headeroberzell

Die Oberzeller Schwestern blicken in die Zukunft. Wie andere Orden und Kongregationen wird auch die Gemeinschaft in Oberzell immer kleiner. Aufgrund dieser Entwicklung fiel bereits 2019 der Entschluss, sich selbst eine Perspektive zu schaffen. Es geht dabei um die eigene Lebensordnung, aber auch um die Liegenschaften. Für letzteres wurde eigens eine Kommission gegründet. Deren entwickelte Lösungsansätze werden nun bei dem Außerordentlichen Generalkapitel vom 6. bis 15. Juni diskutiert. Insgesamt soll der Blick darauf gerichtet sein, die Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft und die Altersvorsorge zu sichern und dadurch Freiräume für den eigentlichen Auftrag zu schaffen. Wie bei der Ordensgründerin Antonia Werr ist auch heute ein entschiedenes Vorgehen und Handeln sowie Mut zum Loslassen notwendig.

2021 05 29 Prozess Zukunft Kloster workshop kleinWorkshop zur Zukunftsfrage. Foto: Ulrike RoseKulturmanagerin Ulrike Rose leitet die Kommission „Liegenschaften, Häuser und Einrichtungen“. Wenn sie von Klöstern und Ordensgemeinschaften spricht, dann erzählt sie von einer faszinierenden Welt, von der „wir alle viel lernen können“. Das gelte auch für die Oberzeller Franziskanerinnen. Zur Kommission gehören neben Rose noch Sr. Reginarda Holzer, Sr. Teresa Weimert, Bernadette Wagner (bis Februar 2022), Tanja Weidenbusch aus der Verwaltung sowie Dr. Roland Horster aus Randersacker. Rolf Novy-Huy, Vorsitzender der Stiftung trias, und Franz-Josef Wagner, der unter anderem das Außerordentliche Generalkapitel moderiert, arbeiteten ebenso an der Konzeption mit.

Ein fertiges Konzept werden sie aber nicht vorlegen, wie Ulrike Rose erklärt: „Wir präsentieren Lösungsansätze. Die Schwestern entscheiden, welcher Weg für sie der richtige ist und weiterverfolgt werden soll.“ Einige Parameter wurden dafür bereits vorab festgelegt: So soll Oberzell auf jeden Fall eine Einheit bleiben, franziskanische Spiritualität, Achtsamkeit, der besondere Blick für Mädchen und Frauen in Not, eine lebendige Kirche, Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung, Zukunftsfähigkeit und Altersvorsorge sind wichtige Prinzipien.

2022 06 05 PfingstsonntagPfingsten in Oberzell. Foto: Sr. Margot

 

Schwestern aus Südafrika und den USA zu Gast

Für dieses Außerordentliche Generalkapitel sind auch Mitschwestern aus Südafrika und aus den USA in Oberzell. So konnte die Gemeinschaft auch das Pfingstfest in ganz besonderem Rahmen feiern: zweisprachig, mit Zulu-Gesängen und Tänzen bei der Gabenprozession.

Die Kongregation steht übrigens keineswegs unter Zeitdruck. „Die Oberzeller Franziskanerinnen haben rechtzeitig begonnen, sich über die Zukunft ihrer Häuser, Liegenschaften und Einrichtungen Gedanken zu machen“, sagt Ulrike Rose. Damit können Veränderungen behutsam und sukzessive geplant und umgesetzt werden. Übergeordnetes Ziel: Die Schwestern möchten wieder mehr Zeit für ihren Sendungsauftrag haben. Auch für Ulrike Rose ist nicht nur das wunderbare Areal in Oberzell von Bedeutung. Denn die Schwestern hätten „enorm viel für unsere Gesellschaft geschaffen“. Die Kulturmanagerin sieht darin eine „Riesenchance“ für die Oberzeller Franziskanerinnen und sie weiß: „Die Schwestern gehen mutig in die Zukunft.“

 

 

 

Zwei Gebete aus der Pfingstvigil-Feier am Samstagabend möchten wir gerne mit Ihnen teilen (Fotos: Sr. Beate):

Es ist eine göttliche Gnade, gut zu beginnen.
Es ist eine größere Gnade, auf dem Weg zu bleiben
und den Rhythmus nicht zu verlieren.
Aber die Gnade aller Gnaden ist es, sich nicht zu beugen und,
ob zerbrochen und erschöpft,
vorwärtszugehen bis zum Ziel.
(Dom Helder Camara 1909-1999)
 It's a divine grace to start good.
It's a greater grace, to stay on the path
and not loose the rhythm.
But the grace of graces is it, not to bend and,
whether broken and exhausted,
to advance to the goal.
 Wenn uns die Kräfte verlassen,
sei Du die Kraft, Heiliger Geist.
Wenn uns Krankheit schwächt,
sei Du die Heiligung, Heiliger Geist.
Wenn uns Fragen plagen,
sei Du die Antwort, Heiliger Geist.
Wenn uns Sorgen quälen,
sei Du die Zuversicht, Heiliger Geist.
Wenn alles hoffnungslos erscheint,
sei Du der neue Anfang, Heiliger Geist.
Wenn der Tod naht, sei Du das Leben, Heiliger Geist.
(Anton Rotzetter)

 When strength leaves us,
be thou the strength, Holy Spirit.
When sickness weakens us,
be the cure, Holy Spirit.
When questions plague us,
be thou the answer, Holy Spirit.
When sorrows torment us,
be thou the confidence, Holy Spirit.
When all seems hopeless,
be thou the new beginning, Holy Spirit.
When death approaches, be thou the life, Holy Spirit.

 

Eindrücke vom Auftaktgottesdienst zum Generalkapitel 2022 am Pfingstmontag:

 

­