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Nach fünf Jahren Vorlauf hat die Generalsanierung des Haus Antonia Werr in der Würzburger Huttenstraße begonnen. Einrichtungsleiterin Karola Herbert gibt einen Überblick über die Geschichte und Zukunft des Hauses.

Würzburg. Die Gemeinschaft der Oberzeller Franziskanerinnen hatte 1958 ein Haus im Würzburger Stadtteil Sanderau geerbt. Für 20 oder 30 DM pro Monat konnten Studentinnen dort unter der Obhut von Schwester Pachonia bis 1971 Zimmer mieten. Nach dem Abriss und einer Bauzeit von vierJahren vollendete der Architekt WalterFeser 1975 den Neubau in der Huttenstraße11 in Würzburg.

Das Mädchenheim, das damals im Antoniushaus beheimatet war, zog in die Stadt. Konzipiert war die Einrichtung als „halboffenes heilpädagogisch orientiertes Mädchenheim“. 24 – damals so genannte „schwer erziehbare Mädchen“ – im Alter von 14 bis 18 Jahren fanden in drei Gruppen für eine begrenzte Zeit Heimat. Sie lebten dort mit acht Schwestern, die in der Leitung, im Gruppendienst, im hauswirtschaftlichen Bereich und an der Pforte beschäftigt waren. Walter Feser erhielt einen Preis für den Neubau, weil auf kleiner Grundfläche – in der Höhe ragt das Haus fünf Stockwerke aus der Erde – so viele Menschen wohnen konnten. Die elf Quadratmeter messenden Einzelzimmer, inklusive Dusche und mit soliden Einbaumöbeln ausgestattet, waren für die meisten Mädchen in den 1970er Jahren eine große Errungenschaft. Winzig kleine Küchen ohne Fenster, die nur als Teeküche dienten, und sehr kleine Wohn-/Essbereiche komplettierten die Etagen. Zwei Köchinnen bereiteten in einer Großküche im Untergeschoss die Mahlzeiten für alle zu.

Das Gebäude fiel durch das offen zur Schau gestellte Material Beton auf – innen wie außen. Die Sichtbetonbauweise steht für eine besondere Epoche der Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach wenigen Jahren bereits stellte man erhebliche Baumängel fest: Die damals moderne, allerdings nicht ausgereifte Technik der Fußbodenheizung und schlechtes Material der Wasserleitungen bescherten von Anfang an viele Reparaturen. Die ausführenden Firmen konnten aufgrund von Insolvenzen nicht mehr haftbar gemacht werden.

Zeichen der Zeit erkennen
Im Jahr 1989 änderte sich die Konzeption des Hauses: Die Oberzeller Franziskanerinnen hatte im Generalkapitel 1986 entschieden, den Sendungsauftrag und damit die Frauenarbeit wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Das Haus Antonia Werr wurde ein Haus für Frauen in Krisensituationen – mitten in der Stadt. Beratungs-, Wohn- und Begleitangebote, orientiert an den aktuellen Notlagen, fanden fortan Platz in der Huttenstraße. Was als vorübergehendes Wohnangebot startete, wurde nach und nach erweitert: Eine Notschlafstätte für obdachlose erwachsene Frauen, ein Sleep In für 17- bis 21-jährige, ambulant betreutes Wohnen für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, Wohn- und Begleitangebote für Frauen nach Entlassung aus der Haft und eine sozialtherapeutische Wohngruppe für 17- bis 21-Jährige junge Frauen kamen hinzu. Während die Konzeption sich immer weiterentwickelte und das Spektrum der Hilfeangebote immer größer wurde, blieben die baulichen Gegebenheiten auf dem Stand der 1970er Jahre. Sowohl die bauphysikalischen Eigenschaften der Bauteile als auch die Raumzuschnitte entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. In den Jahren 2006 bis 2017 wurden 14 Leitungswasserschäden verzeichnet. Drei alleine von Januar bis März 2017. Im Frühjahr 2016 konnten monatelang zwei Etagen aufgrund von Trocknungs- und Reparaturarbeiten nicht bewohnt werden. Das Haus war baulich endgültig in die Jahre gekommen. Die sanitären Anlagen und Einbaumöbel waren dringend renovierungsbedürftig.

Daneben sorgten die räumliche Enge, viele Bewohnerinnen, deren belastende Lebensumstände und das ungesunde Raumklima häufig für sehr angespannte Situationen.

Beim Sachkapitel der deutschen Konvente 2014 entschied die Kongregation, dass die „zeitgemäße Umsetzung des Konzeptes der Frauenarbeit geeignete Räumlichkeiten verlangt, die aufgrund der Sanierungsbedürftigkeit des HAW nicht mehr gegeben sind.“ Beim Kapitel 2017 wurden das vorgelegte Sanierungskonzept und ein Kostenrahmenvon 4,5 Millionen Euro genehmigt.

Die Umsetzung
Nach dreijähriger Planungs- und Vorbereitungsphase begann im Oktober 2019 die Baumaßnahme: Unter Einbeziehung der Balkone in die Gebäudehülle entstehen durch die Sanierung größere Grundflächen, auf denen das Nutzungskonzept umgesetzt werden kann. Ein barrierefreier Zugang ist eingeplant, ein Aufzug verbindet alle Geschosse. In behindertengerechten Appartements können künftig auch Frauen, die beispielsweise eine körperliche Behinderung haben, eine Unterkunft finden. Größere Zimmer für Frauen mit Kindern sind vorgesehen. Aktuelle Brandschutzanforderungen machen eine außen angestellte Fluchttreppe nötig.

Im Erdgeschoss werden sich nach dem Umbau alle Beratungsangebote befinden. Auf drei Etagen werden maximal je drei Frauen in einer Wohneinheit zusammenleben. Weiterhin stehen eine 2er-WG und acht Einzelappartements zur Verfügung, vier davon für das begleitete Wohnen nach Inhaftierung. Alle Zimmer und Appartements sind mit Dusche und WC ausgestattet. Zusätzlich stehen vier Zimmer für wohnungslose Frauen und vier Plätze für das Sleep In zur Verfügung. Zwei Appartements können Wohnraum für Klientinnen werden, die sesshaft werden möchten. Für die sozialtherapeutische Wohngruppe der Abteilung Jugendhilfe stehen zwei Etagen mit zwei 3er- WGs, einer 2er- WG, einem Appartement und Gemeinschafts- und Büroräumen zur Verfügung.

Karola Herbert
Dipl. Sozialpädagogin (FH), Leiterin Fachbereich Frauen

 

Wir brauchen Ihre Unterstützung:
Die Kosten der Generalsanierung übersteigen schon jetzt den vor zwei Jahren seitens der Trägerin genehmigten Kostenrahmen. Ein Zuschuss der Bayerischen Landesstiftungin Höhe von 236.000 Euro wurde gewährt. Weitere Fördergelder sind beantragt. Fest steht allerdings, dass den größten Anteil die Trägerin selbst aufbringen muss. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende unterstützen.

Spendenkonto: Kloster Oberzell
IBAN: DE68 7509 0300 0503 0180 08
Verwendungszweck: Sanierung HAW

 

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