Gedanken zu Dreikönig von Sr. Margit Herold

Im Dom zu Brixen hängt ein großes Fresco, das die Anbetung der Könige zeigt. Dieses Bild
beeindruckt mich immer wieder: Wir sehen drei Könige zusammen mit Maria und dem Kind
im Stall von Bethlehem. Bei uns verbindet man mit den drei Königen die verschiedenen
Erdteile, die zur Krippe kamen. Doch hier gibt es keinen Kaspar, Melchior oder Balthasar.
Hier sehen wir etwas ganz Besonderes, nämlich einen jungen, einen mittleren und einen alten
Mann. Alle drei stehen vor dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes. Aber jeder hat eine
andere Einstellung dazu…

Der Jüngere hebt skeptisch die Hand und verzieht sogar den Mund. Als wollte er sagen: Was soll das? Ob das alles stimmt? Ich bin da vorsichtig.


Der mittlere Mann schaut nicht auf das Geheimnis, sondern zum Jungen. Dabei deutet er auf den Stern als wollte er sagen: Schau doch der Stern, uns ist die Geburt des Erlösers verheißen. Glaube nur – der Stern ist der Beweis.

Der alte Mann kniet am Boden, bringt seine Gabe und betet das Kind an. Er scheint am Ziel angekommen zu sein. Er hat das Geheimnis Gottes verstanden, ist frei und kann demütig und ehrfurchtsvoll Gott begegnen. 

Für mich ist dieses Bild ein Gleichnis unseres eigenen Wachsens im Glauben. Als Jugendliche hatte ich auch eine skeptische Einstellung meinem Glauben gegenüber. Ich war etwas überheblich und habe meinen Standpunkt vertreten. Irgendwann habe ich eine Einsicht bekommen, dass es etwas Größeres als mich geben muss, etwas, dass unser Leben lenkt und führt. Gott, der mich an der Hand nimmt und mit mir den Weg durch das Leben geht. Mein Ziel ist, so wie der alte Mensch irgendwann vor dem Geheimnis auf die Knie zu fallen und alles andere um mich herum nicht so wichtig zu nehmen. 

Wenn die Botschaft dieses alten Bildes stimmt, so wachsen wir also nicht nur körperlich, sondern auch geistlich, im Glauben. Wir dürfen jeden Tag mehr in unser eigenes Reich Gottes hineinwachsen. 


Und noch eine Botschaft sehe ich in diesem Bild:

Wenn wir auf unsere jetzige Zeit blicken, fällt auf: skeptische Jugendliche und Heranwachsende haben wir genug, anbetende alte Menschen auch. Was aber fehlt ist der mittlere Mensch, der sogenannte Sternendeuter, der im Gewirr des Alltags und in der depressiven Stimmung der Ängste auf den Stern deutet und sagt:

“Da sieh mal, da ist etwas, das uns bisher begleitet hat, das uns durch die Wirrnisse bisher geführt hat. Da ist einer, der vor seiner Himmelfahrt gesagt hat: Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.”
(Mt 28,18-20).

Was für eine Zusage,
was für eine Hoffnung für unser Leben
und auch für unser Sterben!

2021 11 28 christmas decorations