headeroberzell

Die Pflanze Fumaria officinalis L. steht zugleich für Irdisches und Vergängliches – in memoriam Dr. JohannesGottfried Mayer – als Tee lindert Erdrauch Gallen- oder Magenbeschwerden.

Es war an einem Nachmittag im Mai 1999, die Aufzugtür öffnete sich und Dr. Johannes Gottfried Mayer betrat den Eingangsbereich zur Klosterbibliothek. In der behaglichen Bibliothek wartete schon Schwester Leandra Ulsamer mit Kaffee und Kuchen auf ihn, sie sahen sich damals zum ersten Mal. Beide unterhielten sich begeistert miteinander und schmiedeten sofort gemeinsame Pläne.

Schwester Leandra hatte Ende der 1980er die Klosterbibliothek übernommen und wenig später einen Kräutergarten angelegt. Anfangs noch klein und lediglich zum Anbau von Kräutern für den eigenen Bedarf gedacht, vergrößerte sich das Gärtchen mit jedem Jahr und hatte 1999 schon fast die heutigen Ausmaße.

Als Sohn eines Lehrers für Geschichte und Latein und mit dem Studium für Germanistik, Geschichte, Sozialkunde und Philosophie war Dr. Johannes Mayer ein umfassend gebildeter Mensch, dennoch stets bescheiden und den Menschen zugewandt. Seine Promotion über den Mystiker und Dominikaner Johannes Taulers hatte ihn in die Zeit des Mittelalters und die Welt der Klöster geführt. Ab 1984 war Mayer wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Würzburg und Eichstätt und beschäftigte sich mit der medizinischen Fachprosa des Mittelalters sowie Ethik in der Medizin. Die Klostermedizin und Geschichte der Arzneipflanzen wurden dabei seine besonderen Forschungsschwerpunkte. Ab 1999 arbeitete Dr. Mayer hauptsächlich für die Würzburger Forschergruppe Klostermedizin, in diesem Rahmen betreute er auch Dissertationen aus den Fächern Medizin und Pharmazie. Mit anderen Wissenschaftlern gründete er 1999 den Studienkreis zur Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg, der seitdem jedes Jahr die Arzneipflanze des Jahres kürt.

Die Wahl der Heilpflanze steht ganz im Zeichen des Todes von Dr. Mayer, der am 27. März 2019 verstarb. Es ist der Echte Erdrauch (Fumaria officinalis L.). Der Wuchs dieser Heilpflanze scheint wie ein pflanzliches Symbol der Beisetzungszeremonie: „Von der Erde bist du genommen – zur Erde kehrst du zurück. Der Herr aber wird dich auferwecken.“ Die grüngrauen Pflanzenbüschel des Erdrauchs sehen von Weitem aus, als stiege Rauch aus der Erde. Die langen Sprossen liegen auf der Erde oder klettern an Nachbarpflanzen empor. Über den zahlreichen, aber sehr filigranen grau-grünen Blättern erblühen die zartrosafarbenen Blüten, die am Rand intensiv purpurfarben sind, wie kleine Flammen. Auch der Name Erdrauch erinnert daran, dass Leben und Tod zusammengehören. „Erd“ steht für das Leben, das Verbundensein im Hier und Jetzt und der „Rauch“ für das Vergängliche, das Verschwinden, den Abschied vom Leben hin in eine erhabene Welt. Nach genau 20 Jahren ist die Zusammenarbeit mit Dr. Joahnnes Mayer nun unerwartet und viel zu früh zu Ende. Viele verlieren mit ihm einen begeisternden Wissenschaftler, aber auch einen guten Freund.

Katharina Mantel
Apothekerin


Anwendung: 
Erdrauch als Tee oder Pulver eingenommen kann den Gallenfluss aktivieren und damit einhergehende Symptome wie Völlegefühl und Blähungen verbessern.

Zubereitung als Tee:
2 g getrocknetes Kraut mit 250 ml heißem Wasser übergießen und nach 10 Minuten Ziehzeit abseihen. Erdrauch wird am besten mit wohlschmeckenden Kräutern wie Pfefferminze oder Fenchel kombiniert. Bei Bedarf 1-3 x täglich vor dem Essen.

­