Die Fastenzeit beginnt mit einem Gang in die Wüste.
Im Evangelium nach Matthäus (Mt 4,1-11) wird erzählt, wie Jesus nach vierzig Tagen des Fastens versucht wird: durch Hunger, durch das Verlangen nach Anerkennung und durch das Versprechen von Macht und Besitz.
Sr. Margit Herold nimmt diesen biblischen Text zum Ausgangspunkt für ihre persönliche Betrachtung:
Die erste Versuchung trifft ein grundlegendes Bedürfnis: Hunger. Jesus ist erschöpft, er braucht Nahrung – und genau darin liegt die Versuchung. Seine Antwort macht deutlich, dass der Mensch nicht allein vom leiblichen Brot lebt, sondern von dem, was ihm Sinn und Halt gibt. Für das eigene Leben bedeutet das, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, sie aber nicht über alles andere zu stellen.
In der zweiten Versuchung geht es um Anerkennung und Geltung. Der Versucher fordert Jesus heraus, seine besondere Stellung zu beweisen, indem er sich vom Tempel stürzt und sich von Engeln auf Händen tragen zu lassen. Jesus weist auch das zurück. Für Sr. Margit ist das eine Einladung, selbstbewusst zu sein, die eigenen Stärken zu kennen und nicht jeder „Einflüsterung“ von außen zu folgen.
Die dritte Versuchung schließlich richtet den Blick auf Macht und Besitz. Jesus wird alles versprochen – wenn er sich davon bestimmen lässt. Seine klare Antwort macht deutlich: Sein Leben gehört Gott allein. Daraus erwächst die Frage, welche „Götter“ das eigene Leben prägen: Woran richte ich mich aus? Wem gebe ich Raum und Macht in mir?
Mit diesem Impuls von Sr. Margit beginnt unsere Fastenzeit. In den kommenden Wochen greifen wir die Themen der Klimafasten-Aktion auf und verbinden sie mit persönlichen Gedanken aus der Schwesterngemeinschaft. Sie laden ein, genauer hinzuschauen: auf das eigene Leben, auf unsere Verantwortung füreinander und für die Schöpfung – und auf das, was uns trägt und nährt.
Die Aktion Klimafasten ist eine gemeinsame Initiative von 24 Partnerinnen und Partnern, bestehend aus den Evangelischen Landes- und Freikirchen, (Erz-)Bistümern, Diözesanverbänden und der großen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt. Ausführliche Infos zum Klimafasten gibt es auf der Internetseite www.klimafasten.de
Woche 1: Genug. Beschenkt.
Die Fastenzeit lädt ein, genauer hinzuschauen:
Was brauche ich wirklich? Und was ist vielleicht längst da?
Die erste Woche der Klimafasten-Aktion steht unter dem Thema „Genug. Beschenkt.“ Sie stellt die Frage nach Maß, nach Dankbarkeit – und nach dem, was unser Leben trägt, auch ohne immer mehr zu haben.
Was bedeutet „genug haben“ für mich und was macht mein Leben reich?
Schwester Beate Krug antwortet auf diese Frage: „Das Sein in der Natur und die Gemeinschaft mit anderen machen mein Leben reich. Dieses Wissen um den immateriellen Reichtum lädt mich ein, im materiellen Sinne nur das zu besitzen, was ich wirklich brauche. Denn das, was mein Leben wirklich reich macht, kann ich mir nicht kaufen.“
Die Fastenzeit ist kein Verzicht um des Verzichts willen. Sie ist eine Einladung, neu wahrzunehmen, was genügt – und worin wir schon jetzt beschenkt sind.
Woche 2: Gerecht. Lebenswert.
Gerechtigkeit beginnt selten im Großen.
Oft zeigt sie sich im Alltag – in kleinen Entscheidungen, im Hinsehen, im Nicht-Wegschauen.
Auch den zweiten Impuls der Klimafasten-Aktion (siehe www.klimafasten.de) möchten wir mit Euch teilen. Er steht unter dem Thema „Gerecht. Lebenswert.“ Diese Woche lädt ein, den Blick zu weiten: auf das eigene Leben, auf andere Menschen und auf die Welt, in der wir gemeinsam leben.
Wo wünsche ich mir mehr Gerechtigkeit – in meinem Alltag oder im Blick auf die Welt?
Sr. Veridiana Dürr betont: „Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für Frieden. Wo es gerecht zugeht sind die Menschen zufrieden, befriedet und sicher. Leider gibt es in unserer Welt viel Ungerechtigkeit. Während auf der einen Seite Tonnen von Lebensmittel in den Abfall oder ins Meer geworfen werden, verhungern auf der anderen Seite jeden Tag Menschen, vor allem Kinder. Wir müssen lernen zu teilen. Außerdem gibt es viele ungerechte Kriege, die Menschen in Unglück stürzen und unendliches Leid schaffen, was viel Angst nach sich zieht.“
Fasten heißt auch, Gewohnheiten zu prüfen: Was ist für mich selbstverständlich geworden? Und was ist für andere alles andere als gerecht? Was kommt Euch dabei in den Sinn? Wir freuen uns, wenn Ihr uns teilhaben lasst!