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Bei der Nacht der offenen Kirchen in Würzburg am 2. Oktober 2019 präsentierte sich die Von-Pelhoven-Schule mit der Ausstellung „Hoffnungszeichen Antonia Werr und das Antonia-Werr-Zentrum“ (AWZ).

Sankt Ludwig/ Würzburg. Bereits am Weltfrauentag, dem jährlichen Projekttag an der Von-Pelkhoven-Schule, war Ordensgründerin Antonia Werr Thema in vielen Workshops. Daraufhin meldete Lehrerin Doro Schömig einen Beitrag der Schule bei den Organisatoren der Nacht der offenen Kirchen in Würzburg an: Eine Ausstellung sollte entstehen.

Richtig an die Arbeit zur Ausstellung ging es kurz vor Schuljahresende. Eine neue Schülerin, Johanna*, war an die Von-Pelkhoven-Schule ins Berufsvorbereitungsjahr gekommen. Neben Wiederholen und Aufarbeiten von Schulstoff ließ sich Johanna auf die Erstellung von Ausstellungsstücken für die AWZ-Ausstellung ein. Bald bemerkte sie berührt, dass sie aus dem gleichen Grund in der Einrichtung war wie die Frauen, um die sich Antonia Werr schon 1855 bemühte. Den Neuanfang im AWZ nannte Johanna ihre „große Chance“, denn sie hatte nach eigenen Angaben „viel Mist gebaut“. Mit vielen Auflagen war ihr Neubeginn im AWZ verbunden. Von Tag zu Tag machte sie positive Erfahrungen mit Lehrkräften sowie pädagogischen Fachkräften, und die Erkenntnis, dass sie weder in einem Kloster noch in einer knastähnlichen Einrichtung gelandet war, erleichterten sie sehr. In der Wohngruppe, der Schule und bei vielen alltäglichen Begegnungen erfuhr die Jugendliche was es bedeutet, im Heilpädagogischen Mädchenheim des AWZ zu leben: Selbstfindung – Zielsetzung – Achtsamkeit mit sich und anderen – sicherer Ort – und immer wieder tauchte auch der Begriff „Haltung“ im täglichen Miteinander auf. Bei den Arbeiten zur Ausstellung stellte sie fest, dass Antonia doch eigentlich Antonie getauft wurde und dass auch heute noch Frauen in einer Gemeinschaft zusammenleben, die sich Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu nennen. Johanna gestaltete Plakate zur Geschichte der Oberzeller Franziskanerinnen und des AWZ. Sie erfuhr Grundlegendes über die Spiritualität der Schwestern und der heutigen Mitarbeiterinnen. Dass sie sich an Franz von Assisi orientieren und das Thema „Menschwerdung“ wichtig ist. „Was für ein Mensch bin ich eigentlich?“ fragte sich Johanna und bedauerte, dass sie viele Menschen enttäuscht hatte. Die Erkenntnis, dass ein Neuanfang immer wieder möglich ist und man trotzdem die Person bleiben kann, die man eigentlich ist – das fand sie eine gute Sache im AWZ. Obwohl die Jugendliche die Erzieher*innen schon wieder herausgefordert hatte, hielten sie zu ihr. Joahnna verstand die Haltung, die Antonia Werr gelebt und an andere weitergeben hatte. Und diese Haltung sollten auch die Besucher*innen der Antonia-Werr-Ausstellung in Würzburg erkennen. Auf einem T-Shirt machte Johanna ihre eigene Haltung sichtbar. Berührt von Antonia Werrs Wertschätzung gegenüber allen Menschen, weil sie das Göttliche in jedem Menschen sah, konnten viele Besucher*innen der Ausstellung feststellen, dass diese Haltung auch heute noch im AWZ gelebt wird. Es ist Hoffnungszeichen für viele Mädchen und junge Frauen. Die Besucher*innen der Ausstellung „Hoffnungszeichen Antonia Werr und das Antonia-Werr-Zentrum“ zeigten sich berührt von früheren Bildern und Schriften und noch mehr von der heutigen Arbeit der Verantwortlichen und Mitarbeiter*innen. Die Schülerinnen der Von-Pelkhoven-Schule im AWZ waren und sind Expertinnen für herausfordernde Lebensumstände. Sie sind mutig! Sie wagen Neuanfänge! Sie werden wegen ihrer Erfahrung und Haltung bei Praktikumsstellen und in verschiedenen Gremien wie dem Landesheimrat Bayern geschätzt.

*Name geändert

Doro Schömig, Lehrerin, Von-Pelkhoven-Schule
Elisabeth Stahl, Heilpäd. Förderlehrerin, Von-Pelkhoven-Schule
Johanna, Schülerin

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