

1953 wurde in Würzburg das Kindergärtnerinnen-Seminar und die Frauenfachschule St. Hildegard eröffnet. Ab 1957 sorgte Schwester Vinzentine dort in der Küche von St. Hildegard 36 Jahre lang für das leibliche Wohl der Schülerinnen. Und sie verstand ihr Handwerk gut. Eine Zeitlang ging sie am Abend zum Praktikum in das Hotel Rebstock, um weiter ihre Kochkünste zu verfeinern. Eine ihrer Beiköchinnen erinnert sich lebhaft an diese Zeit. So habe Schwester Vinzentine immer gesagt: „Das Kochen ist überhaupt kein Problem. Die Resteverwertung will gelernt sein!“ Mit großer Freude habe sie neue Rezepte aus Heftchen ausprobiert. Bei den Christstollen machte sie immer zwei Teige. Der Teil mit den Rosinen kam innen hinein, ein anderer ohne Rosinen außenherum, damit die Rosinen beim Backen im Ofen nicht verbrannten. Nach getaner Arbeit hieß es oft: „So, jetzt trinken wir erst mal etwas.“ Ein Essen mit Spargel gehörte zu ihren Leibgerichten. Auch ein „Schöpple“ gehörte gerne dazu. Eng befreundet war Schwester Vinzentine mit dem Künstlerehepaar Singer.

Zurück in der Mutterhausküche

Als 1993 das Haus St. Hildegard saniert wurde, kam Schwester Vinzentine wieder zurück in die Mutterhausküche. Hier arbeitete sie nochmal 25 Jahre lang bis 2018 mit Sr. Magdalena, Sr. Richlinde, Sr. Heremita sowie Sr. Nicetas, Sr. Martha und Sr. Eumenia zusammen. Am Abend, nach getaner Arbeit, gönnte sie sich und ihren Mitschwestern gerne ein Gläschen Wein und genoss die gemeinsame Rekreation. Die Nichten von Sr. Nicetas und Sr. Elkana erinnern sich mit großer Freude an ihre Besuche in der Mutterhausküche. Auch wenn sie unangekündigt kamen, wurden sie von Sr. Vinzentine immer gastfreundlich begrüßt: „Jetzt setzt Euch erst einmal her.“ Dann durften sie auf der Eckbank Platz nehmen, bekamen Bruchmohrenköpfe und ein Eis angeboten oder teilten selbst den mitgebrachten Kuchen mit den Schwestern. „Schwester Vinzentine hat uns nie das Gefühl gegeben, unpassend zu sein.“

Mit großer Liebe richtete sie Platten für die Brotzeit und verzierte sie liebevoll. Nie war ihr etwas zu viel. Wenn man etwas von ihr wollte, war sie großzügig und wies niemanden ab. Umgekehrt war sie sehr dankbar für alles. Sie war ein ausgesprochener Gemeinschaftsmensch, sie war gesellig, freute sich an der Gemeinschaft und orientierte sich sehr am Wohl und den Wünschen der Mitschwestern. Auch die Schwestern im Franziskushaus vergaß sie nie, sondern sorgte auch bei besonderen Anlässen für gute Nachbarschaft. Darüber hinaus pflegte sie Freundschaften mit Menschen von außen.

Auch im Alter saß sie immer mit einem Lächeln in der Fensternische und knackte zum Beispiel Haselnüsse für die Weihnachtsbäckerei. In den Mittagspausen saß sie mit Sr. Nicetas auf einer Bank im Freien, genoss die Sonne und las in Ruhe die Zeitung. Eine große Liebe und Freude hatte sie an Vögeln. Sie konnte ihnen lange zuschauen, fütterte sie überall, wo es gelegen und ungelegen war und sprach oft mit ihnen.

Stets ein Lächeln im Gesicht

Seit 2012 wurde auch in der Mutterhausküche zunehmend weltliches Personal eingestellt. Längst hatten sich die Vorschriften zur Speisenaufbewahrung geändert und verschärfte Hygieneregeln mussten eingeführt werden. Da war es nicht leicht, Sr. Vinzentine davon abzuhalten, weiter ihre Reste zu verwerten. Am 5. Dezember 2018 wurden alle noch lebenden Küchenschwestern in den Ruhestand verabschiedet. Im Mai 2019 zog Schwester Vinzentine auf die Pflegestation des Antoniushauses um. Dort beteiligte sie sich mit großer Freude bei der Gruppe, die sich montags zum Backen traf. Da rührte sie nach wie vor den Teig im Stehen und konnte kaum erwarten bis es losging.

Der Glaube, das Gebet und die Anbetungsstunden waren Sr. Vinzentine wichtig. Sie sagte: „Der liebe Gott hat immer Zeit für mich!“ Bis zuletzt freute sie sich über Aufmerksamkeiten und zeigte sich dankbar für jeden Besuch. Schwester Vinzentine war fleißig, freundlich und kontaktfreudig. Sie war die Gemütlichkeit in Person und hatte oft einen Witz auf Lager. Ein Lächeln umspielte stets ihre Augen und Mundwinkel. Diesen Gesichtsausdruck hatte sie auch auf ihrem Bett, nachdem sie am 8. Juni im Alter von 89 Jahren am 8. Juni ruhig und still eingeschlafen war. Möge sich die Stelle aus dem Lukas-Evangelium an ihr erfüllen, wo es heißt: „Wenn du ein Essen gibst, so lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten." Lk 14,13-14

 

Sr. Katharina Ganz

­