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Haus Klara machte sich 2017 auf dem Weg zur EMASplus-Zertifizierung, mit dem kontinuierlichen Ziel, sich stetig zu hinterfragen. Ein Zwischenstand.

Das Haus Klara, die Bildungs- und Tagungseinrichtung der Oberzeller Franziskanerinnen, hat sich auf den Weg gemacht, die Geschäftstätigkeiten nachhaltiger auszurichten und dies messbar zu machen. Gemeinsam mit acht weiteren Unternehmen und Organisationen, darunter drei kirchlichen Einrichtungen aus dem Bistum Würzburg, beteiligte sich Haus Klara am so genannten ersten Umwelt-Management-Konvoi Unterfranken. Der Konvoi wurde vom Freistaat Bayern gefördert und vom Förderverein Umweltschutz Unterfranken e.V. fachlich begleitet.

Für eine franziskanische Ordensgemeinschaft wie die der Oberzeller Franziskanerinnen hat die Bewahrung der Schöpfung an sich einen hohen Stellenwert. Franziskus von Assisi gilt als der Heilige schlechthin, der die Liebe zum Schöpfer und allem Geschaffenen durch seinen ehrfürchtigen Umgang mit allen Kreaturen in Verantwortung vor Gott gelebt hat. Diesen Fußspuren folgend machte sich Haus Klara Ende 2017 auf den Weg zu einem zertifizierten Nachhaltigkeitssystem.

Unter dem weiten Begriff Nachhaltigkeit wird im Haus Klara verstanden, die Verantwortung gegenüber Gästen und Partner*innen, Mitarbeiter*innen und Gottes Schöpfung wahrzunehmen. Dazu gehört der sorgsame Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Wasser, Strom und Wärme ebenso wie ein wertschätzendes Miteinander unter Kolleg*innen und der bewussten Beschaffung von Lebensmitteln und anderen Verbrauchsgütern. Alle Abläufe wurden nach den Kriterien Ökologie, Ökonomie und Soziales bzw. Gesellschaftliches auf den Prüfstand gestellt.

Zertifizierung war Teamarbeit
Von Beginn an waren die Angestellten und Schwestern in den Prozess eingebunden. Es bildete sich ein Team bestehend aus der Hausleitung, Mitarbeitenden aus den Bereichen Verwaltung und Hauswirtschaft/Service, einem Vertreter der Handwerksabteilung und der Umweltbeauftragten der Oberzeller Franziskanerinnen, um den Zertifizierungsprozess federführend mitzugestalten. In Informationsveranstaltungen für alle, die im Haus Klara tätig sind, wurden Gründe, Ziele und Vorgehensweise erläutert. Als einer der ersten Schritte erstellte das Team interne Leitlinien für Haus Klara, die die Schöpfungsleitlinien der Kongregation ergänzen und speziell das Wohl der Mitarbeiter*innen und Gäste in den Blick nehmen. Darüber hinaus beinhalten sie die Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistungen. Mitarbeiter*innen wurden einbezogen und nach ihrer Zufriedenheit mit dem Arbeitsumfeld und dem Umweltengagement von Haus Klara befragt.

Am Anfang stand auch eine Bestandsaufnahme der Ist-Situation. Dazu zählten Fragen wie: Wie hoch ist der aktuelle Strom- und Wasserverbrauch? Wie sind baulicher und energetischer Zustand der Gebäude? Welche Rohstoffe und Verbrauchsgüter werden verwendet? Basierend darauf wurden Ziele gesetzt, und Maßnahmen zum Erreichen derselben festgelegt. Diese werden in einem sogenannten „Aktionsplan“ nachverfolgt. Die Ziele sind strategisch ausgerichtet und können in allen Bereichen festgelegt werden.

Umgang mit Ressourcen
Obwohl Haus Klara überwiegend mit zertifiziertem Ökostrom beliefert wird, war eines der Ziele die Reduktion des Stromverbrauchs: dies schont Ressourcen und spart Kosten. Dieses Ziel wurde bereits innerhalb eines Jahres erreicht, beispielsweise durch den Austausch bzw. die Abschaffung älterer Kühl- und Gefriergeräte, den konsequenten Ersatz von defekten Leuchtmitteln durch LED und die Sensibilisierung von Mitarbeitenden wie Gästen.

Nachhaltige Beschaffung
Ein weiteres Ziel war es, die Beschaffung nachhaltiger als bisher bereits zu gestalten. So wurde bei Hygienepapieren komplett auf Recyclingmaterial umgestellt. Die Reinigungsmittel sind inzwischen auf der Basis natürlicher Inhaltsstoffe, was mehrere Vorteile bietet. Zum einen kommen weniger verschiedene Mittel zum Einsatz und die Dosierung ist sparsamer. Weniger Lagerplatz und gesparte Kosten sind die Folge. Darüber hinaus sind die jetzt verwendeten Mittel umweltfreundlich und gesundheitsschonender als die bisherigen und werden von einem lokalen Unternehmen bezogen.

Im Bereich Gastronomie soll verstärkt auf saisonale Lebensmittel aus regionalem und wenn möglich auch biologischem Anbau geachtet werden. Gemüse stammt soweit möglich aus der biologisch ausgerichteten Lehrgärtnerei des Antonia-Werr-Zentrums in Sankt Ludwig. Auch bei Getränken achtet man zunehmend auf kurze Wege und die Herkunft aus kleinen Unternehmen. Backwaren liefert eine Bio-Bäckerei. Das Sortiment an Knabbereien im Gästebereich ist ausschließlich aus fairem Handel.

Büroartikel werden über ein lokales, nachhaltiges Versandunternehmen bestellt. Das beliefert die nähere Umgebung, so auch Oberzell, nach Möglichkeit sogar per Fahrradkurier. Auch neue Arbeitskleidung wird nach Kriterien der Nachhaltigkeit ausgewählt.

Motivation der Mitarbeiter*innen
Zufriedene Mitarbeiter*innen sind eine wichtige Voraussetzung für Qualität und Erfolg von Haus Klara. Zusätzlich zu den Angeboten der Kongregation der Oberzeller Franziskanerinnen für die Angestellten wie Zusatzversicherungen, Gesundheitstag oder spirituelle Angebote gibt es spezielle Fortbildungen für den Umgang mit Gästen. Die Aspekte Gesundheit, Zufriedenheit und Motivation greifen regelmäßig stattfindende Informationsveranstaltungen für die Belegschaft (so genannte Info-Cafés) auf. Außerdem können alle ihre Ideen zur Nachhaltigkeit einbringen.

Bewusstseinsbildung
Ein Ziel ist es, sowohl die Beschäftigten als auch die Gäste und auch die Lieferfirmen mit in das Umweltengagement einzubeziehen. Der Nachhaltigkeitsbericht liegt in allen Gästezimmern aus und hat bereits zu vielen positiven Rückmeldungen Anlass gegeben. Auf der Webseite können sich Gäste über die klimaschonende Anreise informieren. Die Bewahrung der Schöpfung wird immer wieder im Newsletter von Haus Klara aufgegriffen. Das Umweltteam trifft sich mindestens vier Mal jährlich und es vergeht praktisch kein Info-Café, ohne direkten oder indirekten Bezug zu den Themen Klima- und Gesundheitsschutz, nachhaltige Beschaffung oder bewusste Ressourcennutzung. Genau dies ist auch Ziel eines Managementsystems: dass Nachhaltigkeit alle Ebenen durchdringt und selbstverständlicher Teil der Arbeitsabläufe wird.

Zertifikatsüberreichung
Am 25. Januar 2019 konnten die Früchte geerntet werden: Das Engagement des Teams und aller Mitarbeiter*innen wurde mit der EMASplus-Zertifizierung belohnt. Damit gehört Haus Klara zu den Pionier*innen von Organisationen mit einem zertifizierten Nachhaltigkeitssystem. Doch auf diesen Früchten kann sich die Einrichtung nicht ausruhen. Die Zertifizierung ist ein Zwischenstopp und der Auftrag, die in den Leitlinien vereinbarten Werte immer mehr in die täglichen Abläufe zu integrieren, Gäste und Mitarbeitende immer neu zu sensibilisieren und somit kontinuierlich ein bisschen besser zu werden. Das EMASplus-Zertifikat beinhaltet den Anspruch, stetig das Tun und Handeln mit Blick auf die Nachhaltigkeit zu reflektieren und neu auszurichten. Gemeinsam wurden neue Ziele festgelegt und Maßnahmen umgesetzt. Haus Klara bleibt weiter auf dem Weg.

Sr. Beate Krug

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