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Die Mondschwester ist der fünfte Band aus der Reihe „Die sieben Schwestern“ von Lucinda Riley. Es ist nicht unbedingt nötig, sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Jedes Buch ist in sich abgeschlossen.

Alle sechs Mädchen (die siebte Schwester bleibt noch ein Geheimnis) sind von ihrem charismatischen Vater Pa Salt adoptiert. Als er stirbt, hinterlässt er seinen Töchtern Hinweise auf ihre Herkunft, denn sie alle entstammen ganz unterschiedlichen Kulturen. Genau dies macht den Reiz der Reihe aus. Jedes der Mädchen ist einzigartig. Bei der Lösung des Rätsels ihrer Herkunft reisen sie in verschiedene Länder und werden mit fremden Kulturen konfrontiert (Norwegen – Brasilien – Großbritannien –Australien).

Alle Bände beginnen mit dem gleichen Satz: „Nie werde ich vergessen, wo ich war und was ich tat, als ich hörte, dass mein Vater gestorben war.“ Tiggy d’Applièse, die fünfte Schwester, arbeitete zu diesem Zeitpunkt in einem Wildschutzgebiet in Schottland. Sie nimmt das Angebot an, in den Schottischen Highlands auf einem großen Anwesen Wildkatzen anzusiedeln. Dort trifft sie auf einen alten Zigeuner aus Andalusien. Er sagt ihr voraus, dass sie nach Granada reisen wird, um sich auf die Suche nach ihrer Familie zu begeben. Pa Salt hat Tiggy einen Brief hinterlassen mit Hinweisen auf ihre Wurzeln in Granada. So entscheidet sie sich, dorthin zu fliegen, wo sie dem einzigartigen Lebensweg ihrer Großmutter Lucia folgt, der berühmtesten Flamencotänzerin ihrer Zeit. Schon im Alter von zehn Jahren zog diese regelrecht Zuschauermassen an.

Wir als Leserinnen tauchen in dieser „Vergangenheitsebene“ ein in die Welt der Zigeunergemeinde (Gitanos) von Sacramonte, von Menschen – die mit Blick auf die Alhambra – in einem Höhlensystem wohnen. Wir erleben die Entwicklung Lucias von einem einfachen, entbehrungsreichen Leben zu einem weit über Spanien hinaus gefeierten Flamencostar – mit allen Höhen und Tiefen. Beeindruckend sind dabei auch die vielen Informationen über den Flamenco und die Lebensumstände der spanischen Zigeuner Anfang des 20. Jahrhunderts. Zudem ist es spannend zu lesen, wer Tiggys Eltern waren und warum sie als Baby zur Adoption freigegeben wurde.

Auf der „Gegenwartsebene“ erfahren die Leserinnen, wie Tiggy immer mehr über ihre Familie erfährt und was sie unternimmt, um an diese Informationen zu gelangen. In der aufregenden Zeit der Suche nach ihrer Familie reißt die Verbindung nach Schottland aber nicht ab. Sie merkt, wie wichtig dieser Teil ihres Lebens für sie geworden ist. So ist die Suche nach ihren Wurzeln für Tiggy auch eine Reise zu sich selbst. Sie erkennt ihre Fähigkeiten und sieht ihre Zukunft klar vor sich.

Lucinda Rileys Sprache ist klar und bildhaft. Man kann sich die beschriebenen Personen und Orte sehr gut vorstellen, ist sofort gefesselt und kann das Buch oft gar nicht zur Seite legen. Auch die Tatsache, dass Mystik in die Geschichte einfließt (z. B. die Gabe des Sehens) macht sie nicht kitschig. Alle „Schwestern-Bücher“ sind gut recherchiert und neben der Freude am Lesen wird man auch sehr umfassend informiert.

Fazit: Die Mondschwester ist hervorragendes Lesefutter für lange Winterabende und macht Lust auf den nächsten Band – oder auch auf vorherige.

Claudia Lüke

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