
Brigitte Heinlein wurde am 22. Februar 1929 als fünftes der neun Kinder ihrer Eltern Josef und Caroline Heinlein in Ottelmannshausen geboren, ein Bruder verstarb schon bei der Geburt. Nach dem Besuch der Volks- und Berufsschulschule hatte Brigitte, so schrieb sie selbst in ihrem Lebenslauf, „die Gelegenheit ihre hauswirtschaftlichen Kenntnisse an der Haushaltungsschule Haag in Oberbayern zu erweitern.“
Mit 19 Jahren trat Brigitte in Oberzell ein und nahm als Kandidatin an dem Sonderlehrgang für Handarbeitslehrerinnen teil. Das Kloster Oberzell war ihr durch ihre Tante Sr. Prokopia und Sr. Bernadette, ihre leibliche Schwester, schon vertraut. Bei ihrer Noviziatsaufnahme erhielt sie den Namen Maria Christine. Nach dem einjährigen Noviziat war sie als Handarbeitslehrerin an der Haushaltungsschule in Oberzell und anschließend im St. Antoniusheim in Nürnberg tätig.
Nur zwei Jahre nach ihrer zeitlichen Profess rief es Sr. Christine in die Mission. Sie hat sich ab November 1953 auf die Ausreise vorbereitet und Englisch gelernt. Wie ihre Tante Prokopia brach sie in die weite Ferne auf, damals noch nicht wissend, ob sie ihre Familie noch einmal wiedersehen wird. Am 5. Januar 1955 machten sich Sr. Christine, Sr. Erharda und Sr. Dolores als Missionarinnen auf die weite Reise nach Südafrika.
Zuerst ging es mit dem Auto nach München, von dort mit dem Brenner-Express nach Venedig und ihre leibliche Schwester Bernadette durfte sie bis dorthin begleiten. Mit dem Schiff „Africa“ begann dann die dreiwöchige Überfahrt nach Südafrika. Im Boten des göttlichen Kindes, unserem internen Mitteilungsblatt ist am 25.02.1955 folgendes zu lesen: „Heute bringt der Botenbrief als erstes die freudige Nachricht von der glücklichen Landung unserer drei lieben Mitschwestern. Freudestrahlend betraten sie den afrikanischen Boden.[…] Die neuen Schwestern fühlen sich bis jetzt in Eshowe recht wohl. Für Heimweh haben sie keine Zeit. Alle sind vollauf beschäftigt.“
Über 50 Jahre in Mbongolwane
Die ersten vier Jahre war Schwester Christine in Eshowe als Hausschwester und Chauffeurin eingesetzt, neben Fahrdiensten für die Schwestern übernahm sie auch Fahrten für Bischof Anselm Bilgeri. Im Februar 1959 zog Sr. Christine nach Mbongolwane um, wo sie die nächsten 51 Jahre bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland wirkte. Sie übernahm weiterhin Fahrdienste, auch für das Krankenhaus und arbeitete auf der großen Missionsstation im Haus, versorgte den Garten, leitete Mitarbeiter:innen an, kümmerte sich um die Wäsche und noch viele weitere kleine Aufgaben. Auch die Sorge um Schüler:innen im Internat gehörte eine zeitlang zu ihren Aufgaben. Sehr gerne kümmerte sie sich auch um die Grotte in Mbongolwane.
Sr. Christine war eine sehr disziplinierte, fleißige und zielstrebige Person und erwartete auch von ihren Mitschwestern und Mitarbeiter:innen vollen Einsatz. Ein Großteil ihrer Zeit in Südafrika war durch die Apartheid geprägt, die erst mit den ersten freien Wahlen 1994 endete und bis heute noch spürbar ist. So war das Miteinander der Kulturen einerseits bereichernd und es war auch nicht immer leicht, einander zu verstehen und die Unterschiedlichkeit zu respektieren. Sr. Christine hatte eine gute Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis, so machte sich mit vielen Sitten und Gebräuchen der Zulus vertraut.
2010 spürte Sr. Christine immer deutlicher ihre gesundheitlichen Grenzen und sie hatte die Sorge, zunehmend auf Hilfe angewiesen zu sein. Daher überlegte sie, ob nicht der Zeitpunkt gekommen war, in Deutschland zu bleiben. Die Entscheidung wollte sie aber, ihrem Gehorsamsverständnis entsprechend, der Generaloberin überlassen. Sie schrieb, dass „es ihr schwerfällt, sich von ihrer Heimat und den Kindern des Himmels zu verabschieden, aber der Körper versagt oft den Dienst.“ So kehrte sie 2010 nach Deutschland zurück, sie wollte trotz der langen Zeit in Südafrika keinen großen Abschied, sie ging einfach still und leise, wie es ihre Art war.
Vertrauend auf den menschgewordenen Gott
In Deutschland lebte sie die ersten zwölf Jahre im Franziskushaus und half dort – wie in Südafrika – wo sie im Konvent gebraucht wurde. Sr. Christine war eine große Beterin, tief gläubig und vertrauend auf den menschgewordenen Gott. Zurück in Deutschland hatte sie dann auch mehr Zeit, sich dem Gebet, der Stille und der Anbetung zu widmen. Gerne kniete sie, solange es ihr gesundheitlich möglich war, vor der Christkönigsfigur aus ihrem Elternhaus, die sie nach dem Verkauf des Elternhauses bekommen und die einen besonderen Platz in ihrem Zimmer hatte.
Gebetsanliegen von Mitschwestern oder Anliegen unserer Kongregation, besonders natürlich auch die Menschen in Südafrika, nahm sie gerne mit in ihr persönliches Gebet. Seit langer Zeit konnte Sr. Christine nicht mehr gut sehen, daher auch nichts mehr lesen und so schätzte sie es sehr, Radio Horeb zu hören. Auch mit ihrer leiblichen Schwester Bernadette waren ihr noch einige gemeinsame Jahre hier in Deutschland geschenkt. Als es Sr. Bernadette gesundheitlich schlechter ging, besuchte Sr. Christine sie bis zu ihrem Tod täglich im Antoniushaus.
Selbst war Sr. Christine lange in Behandlung ihrer Leukämieerkrankung. Ihr wurden noch einige Jahre mit einer guten Lebensqualität geschenkt, lange ging es ihr erstaunlich gut, auch wenn die Behandlung sie viel Kraft kostete. Sie nahm die Nebenwirkungen als Prüfung und als Sinn hin und sagte: „denn irgendetwas hat sich der liebe Gott schon dabei gedacht, dass er mich noch so lange am Leben lässt.“ Sr. Christine hat nie geklagt, nie etwas gefordert, sie war einfach nur dankbar für alles war ihr geschenkt wurde, für jeden Besuch, jedes gute Wort und jedes Gebet.
Sr. Christine hat sich in den letzten Wochen sehnsüchtig gewünscht, ihr Leben in Seine Hände zurückzugeben. Oft hat sie sich gefragt, ob der liebe Gott sie wohl vergessen und welche Aufgabe sie noch zu erfüllen habe. Am Vorabend des 4. Advent wurde ihr Wunsch erfüllt, der Herr ist ihr in seinem Wort begegnet und zum Gesang des Magnifikat sprach sie ihr endgültiges „Ja“. Jetzt jauchzt ihr Herz im Himmel und ruft ihrem Schöpfer zu, wie groß bist du, wie groß bist du.
Vergelt’s Gott, Sr. Christine, für all Dein Sein und Wirken in unsrer Gemeinschaft. Ich bin gewiss du wirst auch in Zukunft unsere Anliegen vor Gott bringen. Wir verbleiben in christlicher Hoffnung und dankbarer Erinnerung!
Sr. Juliana Seelmann, Generaloberin