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Dieser Artikel widmet sich dem Thema Labels und Zertifikate und beleuchtet unseren Konsum unter einem Aspekt, der vor allem mit Menschen am anderen Ende der Welt zu tun hat.

Rana Plaza – das ist die Textilfabrik in Bangladesch, bei deren Einsturz im April 2013 über 1.100 Menschen ums Leben gekommen sind. Trotz eklatanter Sicherheitsmängel des Gebäudes arbeiteten die Näher*innen weiter, aus Angst, ihre Arbeit zu verlieren. Dieses Unglück hat den Blick darauf gelenkt, dass die Kleidung, die wir erwerben, zum Teil unter unwürdigsten Bedingungen produziert wird. Textilarbeiter*innen in Bangladesch oder anderen Ländern, vor allem Südostasiens oder Mittelamerikas, arbeiten oft bis zu 14 Stunden täglich, dürfen währenddessen nicht zur Toilette, bekommen kaum Lohn und sind schutzlos gefährlichen Chemikalien ausgesetzt. Meist sind die eingesetzten Mittel nicht nur gesundheits-, sondern auch umweltschädlich.

Bei täglichen Kaufentscheidungen machen wir uns manchmal wenig Gedanken über die Herkunft der Waren, vor allem, wenn sie weit weg von uns hergestellt wurden. Es würde uns auch überfordern, bei jedem Einkauf und jedem Produkt überlegen zu müssen. Allerdings möchte wohl wissentlich niemand Kleidung kaufen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurde, Margarine, für die Regenwald abgeholzt werden musste, oder Fleisch aus Betrieben, in denen die Tiere leiden. Um das zu vermeiden, können wir uns bewusst für faire Produkte entscheiden. Dabei können uns Siegel oder Label unterstützen, die als Symbol auf Verpackung oder Etikett abgedruckt sind und die Einhaltung von gewissen Standards bei der Herstellung garantieren.

Weiße Weste?
Es gab bereits vor 2013 Modefirmen, die auf faire Arbeitsbedingungen achteten, doch seit dem Rana Plaza Unglück scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben. Europäische und amerikanische Bekleidungsfirmen, Gewerkschaften vor Ort und auch Regierungen wirken darauf hin, bessere Arbeitsbedingungen für die Bekleidungsindustrie in den entsprechenden Ländern zu erwirken. In Deutschland gibt es verschiedene Siegel für Textilien, die die Einhaltung gewisser Standards, die bessere Arbeits- oder Umweltbedingungen schaffen sollen. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist einer der Vorreiter bezüglich ökologischer Standards und das Fair Wear Foundation-Label bezüglich Sozialstandards. Seit September 2019 gibt es das Grüner Knopf-Label, das sich für bessere Produktionsbedingungen sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht einsetzt. Der sehr verbreitete Öko-Tex Standard 100 (oder Standard 100 by Oeko-Tex) sagt wenig über die Produktionsbedingungen aus, sondern hauptsächlich über den Schadstoffgehalt im Kleidungsstück. Hier gibt es inzwischen ein strengeres Label, das komplett auf nachhaltige Produktion setzt: Oeko-Tex Made in Green.

Ähnliche Bedingungen wie in der Textilindustrie herrschen auch in überwiegend asiatischen Spielwarenfabriken. Neben Siegeln für den pädagogischen Wert und die Sicherheit gibt es bisher wenige Siegel, die sich mit den Produktionsbedingungen befassen. Diese hängen mit der Art des Spielzeugs zusammen, für Holzspielzeug gibt es beispielsweise das PEFC-Siegel Heimisches Holz aus Deutschland, welches ökologische und soziale Aspekte bei der Waldwirtschaft berücksichtigt, oder bei Textilspielwaren z.B. das GEPA-Fair-Plus-Zeichen. GEPA setzt sich für faire Handelsbedingungen und bessere Umweltstandards ein. Das bedeutet: Menschen, die an der Produktion beteiligt sind, erhalten gerechte Löhne, damit sie ihre Familien ernähren können, und im Bereich Umwelt werden Mindeststandards eingehalten.

Über den Tellerrand
Betrachten wir das Thema Ernährung durch die Globalisierungsbrille, wird das Zusammenspiel von Ökologie und Gerechtigkeit deutlich. Palmöl ist inzwischen in fast jedem zweiten Supermarktprodukt, beispielsweise in Schokolade, Margarine, Keksen oder Fertigpizza. Für Palmöl werden gerade in Malaysia oder Indonesien große Flächen an Regenwäldern abgeholzt. Wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere sind bereits zerstört, die einheimische Bevölkerung vertrieben. Auf den Plantagen werden häufig Menschen ausgebeutet und Herbizide eingesetzt. Ein Label für nachhaltiges Palmöl ist das RSPO-Label. Dieses soll sicherstellen, dass bei der Herstellung bestimmte Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. Es steht jedoch ebenso wie das Rainforest Alliance Label in der Kritik, da diese Nachhaltigkeitsstandards zum Teil nicht eingehalten werden können. Es gibt Zertifikate mit strengeren Kriterien, zum Beispiel durch das Forum nachhaltiges Palmöl (FONAP), doch mit Sonnenblumenoder Rapsöl gibt es auch regionale Alternativen.

Ähnlich verhält es sich mit Soja. Etwa 80 Prozent der weltweiten Produktion dieser Hülsenfrucht dienen als Futter für die Tierhaltung. Für den Sojaanbau werden hauptsächlich in Südamerika Regenwälder gerodet, mit den bereits beschriebenen Folgen. Dass möglicherweise Regenwälder für das Futter der Tiere abgeholzt werden, ist ein Aspekt. Ein weiterer ist die Tierhaltung an sich. Inzwischen kann man in vielen Supermärkten auf der Verpackung von Fleisch und Wurst die Tierhaltung erkennen. Das Label „Haltungsform“ gibt in den Stufen von 1 bis 4 in unterschiedlichen Farben Auskunft darüber, ob ein Tier artgerecht gelebt hat. Ab 2020 sollen auch die ersten Verpackungen mit dem staatlichen Tierwohlkennzeichen gelabelt sein. Dieses dreistufige Modell geht über die reine Tierhaltung hinaus und umfasst auch den Stress der Tiere bei Transport und Schlachtung. Zunächst gilt es aber nur für Schweine. Für biologische Landwirtschaft stehen unter anderem die bekannten Labels Bioland, Naturland und Demeter, doch auch das weniger strenge EU-Bio-Label. Können Lebensmittel nicht aus der Region bezogen werden, lohnt es sich, auf das Fairtrade-Siegel zu achten, das für faire Handelsbeziehungen steht.

Licht im Label-Dschungel
Bei all den Labels ist es schwer, den Überblick zu behalten, und natürlich bieten sie keine umfassende Garantie, helfen aber zur Orientierung beim Einkauf. Eine gute Kurzzusammenfassung zu Labeln und Zertifikaten bietet der Label-Check der Christlichen Initiative Romero (CiR), der eine Ampelbewertung in Bezug auf Soziales, Ökologie und Glaubwürdigkeit vornimmt. Bereits älter (von 2010) ist der Kompass- Gütesiegel von Öko-Test, der über 300 Label in allen Bereichen beschreibt und bewertet und Hintergrundinformation liefert. Auch im Internet gibt es die Möglichkeit, sich über Label zu informieren, z.B. unter www.label-online. de. Dort gibt es auch die entsprechende App und man kann unter dem Punkt „Nachhaltig Einkaufen“ einen virtuellen Einkaufsbummel machen.

Das Beste zum Schluss
Unser Konsum wirkt sich auf unsere Mit-Welt und unsere Mit-Geschöpfe aus, also auf Menschen, die an der Herstellung der Güter beteiligt sind, auf Tiere und ihre Haltung sowie auf Artenvielfalt, Boden, Landschaft und Klima. Das kann ernüchternd sein, ist aber auch unsere Chance. Die gute Nachricht ist: Wir haben es in der Hand! Durch unsere alltäglichen Kaufentscheidungen können wir zu besseren Produktionsbedingungen beitragen. Dazu braucht es manchmal nur ein wenig Aufmerksamkeit im Alltag. Werden wir dieser Verantwortung gerecht!

Sr. Beate Krug

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