Eine Ordensschwester geht die Steintreppe im barocken Konventbau herunter. Das Kunstschmiedeportal im Hintergrund.

Berufen: Sr. Beatrix Barth

Ich bin Oberzeller Franziskanerin, weil ich in unserer Spiritualität der Menschwerdung ein Zuhause gefunden habe, das mich immer neu fasziniert. Gerne bin ich mit meinen Mitschwestern, Mitarbeiter:innen und Freund:innen der Gemeinschaft unterwegs. Es ist ein großes Geschenk für mich, Menschen auf ihrem eigenen Menschwerdungsweg zu begleiten.

Aufgewachsen bin ich im Hunsrück in Rheinland-Pfalz in einem katholischen Dorf. Unser Haus lag am Ortsrand mitten im Wald. Diese Nähe zur Natur hat mich geprägt. Schon als Kind empfand ich diese Wahrnehmung der Schöpfung als etwas Religiöses. Noch heute spüre ich, wie sehr mich diese Erfahrung trägt.

Bei meiner Erstkommunion durfte ich die Lesung vortragen, mit 13 Jahren wurde ich auch Lektorin. Schon früh war ich in der Pfarrei eingebunden. Mein Elternhaus war aber nicht nur religiös, sondern auch musikalisch. Ich bekam Orgelunterricht, war in einem evangelischen Jugendkirchenchor, die Musik hatte für mich damals schon spirituellen Charakter.

Ein entscheidender Impuls für meinen Weg kam durch das alte Franziskanerkloster in meinem Heimatort. Es stand lange leer bis eine kleine Gemeinschaft dort einzog – die „Schwestern und Brüder vom gemeinsamen Leben“. Ich war damals 14 Jahre alt und tief beeindruckt, wie sie das Kloster mit Leben füllten. Ihre Gastfreundschaft, das gemeinsame Beten und Essen, dieses einfache, gelebte Christsein hat mich sehr angesprochen. Ich war dort oft zu den Gebetszeiten und zum Abendessen. Die damals jüngste Schwester, Sr. Hildegard, wurde für mich wie eine große Schwester. Das war prägend.

Gerade weil es in der Schule nicht immer leicht war, war das Kloster für mich ein Ort, der mir Schönheit, tiefe Erfüllung und Kraft schenkte. Mit 16 Jahren nahm ich dort an Besinnungstagen teil, und diese Zeit war eine tiefe Erfahrung für mich. Das war mein erstes Berufungserlebnis. In dieser Zeit entstand der Gedanke: Dieses Leben ist etwas für mich. Gleichzeitig wusste ich, das ich erst einmal aufbrechen muss, weg von Zuhause. Zum Studium zog ich nach Freiburg, studierte Grund- und Hauptschulpädagogik mit den Fächern Musik und Religion. Ich wollte mit Kindern arbeiten und Lehrerin werden. In Freiburg fand ich Gleichgesinnte, war in einem Bibelkreis, betete regelmäßig Laudes, ging gern ins Münster zum Gottesdienst. Ich habe diese Jahre genossen. Aber gegen Ende des Studiums spürte ich: Jetzt ist es Zeit, weiterzugehen.

Weiterhin war ich auf Klostersuche, besuchte verschiedene Gemeinschaften – aber nichts passte so richtig. In dieser Phase verliebte ich mich und hinterfragte meine Lebenspläne. Gleichzeitig begann ich mit geistlicher Begleitung bei einem Priester in Freiburg. Er war es, der mich an Sr. Diethelma Conze verwies, die in Oberzell lebte. Ohne diesen Wink hätte ich Oberzell wahrscheinlich nie entdeckt. Sie begleitete mich, und ich durfte in Oberzell stille Tage verbringen – das erste Mal in der Osterwoche 1997. Den Ort fand ich gleich schön, aber die vielen Schwestern und die Größe des Klosters haben mich anfangs eher abgeschreckt – ich hatte ja ein anderes
Schwesternbild im Kopf. Der Kontakt blieb.

Nach dem Studium zog ich nach Kreuzwertheim fürs Referendariat. Von dort aus war ich einerseits schnell bei meinen Eltern und andererseits auch bei Sr. Diethelma. 1998 war ich zum ersten Mal bei einer Assisi-Fahrt dabei, die Sr. Diethelma begleitete. Vor allem die franziskanischen Orte haben mich sehr bewegt, und am Ende der Reise wusste ich: Wenn Ordensfrau, dann in der franziskanischen Familie. Ich schaute mir daraufhin auch zwei Klarissenklöster an, die eher zurückgezogen leben, aber der Gedanke, ganz auf meinen Beruf zu verzichten, war schwer. Ich spürte: Die Welt braucht mich, und ich brauche die Welt.

Im Advent 1999 verbrachte ich erstmals eine Woche „Kloster auf Zeit“ im Konvent Magdala und fühlte mich sehr willkommen. Ich kam wieder und erlebte erstmals die Heiligenverlosung an Dreikönig mit der ganzen Gemeinschaft. Das Spezifische von unserer Gemeinschaft zog mich an: Die Bodenständigkeit im Glauben. Aus der Freude und Kraft zu leben, dass Gott Mensch geworden ist und wir Geliebte Gottes sind. Im Juni 2000 bat ich um Aufnahme in die Gemeinschaft.

Im Postulatsjahr war ich Klassenlehrerin einer ersten Klasse. Im ersten Noviziatsjahr war ich ganz in Oberzell. Im zweiten Noviziatsjahr lernte ich das Antonia-Werr-Zentrum kennen und entschied mich, dort in der Von-Pelkhoven-Schule als Lehrerin zu arbeiten. Dass Antonia Werr die Menschwerdung so wichtig war und wie stark das mit den Mädchen im AWZ zusammenhängt, hat sich mir immer mehr erschlossen. Den „göttliche Funken“ in den Mädchen zu entdecken und sie zu begleiten, ist ein großes Geschenk.
Heute darf ich als Leiterin des Tagungshauses und als Exerzitienbegleiterin unsere Gäste auf ihrem eigenen Menschwerdungsweg begleiten. In der Stille, im Austausch, im achtsamen Dasein und Beten erleben wir das, was uns trägt. Die Liebe. G*tt. Ich bin dankbar, dass ich daran mitwirken darf.