headeroberzell

„Das ist mutig.“ „Ich bin beeindruckt.“ „Vier Wochen ganz alleine?“ Solche Sätze bekam Schwester Beate Krug zu hören, als sie erzählte, sie ginge für 28 Tage in die Stille.

In gewisser Weise ließ ich mich auf ein Abenteuer ein, als ich mich für einen Monat in die Einsiedelei Franziskusklause der Franziskaner-Minoriten vom Kloster Maria Eck zurückzog. Die Einsiedelei liegt im Chiemgau und ist ein einfaches Blockhaus bestehend aus einem Hauptraum mit Bett, Tisch, Schrank und Ofen sowie einem Gebetsraum. Eine Waschmöglichkeit gibt es vor der Hütte am Brunnen unter fließend kaltem Wasser oder mit Emaillekrug und Waschschüssel. In einiger Entfernung befindet sich ein Plumpsklo. Geheizt und gekocht wird mit dem Holzofen. Strom liefert eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Sehnsucht nach Gott
Was treibt einen Menschen dazu, sich einen Monat in die Stille zurückzuziehen? Die einfache und wiederum auch so große Antwort ist: die Sehnsucht. Ich wollte meiner Sehnsucht nach größerer Tiefe im spirituellen Leben und nach einer Intensivierung meiner Gottesbeziehung Raum geben. Der Gedanke, sogenannte große Exerzitien zu machen, bewegte mich schon länger. Für mich bot es sich am Ende meiner dreijährigen Junioratszeit an: an diesem Punkt des Hineinwachsens in die Gemeinschaft stellte sich die Frage nach einer möglichen Bindung auf Lebenszeit. So machte ich mich auf den Weg in diese ganz besondere Zeit: vierwöchige Exerzitien, im Schweigen, alleine bis auf das tägliche Gespräch mit meinem Exerzitienbegleiter Bruder Christian, ohne zu wissen, was ich erleben und erfahren würde.

Beten und arbeiten
Die Tagesstruktur ergab sich aus den alltäglich zu erledigenden Dingen wie Feuer machen, Kochen, Essen, Abwaschen. Ebenso war eine Stunde Arbeitseinsatz täglich zu verrichten, wie Holzhacken oder Beikräuter jäten. Dies ist Teil des Lebens in der Einsiedelei, um ins praktische Tun und weg von Gedankenspiralen zu kommen. Über den Tag verteilt gibt es mehrere einstündige Gebetszeiten, am Abend das Gespräch mit dem Begleiter. Exerzitien sind eine Einübung in die Achtsamkeit, denn in all dem was ich erlebe, in der Natur, in den Texten der Schrift, beim Arbeiten und beim Essen, kann mir Gott begegnen. Es geht um das Los- und Sich-Ein-Lassen, um Wahrnehmen und Offen-Sein für das, was geschieht, was sich in den Vordergrund drängt und für Emotionen, die ich in ihrer ganzen Bandbreite durchlebte. Es ist eine intensive Zeit des Rückgeworfen-Seins auf sich selbst, frei von Verpflichtungen und weitgehend frei von äußeren Anreizen – einfach Sein.

Perlen in die Schatzkiste sammeln
Am letzten Exerzitientag lud mich Bruder Christian ein, sinnbildlich ‚Perlen in die Schatzkiste zu sammeln‘, um all das, was mir in dieser Zeit wichtig wurde, so zu verinnerlichen, dass ich es bewahren und wieder herholen könnte. Ich habe Sterne aus Papier beschriftet und bemalt. Es handelt sich dabei nicht nur um Sternstunden, sondern es sind tiefe Momente, die nachwirken, das, was mir bewusst wurde, was ich als kostbar erfahren habe. Ich bin Bruder Christian sehr dankbar für die einfühlsame Begleitung und meiner Gemeinschaft dafür, dass sie mir diese besondere Zeit ermöglichte. Vielleicht war die Zeit ein Wagnis, denn niemand weiß vorab, was mit ihm/ihr in Exerzitien geschieht. Ich konnte meiner Sehnsucht nach Tiefe Raum geben und Gott in verschiedensten Formen begegnen. Beseelt und reich beschenkt kehrte ich zurück. Diese Zeit wird sicherlich noch lange – hoffentlich ein Leben lang – nachklingen.“

Schwester Beate Krug

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