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Würzburg und Zell am Main feiern 125 Jahre Wasservertrag

 

Es sprudelt aus dem großen Steinbrunnen vor dem Schlösschen, es fließt in die große Schale vor dem Mutterhaus und es plätschert im Innenhof: Wasser ist auf dem Oberzeller Klostergelände allgegenwärtig. Schwestern, Mitarbeitende und Besucher genießen diese Atmosphäre, die sie auch einer Quelle auf dem Klosterareal verdanken. Wie wichtig diese und die weiteren Quellen der Gemeinde Zell für die Region sind, erkannte die Stadt Würzburg schon vor 125 Jahren: 1898 erwarb die Stadt diese reichen Wasserquellen und baute ein drittes Wasserwerk mit mehreren Stollen. Das Jubiläum wird am 5. Mai 2023 mit einem Festakt gefeiert. Unter anderem ist ein Podiumsgespräch geplant, bei dem auch Generaloberin Sr. Katharina Ganz dabei sein wird.

Durch das Werk in Zell wird die Trinkwasserversorgung der Stadt Würzburg und der Gemeinde Zell seither maßgeblich sichergestellt, es ist aufgrund des bedeutenden Wasservorkommens für die regionale Versorgung unersetzlich. Einen beträchtlichen Teil des Wassers schüttet der Oberzeller Norbertusheim-Stollen. Zum 100-jährigen Bestehen des Wasservertrages beschrieb Schwester Veridiana Dürr die Faszination dieses Naturphänomens: „Von außen ist nur ein kleines Häuschen mit Tür zu sehen, aber innen verbirgt sich eine wahre Wunderwelt: Aus dem Berg kommen rechts und links kleine Rinnsale und Bäche, eine gepflasterte Rinne führt das Wasser zusammen, das ins Wasserwerk weiter transportiert wird. Weiter hinten im rund 250 Meter langen Gang ist das sogenannte Wasserschloss, hier stürzt das Wasser aus einer ziemlichen Höhe wie in einem Wasserfall herunter - ein faszinierender Anblick.“ Übrigens trieb der Klosterbach zu Zeiten des Prämonstratenserklosters sogar eine Mühle an und bewässerte den Gemüsegarten.

Kein Recht, Wasser aus den Quellen zu beziehen

Als der katholische Jungfrauenverein von der heiligen Kindheit Jesu – so hieß die Kongregation der Oberzeller Schwestern damals – im Juli 1901 das Klosteranwesen von der Firma Koenig & Bauer kaufte, wurde vertraglich festgehalten, dass der Verein kein Recht hat, Wasser aus dem unter dem Kaufobjekt entspringenden Quellen zu beziehen. Er durfte lediglich drei Sekundenliter unentgeltlich entnehmen. Ein Erbbaurecht erlaubte dem Verkäufer „unter der Erdoberfläche erforderliche Baumaßnahmen zu ergreifen, um sein Wasserbezugsrecht zu nutzen“. Schon 1902 verkaufte das Unternehmen aber diese Zeller Quelle inklusive Erbbaurecht an die Stadt Würzburg.

Das aus den Oberzeller Brunnen sprudelnde Wasser erinnert stetig an diesen Ursprung und den wichtigen Vertrag zwischen der Stadt Würzburg und der Marktgemeinde Zell am Main. Und es trägt zu dieser besonderen Stimmung bei, in die man eintaucht, wenn man das Klostergelände betritt. Am Mainufer spazieren gehen, von einer frischen Quelle trinken, dem beruhigenden Plätschern lauschen – was für uns eine Selbstverständlichkeit ist, ist vielen Menschen nicht geschenkt.

Den Armen fehlt das Gut Wasser besonders

Weltweit sterben Unicef zufolge täglich mehr als 1000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die unter anderem durch verschmutztes Wasser verursacht werden. Bei ihren Besuchen in Südafrika erleben die Oberzeller Schwestern immer wieder, wie zuerst den Armen das Gut Wasser fehlt. Wo es weder Brunnen noch Leitungen gibt, muss das Wasser oft kilometerweit geholt werden. Der Klimawandel trägt dazu bei, dass Menschen - meist Frauen und Mädchen - inzwischen noch weitere Wege zurücklegen müssen, um Wasser für ihre Familie zu holen. Das mindert auch die Chance auf Bildung, denn ein Schulbesuch ist aufgrund dessen für Mädchen manchmal nicht möglich.

In Deutschland wiederum verbraucht jede*r durchschnittlich 125 Liter Trinkwasser am Tag – ganz selbstverständlich und teilweise unbewusst. Den Oberzeller Franziskanerinnen ist ein achtsamer und verantwortlicher Umgang mit Wasser ein wichtiges Anliegen - gerade auch in dem Bewusstsein, dass das Klostergelände zum Teil im Wasserschutzgebiet liegt. So wurde bei der großen Sanierung in den Jahren 2002 bis 2008 das historische Entwässerungssystem entwirrt und neu verlegt. Dachrinnen und separate Leitungen führen seither beispielsweise den Großteil des Regenwassers direkt dem Main zu. Die Außenanlagen werden überwiegend mit Quell- oder Niederschlagswasser versorgt und die Brunnen werden im Kreislauf betrieben. Um Wasser zu sparen, wurden an vielen Hähnen Perlatoren eingebaut, die das Wasser mit Luft anreichern und den Verbrauch mindern. Mittel, die Gewässer potentiell schaden könnten, werden nach Möglichkeit vermieden. Wo ein Einsatz unumgänglich ist, werden sorgfältige Schutzmaßnahmen getroffen, um eine Gefährdung von Boden und Grundwasser auszuschließen.

„Ich würde mir wünschen, dass wir gerade angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen die franziskanische Haltung der Ehrfurcht vor der Schöpfung neu einüben“, sagt Schwester Katharina und zitiert den heiligen Franz von Assisi. In seinem berühmten Sonnengesang besang er die Erde als Mutter und die Gestirne und die vier Elemente als Brüder und Schwestern:

„Gelobt seist Du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.“

 Hier geht es zur Festschrift "125 Jahre Wasservertrag", der am 23. und 25. April 1898 zwischen der Stadt Würzburg und der Marktgemeinde geschlossen wurde.  

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