
Gedanken von Sr. Margit Herold zum Festtag Maria Himmelfahrt.
Die Kirche feiert am 15. August den Festtag: Maria Aufnahme in den Himmel. Es ist ein besonderer Tag, denn im Festgottesdienst zu Ehren der Gottesmutter werden Kräutersträuße geweiht.
Tage vorher werden Sträuße gebunden, im Gottesdienst gesegnet und in Haus und Hof an besonderen Stellen aufgestellt oder unter das Dachgebälk gehängt.
So soll durch die Fürsprache Marias, Segen, Schutz und eine gute Zeit den Bewohnerinnen und Bewohnern geschenkt werden.
Der Brauch der Kräuterweihe erinnert an eine Legende. Als Marias Grab geöffnet wurde, fanden die Apostel anstatt ihres Leichnams Blumen und vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter der Gottesmutter. Dieses Ereignis prägte eine Tradition. Irgendwann im siebten Jahrhundert begann die katholische Kirche den 15. August als die „Aufnahme Marias in den Himmel“ zu feiern also ihre sogenannte Himmelfahrt. In der Bibel ist dies so nicht belegt, trotzdem ist es ein Fest mit einer tiefen Bedeutung.
Es ist sicher kein Zufall, dass an diesem Tag nötige Heilkräuter für die „Hausapotheke“ in den Mittelpunkt gestellt werden. Für mich ist dieses Fest das „Erntedankfest für die Hausapotheke“.
Woran mache ich das fest? Im Kloster Oberzell haben wir einen beachtlichen Kräutergarten, den Sr. Leandra vor Jahrzehnten liebevoll angelegt hat und der heute durch engagierte Mitschwestern, Frauen und Männer gepflegt wird. Vor einem Jahr ist mir aufgefallen, dass in den Monaten Juli und August fleißig Blüten, Blätter, Stängel etc. gesammelt, gereinigt, getrocknet oder in Öl eingelegt werden. Jedes Gewächs hat den Sommer eingefangen und die höchste Heilkraft gespeichert. Darum sollte es genau jetzt geerntet werden.
Die Menschen vor noch nicht allzu langer Zeit hatten keine anderen Hilfsmittel und Medikamente als die Naturgewächse. Die Tees, Salben, Öle, Tinkturen, Auflagen, Einreibungen waren dringend benötigte Hilfsmittel gegen Krankheiten aller Art. Tausende von Jahren gab es nichts anderes als die Heilkräfte der Natur. Folglich ist es ein guter Grund, Gott für das Wachsen und Reifen dieser Pflanzen zu danken und mit dem Segen Marias, zu verbinden.
Wie ist das Heute? Wir haben die moderne Medizin mit all ihren Errungenschaften. Die Abhängigkeit von den Naturprodukten ist für uns nicht mehr so spürbar. Aber vielleicht ist der 15. August auch ein guter Tag für das zu danken, was uns „moderne Menschen“ gesund pflegt oder erhält.
Wir dürfen und sollten uns auch einmal für die Röntgenstrahlen, Penicillin, Blutverdünner und Blutdrucksenker, Insulin, Betablocker und Impfungen aller Art etc. bedanken. Sie helfen, schützen und schenken uns ein annehmbares Leben. Ein guter Grund Gott dafür zu danken. Irgendwann hat eine Frau oder ein Mann eine Entdeckung gemacht, die zum Segen geworden ist. Woher hatte oder hat diese Entdeckerin, dieser Entdecker die Fähigkeit, den Spürsinn, genau das zu erforschen und zu definieren, das sich als „Arznei“ anwenden lässt?
Als gläubige Christinnen und Christen wissen wir, dass Gott das Leben geschaffen hat und es auch erhalten will. Er will also, dass wir LEBEN.
Ein Marienfeiertag ist ein guter Tag für dieses „Vergelt´s Gott“. Maria ist die „Lebensspenderin“ für Jesus, sie will, dass auch wir leben und in Krisen, die Krankheiten nun mal sind, für uns da sein.


























