
Maria Magdalena Lehner wurde am 5. August 1941 als erste Tochter ihrer Eltern Josef und Theresia Lehner in Döllwang im Kreis Neumarkt in der Oberpfalz geboren. Nachdem ihr Vater nicht aus dem Krieg zurückkam und vermisst blieb, wuchs sie als Halbwaise mit ihrer Mutter und ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Dora auf. Von 1944 bis 1955 besuchte Maria die Volksschule und musste schon früh bei der Feldarbeit mithelfen. Als ihre Mutter sich einmal schwer verletzte und zehn Wochen im Krankenhaus liegen musste, gab es für sie besonders viel zu tun und sie musste für alles sorgen.
Ab 1955 besuchte sie die Mädchenmittelschule in Oberzell und in ihrem Abschlusszeugnis wurden schon Eigenschaften beschrieben, die sie auch später ausmachten: Beharrlichkeit, Fleiß, Bedächtigkeit und aufmerksame Freundlichkeit. Am 25. August trat sie als 17-Jährige in Oberzell ein und wurde von 1959 bis 1961 im Juliusspital zur Krankenschwester ausgebildet. Am 3. Oktober 1961 wurde sie eingekleidet und begann ihr zweijähriges Noviziat und nahm in dieser Zeit an einem Kochkurs im Mutterhaus teil.
Nach ihrer Erstprofess am 4. Oktober 1963 war sie an vielen Orten als Krankenschwester tätig. Die ersten Arbeitsjahre wirkte sie in St. Hildegard, bevor sie anschließend für 15 Jahre als Krankenschwester im Juliusspital eingesetzt war. Nach dem Generalkapitel 1983 wurde sie nach Waldthurn versetzt, wo sie drei Jahre in der ambulanten Krankenpflege tätig war, für sie ein neues Betätigungsfeld nach den vielen Jahren im Krankenhaus. In ihrem Versetzungsschreiben wurde ihr zugesagt, die ambulante Krankenpflege gemeinsam mit dem Krankenpflegeverein aufzubauen und zu organisieren. Außerdem wurde der Konvent nach den Entscheidungen des Generalkapitels beauftragt, eine Anlaufstelle für junge Mädchen zu sein, die Interesse am Ordensleben haben.
Zurück im Juliusspital wirkte sie die ersten drei Jahre wieder als Krankenschwester, anschließend wurde sie zusätzlich mit der Aufgabe als Oberin betraut. Die Arbeit im Krankenhaus lag ihr mehr als die häusliche Pflege in der Sozialstation. Sie arbeitete erst auf einer medizinischen Abteilung, dann übernahm sie die Aufgabe als Stationsleitung. Später war sie einige Jahre in der Notaufnahme tätig und dort auch für die Durchführung von Untersuchungen zuständig. Sr. Gebharda war mit Leib und Seele Krankenschwester, konnte anpacken und hatte eine sehr realistische Einschätzung von Situationen.
Eine kleine Auszeit für die Mädchen im „Krankenzimmer“
Anschließend war sie in Monheim im dortigen Altenheim tätig und lebte zuletzt zusammen mit Sr. Ambrosiana bis zur Auflösung des Konventes im Jahr 2007. Nach den zwölf Jahren in Monheim wirkte sie von 2007 bis 2023 in St. Ludwig. Für die Mädchen und Mitarbeiter:innen war sie als Krankenschwester eine wichtige Ansprechpartnerin für alle kleineren und größere Krankheitsfälle, quasi der Arzt in St. Ludwig. Ihre ruhige, besonnene und unaufgeregte Art tat den Mädchen und jungen Frauen sehr gut und so gingen sie gerne zu Sr. Gebharda in ihr „Krankenzimmer“, manchmal vielleicht auch einfach eine kleine Auszeit. Mit ihrem Interesse und ihrer Unvoreingenommenheit öffnete sie viele innere Türen. Sie war stets freundlich und strahlte zugleich eine große Klarheit aus.
Neben dem Dienst für die Mädchen kümmerte sie sich auch um ältere Mitschwestern im Konvent, zum Beispiel durch Hilfestellung beim Baden oder Medikamente richten. Sie hatte auch einen sehr guten Blick dafür, wann es für eine Schwester an der Zeit war, ins Pflegeheim umzuziehen.
Außerdem war Sr. Gebharda viele Jahre an der Pforte und sehr gerne im Kontakt mit allen Menschen, die in St. Ludwig ein- und ausgingen. Mit ihrer kommunikativen, humorvollen Art und ihrer positiven Lebenseinstellung erreichte sie viele Menschen und war eine gute Zuhörerin. Mitarbeiter:innen in St. Ludwig beschrieben sie als hilfsbereite, gütige und warmherzige Schwester, die immer ein gutes Wort für alle fand.
Nachdem sie den Pfortendienst und die medizinische Versorgung der Mädchen in St. Ludwig wegen ihrer nachlassenden Sehkraft aufgeben musste, hat sie sich jeden Tag Zeit genommen für die Anbetung, auch Radio Horeb war ihr wichtig und sie war dankbar, wenn ihr etwas vorgelesen wurde. Sehr gerne war sie zu Fuß unterwegs – mit ihren Laufstöcken ist sie bis nach Hirschfeld gelaufen.
Im November 2023 zog Sr. Gebharda ins Antoniushaus um und gewöhnte sich dort sehr schnell ein. Ihr war es wichtig, ein Zimmer im 1. Stock zu beziehen, so dass sie trotz der Sehbeeinträchtigung die Wege selbstständig gehen konnte. Auch tägliche Spaziergänge über die Terrasse gehörten zu ihrer Routine und Singen bereitete ihr große Freude. Ihr war es ein großes Anliegen, ihren Alltag möglichst eigenständig zu bewältigen. Gerne nahm sie aber dort wo es nötig war, Hilfe in Anspruch und war sehr dankbar dafür.
Freude an Gesellschaft und guten Gesprächen
Sie pflegte einen sehr guten Kontakt zu ihrer Mitbewohnerin Frau Lubberich. Täglich schob Sr. Gebharda sie im Rollstuhl zu den Mahlzeiten und nahm sich immer Zeit für ein persönliches Gespräch. Sehr wichtig war ihr die Vorlesegruppe, wo sie es genoss, neueste Informationen zu hören und sich darüber auszutauschen. Sie war interessiert am gemeinschaftlichen und politischen Leben. Sr. Gebharda liebte Gesellschaft und gute Gespräche, sie pflegte den Kontakt zu ihrer Verwandtschaft, mit ihrer Nichte Brigitte telefonierte sie regelmäßig und freute sich über deren Besuch beim Hausfest im vergangenen Jahr.
Sie wurde als innerlich aufrechter Mensch mit einem reinen Herzen wahrgenommen. Neben ihrer praktischen und zupackenden Art war sie auch eine Suchende, Fragende, nährte ihre Gottesbeziehung im Gebet und in Zeiten der Stille, des Rückzugs. So teilte sie selbst einmal, dass sie im fortgeschrittenen Alter dem dreifaltigen Gott nähergekommen war. Er war ihr „Licht am Seelengrund“, ihr Herr und Gott, dem sie sich ganz zu eigen gab.
So starb sie für uns alle plötzlich und unerwartet am Morgen des 10. Januar, nachdem sich zwei Tage zuvor ihr gesundheitlicher Zustand mit einer schweren Grippe verschlechtert hatte und sie im Juliusspital auf die Intensivstation kam. Mit dem zuständigen Pfleger dort tauschte sie sich am Morgen noch über die „guten alten Zeiten“ aus, da die beiden sich von ihrer Zeit in der Notaufnahme kannten.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir – so dürfen wir vertrauen, dass Er dir in diesem Moment entgegengekommen ist und dich mit Seinem Licht umfangen hat. Amen.
Sr. Juliana Seelmann, Generaloberin