„Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand.
Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,
bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen.
Deinen Händen bette ich mich ein.“

Dieses Gebet von Edith Stein passt gut zum Leben und Sterben unserer Mitschwester Suitgera Ebel. Nur wenige Tage vor ihrem Tod teilte sie mit, dass sie sich nicht so gut fühlt. Am Morgen des 25. Juni verschlechterte sich ihr Zustand akut. Gleichzeitig äußerte sie sehr klar und unmissverständlich, dass sie nicht mehr ins Krankenhaus eingeliefert werden wolle. ,,Sterben kann ich doch auch hier“, sagte sie. Bewusst bettete sie sich im Alter von 89 Jahren in den Händen Gottes. Sie, die ihr Leben lang dem Mensch gewordenen Gott in den Kranken und Armen gedient hat. Bei ihr wird das Wort Jesu wahr: ,,Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“

Geboren wurde Sr. Suitgera am 1. Mai 1935 in Rechtenbach im Landkreis Main-Spessart und auf den Namen Josefa Maria getauft. Sie wuchs als viertes Kind mit drei Geschwistern auf. Ihre Eltern Alois und Regina Ebel besaßen eine Landwirtschaft. Ihr Vater war zudem Schuhmachermeister. Außerdem betreuten die Eltern die Poststelle im Dorf. Diese Aufgabe übernahm Josefa mit bereits 15 Jahren und legte einen besonderen Eid ab.

Nach dem Besuch der Volksschule in Rechtenbach ging Josefa noch drei Jahre auf die Hauswirtschaftliche Berufsschule nach Lohr a. Main. Daneben arbeitete sie zuhause mit und stellte weiterhin Briefe zu. Außerdem pflegte sie jahrelang ihre Großmutter bis zu deren Tod im Jahr 1957. So wurde sie schon in der Familie für ihre spätere Tätigkeit in der Krankenpflege geschult. Im August 1957 eröffnete unsere Gemeinschaft in Rechtenbach im Spessart eine Niederlassung. So lernte Josefa unsere Schwestern kennen und es wuchs in ihr der Wunsch ins Kloster zu gehen.

Ausbildung im Würzburger Juliusspital

Nach ihrem Eintritt am 3. Januar 1959 besuchte sie als Kandidatin die Krankenpflegeschule im Juliusspital Würzburg. Im Herbst 1961 wurde sie ins Noviziat aufgenommen und erhielt den Namen Sr. M. Suitgera. Am 4. Oktober 1963 legte sie die zeitliche und drei Jahre später ihre Profess auf Lebenszeit ab. Als Krankenschwester wirkte sie an zahlreichen Orten: in Bamberg und Monheim, in Kastl, im
Josefsheim in Bad Brückenau, Dettingen und Waldthurn.

Die längste Zeit, nämlich von 1986 bis 2004 wirkte sie als Gemeinde-Krankenschwester und Mitarbeiterin in der Sozialstation in Waldthurn. In diesen 18 Jahren pflegte sie unzählige Menschen in ihrer Krankheit, begleitete Sterbende und hatte viele Kontakte in alle Familien. Auch nach ihrem altersbedingten Ausscheiden als Krankenschwester aus der Sozialstation machte Sr. Suitgera weitere acht Jahre lang ehrenamtlich viele Krankenbesuche. Sie war ganz nah bei den Menschen und teilte die Nöte und Sorgen vieler Familien. Durch das Zuhören, die Gespräche, das Gebet und das Bringen der Krankenkommunion war Sr. Suitgera auch Seelsorgerin im Dorf.

26 Jahre lebte und wirkte sie in Waldthurn

Sr. Suitgera liebte ihren Beruf und sie war in Waldthurn, wo sie insgesamt 26 Jahre gelebt und gewirkt hat, sehr geschätzt. Bis zuletzt hielt sie Kontakt dorthin. Im Oktober 2012 musste unsere Gemeinschaft die Filiale in Waldthurn schließen. Zusammen mit Sr. Eunomia Wittmann zog Sr. Suitgera nach Oberzell in das Franziskushaus um. Hier konnte sie ihre reichen Erfahrungen bei unseren alten und kranken Schwestern weiter einbringen. Mit der Pflege des Franziskusgärtleins fand sie ein neues Hobby.

Als Ende Februar 2022 mit dem russischen Angriff der Krieg in der Ukraine ausgebrochen war, flüchteten tausende Menschen nach Deutschland. Da im Franziskushaus viele Zimmer leer standen, beschlossen wir, unseren Beitrag zu leisten und Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Die meisten der verbliebenen Schwestern zogen ins Antoniushaus um. Sr. Suitgera fand eine neue Heimat im Mutterhaus. Im Oktober letzten Jahres wurde sie ins Antoniushaus versetzt, wo sie nun selbst pflegerische Unterstützung erhielt.

Sr. Suitgera war eine ruhige und in sich gekehrte Schwester. Sie konnte abwarten und strahlte eine gewisse Gelassenheit aus. Wichtig war ihr die Selbstbestimmung. Probleme machte sie mit sich aus. Wenn sie redete, brachte sie ihr Anliegen kurz und bündig auf den Punkt. Dabei hatte sie einen ganz besonderen Humor. Oft konnte man allein an ihrer Mimik oder Gestik ablesen, was sie dachte.

An den sozialen Angeboten im Antoniushaus war sie wenig interessiert. Kam sie während einer Aktivität am Brunnenplatz vorbei, blieb sie kurz stehen, beobachtete, was dort stattfand und ging dann weiter ihrer Wege. Manchmal ging sie draußen ums Haus spazieren. Zuverlässig fütterte sie die Fische im Teich. Gerne verbrachte sie Zeit in der Kapelle oder allein in ihrem Zimmer.

Wir sind dankbar für das Leben und Wirken von Sr. Suitgera, die ihr Leben mit 89 Jahren Gott zurückgegeben hat.