
Auf der digitalen Landkarte ist Oberzell nur ein kleiner roter Punkt. Zu diesem Bild führte Pfarrer Andreas Kneitz die Besucherinnen und Besucher beim Schöpfungsgottesdienst als er fragte, wer ein Handy bei sich habe. Viele Hände gingen nach oben. Dann bat er die Gottesdienstgemeinde, Oberzell in der Kartenapp zu suchen.
Doch Oberzell, so machte er in seiner Predigt deutlich, sei weit mehr als dieser Punkt auf dem Bildschirm. Für viele Menschen ist der Ort mit Erinnerungen, Begegnungen, Glauben und einem Stück Heimat verbunden. Und Oberzell sei nicht nur hier in Zell am Main, sondern überall dort, wo Menschen eine Verbindung zu den Schwestern und ihrem Wirken spüren.
Wie weit diese Verbindungen reichen und wie lebendig sie bis heute sind, zeigte sich am Sonntag, 27. September 2026, beim ersten Tag der Verbundenheit der Oberzeller Franziskanerinnen. Rund 250 Gäste kamen ins Kloster: Angehörige und Freunde der Schwestern, Mitglieder des Oberzeller Kreises, Menschen aus ehemaligen Filialorten und viele weitere Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. Von Familien mit jungen Kindern bis zu betagten Gästen waren alle Generationen vertreten. Strahlender Sonnenschein machte den letzten Sonntag im September noch einmal zu einem richtigen Sommertag.
Viele Zeichen der Verbundenheit
Der Schöpfungsgottesdienst griff das Thema des Tages auf vielfältige Weise auf. Besonders sichtbar wurde dies in den Fürbitten. Acht Menschen brachten jeweils einen Gegenstand mit nach vorne und legten ihn vor dem Altar ab. So brachte ein Mitglied des Oberzeller Kreises ein Seil mit Knoten als Zeichen für die Verbindung untereinander und mit der Schwesterngemeinschaft. Ein Schal mit dem Logo der Kongregation stand für die Dienstgemeinschaft und für alle Menschen, die auf dem Klostergelände leben, arbeiten oder zur Schule gehen. Ein Tau-Kreuz galt symbolisch für die Gläubigen der Pfarrgemeinde St. Laurentius und des Pastoralen Raums Würzburg Nord-West ab.
Ein Fotobuch diente als Zeichen für die Familien und Angehörigen der Schwestern. Sr. Rut legte ein Bild Antonia Werrs für die Kongregation in Deutschland, den USA und Südafrika sowie für die Frauen und Kinder in den Einrichtungen vor den Altar. Eine Filialchronik erinnerte an die Menschen in den Orten, an denen Oberzeller Schwestern früher gelebt und gewirkt haben und Sr. Teresa entzündete eine Kerze für die Verstorbenen. Brot und Wein standen bei der Fürbitte von Sr. Beate schließlich für die Schöpfung und all das, was sie den Menschen zum Leben schenkt. Musikalisch gestalteten die Band Cantemus und Sr. Beatrix an der Orgel den Gottesdienst.
Pfarrer Andreas Kneitz gab den Gästen noch eine kleine Anregung mit auf den Weg: Sie sollten im Laufe des Tages ihren Lieblingsort fotografieren – oder einen Platz, an dem sie Verbundenheit besonders spüren – und das Bild an das Kloster schicken. Einige folgten dieser Einladung. Ein Gast wählte das Tor zum Klostergelände und schrieb dazu: „Immer wenn ich durch dieses Tor trete, habe ich das Gefühl, alles Alltägliche hinter mir zu lassen und meiner Seele einen Raum der Freude und Zufriedenheit zu eröffnen.“
Das Kloster neu und anders entdecken
Nach dem Gottesdienst verteilten sich die Gäste über das gesamte Klostergelände. Viele nutzten die Gelegenheit, alte Bekannte wiederzutreffen, neue Kontakte zu knüpfen oder mit den Schwestern ins Gespräch zu kommen. Überall waren lebhafte Unterhaltungen und lachende Gesichter zu sehen. Die freundschaftliche Verbundenheit war an diesem Tag deutlich zu spüren.
Das vielseitige Programm bot zahlreiche Möglichkeiten, das Kloster und die Spiritualität der Schwestern näher kennenzulernen. Bei zwei Klosterführungen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Geschichte und Gegenwart Oberzells. Eine Insektenführung lenkte den Blick auf die kleinsten Bewohner des Geländes. Sr. Katharina Ganz lud dazu ein, den heiligen Franziskus und die franziskanische Spiritualität zu entdecken und Impulse für das eigene Leben mitzunehmen.
Bei Klangmeditationen mit Kristallklangschalen, TaiChiChih und einer Anleitung zur Stille konnten die Gäste zur Ruhe kommen und Verbundenheit auf unterschiedliche Weise erfahren. Weitere Angebote stellten das gemeinsame Spiel und die achtsame Begegnung mit der Schöpfung in den Mittelpunkt.
Kinder und Familien machten sich bei der Klosterrallye selbstständig auf Entdeckungstour über das Gelände. Im Heilkräutergarten gab das Team Einblicke in seine Arbeit, am Feuer wurde Stockbrot gebacken und beim Nachhaltigkeitsteam entstanden beim Upcycling aus alten Materialien neue Dinge. Im Treppenhaus des Konventbaus konnten Papiersterne beschriftet und an einen Weihnachtsbaum gehängt werden.
Einblicke in die Arbeit der Oberzeller Franziskanerinnen
Die Einrichtungen und Arbeitsfelder der Oberzeller Franziskanerinnen waren im Norbertussaal im Konventbau präsent. Das Antonia-Werr-Zentrum gab mit Informationen und Filmen Einblicke in seine Arbeit. Der Fachbereich Frauen präsentierte beeindruckende Gemälde, die bei einem Malprojekt mit Bewohnerinnen entstanden waren unter dem Titel „Mit der Angst tanzen“ und auf Pinnwänden waren historische Fotos der ehemaligen Haushaltungsschule zu sehen. Ein weiterer Stand präsentierte das Engagement der Schwestern in Südafrika. Im Foyer des Antoniushauses waren Bilder ausgestellt, die Schwestern selbst gemalt hatten. Das offene Atelier von Claudia Wührl, ein Büchertisch sowie das Begegnungscafé im Antoniushaus ergänzten das Programm.
Gemütlicher Mittelpunkt des Tages war der Kirchgarten. Bei Bratwürsten, einem indischen Gemüse-Reis-Gericht, Salaten sowie Kaffee und Kuchen saßen die Gäste beisammen. Für das besonders abwechslungsreiche und liebevoll zusammengestellte Salat- und Kuchenbuffet hatten zahlreiche Besucherinnen und Besucher selbst etwas mitgebracht. Die Atmosphäre auf dem gesamten Gelände war geprägt von Begegnungen und Gesprächen.
Dass der Tag bei vielen über den Besuch hinaus nachwirkte, zeigen erste Rückmeldungen. Ein Besucher schrieb, er dürfe „gestärkt und mit viel Energie, neuem Wissen und Zuversicht“ in die neue Woche und die kommenden Monate starten. Andere Gäste bedankten sich für einen Tag, an dem sie das Programm rege genutzt, neue Eindrücke gewonnen und Oberzell erneut als einen besonderen Ort erlebt hatten.
Am späten Nachmittag versammelten sich die noch anwesenden Gäste im Kirchgarten und ließen den Tag gemeinsam ausklingen. Generaloberin Sr. Juliana Seelmann dankte dem Organisationsteam für die Vorbereitung und allen, die zum Gelingen beigetragen hatten. Zum Abschluss sprach sie den versammelten Gästen einen Segen zu.
Ein besonderer Dank gilt all unseren Helferinnen und Helfern. Die bunt gemischte Gruppe begrüßte Gäste, betreute Angebote und Informationsstände, verkaufte Getränke, grillte Bratwürste, spülte und packte überall mit an, wo Unterstützung gebraucht wurde. Viele Menschen trugen so auf ganz unterschiedliche Weise dazu bei, dass aus dem umfangreichen Programm ein herzlicher und lebendiger Tag der Verbundenheit werden konnte. Wir sagen herzlichen DANK!
Bilder des Fotoaufrufs
Einige Gäste sind dem Aufruf von Pfarrer Kneitz gefolgt und haben uns Fotos geschickt von ihren Lieblingsorten im Kloster Oberzell oder von Orten und Momenten, an denen sie die Verbundenheit an diesem Tag besonders gespürt haben. Die Aufnahmen zeigen, wie unterschiedlich die Beziehungen zu Oberzell sind: Da ist das Klostertor und die Tür zur früheren Klosterschreinerei, in der der eigene Vater arbeitete. Weitere Bilder zeigen das Treppenhaus im Mutterhaus, den Sternsingersegen oder die gemeinsam gestaltete Osterkerze. Der alte Friedhof gilt für einen Besucher als besonderer Ort der Stille. In den begleitenden Nachrichten klang nach, was die Gäste von diesem Tag mitnahmen: schöne Begegnungen, neue Eindrücke, Dankbarkeit und das Gefühl, gestärkt und mit neuer Zuversicht nach Hause zu fahren. Die kleine Bildergalerie zeigt die Bilder, die uns erreicht haben…


























































































