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Harald Gegner arbeitete Ende der 90er Jahre für eineinhalb Jahre im Kindergarten in Mbongolwane. Auf einer Reise ist er mit seiner Familie an die ehemalige Wirkungsstätte zurückgekehrt.

Harald Gegner ist heute 47 Jahre alt, mit einer Norwegerin verheiratet und lebt seit 18 Jahren in Südschweden. Gemeinsam haben die beiden zwei Kinder, Hannes (15) und Lea (10). Ursprünglich kommt er aus Castell in Unterfranken. Harald Gegner arbeitet als Sozialpädagoge im Sozialamt in Lund und promoviert nebenberuflich in Sozialer Arbeit an der Universität in Malmö. Seine freie Zeit verbringt er oft in der Natur, wo er gerne joggt. Wenn es möglich ist, macht er mit seiner Familie längere Wanderungen in Schweden oder Norwegen.

Nach seiner Ausbildung zum Erzieher, die er bei den Oberzeller Schwestern an der Fachakademie Sankt Hildegard in Würzburg absolviert hat, bot sich die Möglichkeit, als Erzieher in Mbongolwane zu arbeiten. Da das Leben in Afrika ein Jugendtraum von ihm war, hat er diese Möglichkeit ergriffen und war für etwa eineinhalb Jahre in Mbongolwane. Hauptsächlich hat er damals im Kindergarten gearbeitet.

LUPE: Was war Ihr erster Eindruck als Sie nach mehr als 20 Jahren zurückkamen?
Harald Gegner: Mein erster Eindruck war: ENDLICH wieder Mbongolwane. Es war so schön, die Missionsstation aus weiter Ferne zu sehen, durch Zuckerrohrfelder und die hügelige Landschaft zu fahren und von den Schwestern so herzlich und freundlich empfangen zu werden.

LUPE: Was war der Zweck Ihrer Reise?
Harald Gegner: Es gab zwei Gründe für die Reise nach Südafrika. Zum einen wollte ich die Schwestern nach so vielen Jahren wieder einmal besuchen und Mbongolwane wieder sehen. Zum anderen wollte ich meiner Familie, meiner Frau und unseren beiden Kindern zeigen, wo ich als 25-Jähriger für fast zwei Jahre gelebt und gearbeitet habe. Die Zeit in Mbongolwane als Erzieher im Kindergarten war ein so wichtiger Lebensabschnitt für mich und es war mir deshalb ein Anliegen, mit meiner Familie zurückzukommen.

LUPE: Wie hat Ihre Familie die Reise empfunden?
Harald Gegner: Vor allem die Kinder fanden die Reise sehr aufregend. Meine Frau und ich sind schon früher in Afrika gewesen, aber für die Kinder war es das erste Mal. Die Woche in Mbongolwane war besonders spannend, da wir in diesen Tagen die Menschen und das Leben in Südafrika direkt miterleben konnten. Unsere Tochter war am meisten vom Kinderheim beeindruckt. Sie wäre am liebsten den ganzen Tag bei den Kindern geblieben. Und auch die Kinder schienen viel Spaß mit Lea zu haben. Hingegen hat der Bericht, dass sich einige Wochen zuvor zwei Schlangen im Gästehaus, in dem wir untergebracht waren, verirrt hatten, großen Eindruck bei unserem Sohn gemacht. Er hat ständig nach Schlangen Ausschau gehalten. Aber leider – oder zum Glück – ist uns keine einzige Schlange in Mbongolwane begegnet.

LUPE: Was hat sich verändert, seit Sie zum ersten Mal dort waren?
Harald Gegner: Ich würde sagen „same, same but different“, was so viel bedeutet wie: „alles wie immer und gleichzeitig ganz anders“. In Mbongolwane ist vieles so wie damals, aber es hat sich auch einiges verändert. Die Straße dorthin ist jetzt geteert, die Hütten sind moderner, es gibt mehr Autos und der Lebensstandard scheint für die meisten Menschen etwas höher als vor 20 Jahren. Vieles ist aber auch noch so wie damals, vor allem die Menschen und das Leben. Die größte Veränderung ist meiner Ansicht nach, dass die Missionsstation in Mbongolwane jetzt mehr afrikanisch ist. Das hat sicherlich damit zu tun, dass nun fast ausschließlich Schwestern aus Südafrika dort leben und wirken. Auch das Kinderheim Saint Joseph hat sich verändert. Es ist jetzt eine viel größere Einrichtung mit mehr Kindern und Angestellten und vor allem mit mehr Platz für die Kinder, die dort leben.

LUPE: Was hat Sie im Gegenzug sofort an früher erinnert?
Harald Gegner: Im Grunde hat mich fast alles an früher erinnert. Das ist wahrscheinlich der Grund weshalb ich meine, dass alles wie immer ist, trotz einiger Veränderungen. Obwohl mehr als 20 Jahre seit meinem Aufenthalt in Mbongolwane vergangen sind, scheint die Zeit in Südafrika etwas langsamer zu vergehen als bei uns in Europa. Der Konvent und die Gastfreundschaft der Schwestern waren wie damals. Während unseres Aufenthalts in Mbongolwane habe ich im gleichen Zimmer und sogar dem Bett von damals geschlafen. Das hat mich natürlich sehr stark an meine Arbeitszeit in Afrika erinnert. Der Kindergarten, in dem ich tätig war, sieht noch so aus wie früher, ebenso die Kirche und Kapelle der Schwestern. Auch das Essen schmeckte gleich und es hat noch immer so gerochen wie vor 20 Jahren. All das hat dazu beigetragen, dass ich mich gleich wieder heimisch gefühlt habe.

LUPE: Haben Sie Menschen getroffen, die Sie noch kannten?
Harald Gegner: Ja, ziemlich viele sogar und das waren wohl die schönsten Erlebnisse. Es gab so viele Menschen, die mich noch kannten und ich konnte mich an die meisten erinnern. Zum Beispiel wurde ich von einer Frau eingeladen, die damals im Kindergarten in der Küche arbeitete. Sie wollte mich gerne wieder sehen und mir zeigen, wie sich ihr Leben verändert hat. Damals war sie in großer Not, da ihr Haus abgebrannt war. Jetzt hat sie ein neues Haus mit fließendem Wasser und gekacheltem Boden. Sie war so glücklich und stolz. Außerdem kam eine junge Frau eines Abends im Konvent vorbei, um mich zu treffen. Ich wusste zunächst nicht, wer sie war. Sie erzählte, dass sie eines der Kinder war, die damals in den Kindergarten ging. Sie hatte ein Kindergartenbild dabei, auf dem wir zusammen abgebildet waren. Das war so rührend! Nachdem sie gehört hatte, dass ich mit meiner Familie in Mbongolwane bin, ist sie extra von ihrem Arbeitsort zu den Schwestern gekommen, um mich zu treffen. Sie arbeitet jetzt als Krankenschwester, worauf sie sehr stolz ist. Dieses unerwartete Treffen war wirklich eine sehr große Überraschung und eine Begegnung, für die ich sehr dankbar bin. Einige Frauen die jetzt im Konvent arbeiten, konnten sich noch gut an mich erinnern. Zum Beispiel die Frau, die jetzt für die Wäscherei verantwortlich ist, wusste noch, wer ich war. Sie war damals sehr aktiv in Jugendgruppe und Jugendchor in Mbongolwane und ist auch heute noch sehr engagiert in der Kirche.

LUPE: Was wünschen Sie den Kindern in Mbongolwane?
Harald Gegner: Das, was ich eigentlich allen Kindern auf dieser Welt wünsche: ein Zuhause, in dem sie sich sicher, geborgen und geliebt fühlen. Erwachsene, die sie verstehen und auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Menschen, die dazu beitragen, dass sie wachsen und ihr persönliches Potenzial entfalten können. Den Kindern in Mbongolwane wünsche ich vor allem, dass sie einen stabilen Grund für ihr zukünftiges Leben bekommen. Die meisten Kinder im Kinderheim kommen aus sehr schwierigen Verhältnissen und haben oft viel Schlimmes erlebt. Sie sind deshalb ganz besonders auf die Liebe und Zuwendung von Erwachsenen angewiesen.

LUPE: Wann reisen Sie wieder nach Südafrika?
Harald Gegner: Im Moment haben wir keine neue Reise nach Südafrika geplant. Ich muss allerdings zugeben, dass unsere Zeit in Südafrika, vor allem die Tage in Mbogolwane, meine innere Lust geweckt hat, einmal wieder für eine längere Zeit nach Afrika zu gehen. Das wird aber sicherlich erst möglich sein, wenn unsere Kinder auf eigenen Beinen stehen. Egal, wann das sein wird, freue ich mich schon jetzt auf ein Wiedersehen. Bis dahin muss ich wie bisher regelmäßigen Kontakt via WhatsApp mit den Schwestern halten.

Alexandra Helmich
LUPE-Redakteurin

 

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