Anna Dorsch wurde am 27. Dezember 1932 in Unterbrunn im Landkreis Staffelstein als drittes Kind des Bahnarbeiters Michael Dorsch und ihrer Mutter Maria geboren. Mit elf Geschwistern wuchs sie in ihrem Heimatdorf auf, zwei Geschwisterchen sind schon früh verstorben.

Schon in jungen Jahren fühlte sie sich durch Gott berufen und lernte früh die Oberzeller Schwestern kennen, die in Ebensfeld wirkten. In einem Interview sagte Sr. Walgunde über ihren Eintrittswunsch: „Die Eltern haben mir freien Lauf gelassen. Ich habe gespürt, ich wollte Schwester werden. Gott ist unser höchstes Gut.“

Nach dem Besuch der Volks- und Fortbildungsschule trat sie 1948 ins Kloster Oberzell ein und wurde zur Wäscheschneiderin ausgebildet. Nach der Gesellenprüfung wurde sie 1952 eingekleidet und feierte nach ihrem einjährigen Noviziat ihre Erstprofess.

Zwischen 1953 und 1955 war sie in Oberndorf und Prosselsheim als Nähschwester eingesetzt und entschied sich dann schon sehr früh, in die Mission nach Amerika zu gehen. Im Juli 1955 war es soweit und Sr. Walgunde reiste nach Amerika, wo sie zuerst fünf Jahre als Nähschwester in North Plainfield tätig war. Nach einem erfolgreichen Englischkurs besuchte sie die dreijährige Krankenpflegeschule in Trenton und erwarb das Zertifikat als staatlich geprüfte Krankenschwester.

20 Jahre lang war sie als Kranken- und Säuglingsschwester in Yardville tätig, ein Heim für Mütter und Säuglinge. Sie erinnerte sich gerne an die schönen Momente, wenn die Mütter ihre Neugeborenen das erste Mal im Arm hielten, fütterten und versorgten. Es gab aber auch traurige und schwere Momente, die Sr. Walgunde mit den Frauen teilte, wenn die oft noch minderjährigen Mütter ihre Kinder zur Adoption frei geben mussten.

„Sie waren wie eigene Kinder“

Nach einem Jahr Krankenschwesterdienst im Krankenhaus in Plainfield arbeitete sie weitere elf Jahre im St. Elizabeth Heim in Yardville. Dies war nun ein Heim für Frauen mit geistiger Behinderung. Auch diese Arbeit bereitete ihr große Freude und sie sagte über die ihr Anvertrauten einmal: „Sie waren wie eigene Kinder.“ Von 1995 bis 2006 war sie im Altenheim Villa Maria als Krankenschwester eingesetzt. Als die Gemeinschaft wieder nach Yardville zog, war sie froh, die letzten Jahre dort zu verbringen. Yardville war der Ort, der mehr zu ihrem Zuhause geworden ist als der Konvent Villa Maria.

Im Oktober 2009 kehrte sie nach 54 Jahren auf ihren eigenen Wunsch nach Deutschland zurück und verbrachte ihren Lebensabend erst im Franziskushaus und ab 2021 im Antoniushaus. Auch in ihrem Ruhestand half sie gerne mit, wo es ihr möglich war, denn ihr Motto lautete: „Gott kommt erst ins Leben durch unser Wirken und das, was wir Gutes tun, you know?“.

Im Franziskushaus genoss Sr. Walgunde gemeinsame Vorlese- und Gesprächszeiten mit Sr. Christophora und der Ehrenamtlichen Frau Weiß. Manchmal schauten sie auch einen Film oder spielten gemeinsam etwas, Sr. Walgunde war interessiert an allem, was um sie herum geschah.

Im Juni 2021 ist sie dann aus gesundheitlichen Gründen in das Antoniushaus umgezogen und fühlte sich dort sehr wohl. Mit ihrer Zimmernachbarin Sr. Christophora verstand sie sich großartig. Sr. Walgunde konnte aufgrund des sehr schlechten Hörvermögens an vielen Angeboten nicht teilnehmen, aber dennoch saß sie gerne am Brunnenplatz und genoss die Gemeinschaft. In ihrem Zimmer saß sie gerne in ihrem gemütlichen Sessel, las immer wieder Briefe oder Postkarten, schaute Familien- oder Amerikabilder an und pflegte so die innere Verbindung zu ihrer Familie und ihren Erinnerungen. Große Freude bereiteten ihr Begegnungen mit Tieren oder Kindern, die ins Haus kamen, ein spürbare und hörbare Freude durch ihr Lachen. Ihre am häufigsten gestellte Frage war, „Wohin“ und die englische Sprache war noch ganz lebendig in ihr, der Segen beim Verabschieden war immer „God bless you“. „Über 50 Jahre Amerika“, auch ein Ausspruch der oft von ihr zu hören war, wenn sie etwas nicht verstand oder nicht wusste, was sie sagen sollte.

Sich ganz einlassen

Sr. Walgunde hat sich in den 54 Jahren ganz auf ihre Arbeit, die Menschen, die Sprache in Amerika eingelassen. Sie besuchte einen Sprachkurs, machte eine Ausbildung und erhielt auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie liebte ihre Arbeit mit den Frauen, den Kranken, den Kindern und war im Umgang mit ihnen sehr fürsorglich, freundlich, warmherzig und konnte aber auch klar und streng sein, wenn es nötig war. Oft veranstaltete sie Geburtstagspartys für die Frauen, die die Schwestern betreuten und bereitete ihnen so eine frohe und gute Zeit miteinander. Wenn die Gespräche bei Tisch mit den Schwestern zu lange dauerten, dann äußerte sie das auch mal, beugte sich nach vorne zur Oberin, was ein Zeichen für diese war die Glocke zu läuten und damit das Ende der Mahlzeit. Sie wollte weiterarbeiten und zu ihren „girls“ gehen, wie die Frauen damals genannt wurden.

Sie war anerkannt und beliebt bei den Mitarbeiter:innen, zu denen sie einen sehr guten Kontakt pflegte. Nicht selten wurde sie auch von Freunden oder Kollegen zum Essen eingeladen oder im Konvent besucht. Sie pflegte Beziehungen, hatte viele gute Freunde in Amerika. Bei Festen und Anlässen sah man sie tanzen, sie liebte die Geselligkeit und lachte sehr gerne.

Es gab neben der geselligen, frohen Seite auch eine kontemplative, tief gläubige Seite. Sr. Walgunde betete gerne den Rosenkranz, war gerne in der Eucharistie und suchte oft schon vor den Gebetszeiten die Kapelle auf, um dort zu verweilen.

Am Abend des 14. Januar wurde ihr geschenkt, mitten im Schlaf ihr Leben an ihren Schöpfer zurückzugeben. Oft hat sie gebetet: „Hl. Josef sei gebeten, steh uns bei in Sterbensnöten, dass wir sterben so wie Du und Du gingst zur ewigen Ruh. Denn Maria war zugegen, Jesus gab ihr seinen Segen. Und du gingst zur Ewigen Ruh. Amen.“
So danke ich dir, Sr. Walgunde, für dein segensreiches Wirken in Amerika, deine Frage „Wohin“ hat seine endgültige Antwort gefunden in der Ewigen Freude bei Ihm.

Sr. Juliana Seelmann, Generaloberin