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In der Osternacht, in der in der Auferstehungsliturgie das Lob der Osterkerze erklingt, hat Christus, der Auferstandene, unsere Mitschwester M. Richlinde Janocha im Alter von 83 Jahren in seine lichtvolle Herrlichkeit gerufen.

Das Exsultet preist die unfassbare Liebe Gottes, der seinen Sohn hingab, um uns Menschen zu erlösen. Der glückselige Tausch beginnt mit der Menschwerdung Gottes. In Jesus entäußerte sich Gott seiner Herrlichkeit und nahm in der Welt die Gestalt eines Sklaven an, damit der von der Sünde versklavte Mensch zur göttlichen Herrlichkeit gelangt. Gott wurde Mensch und nahm unseren Tod an, damit wir erlöst werden und zur Auferstehung gelangen.

Geboren war Schwester M. Richlinde am 7. Juni 1937 in Burgwasser in Oberschlesien und wurde am 10. Juni 1937 auf den Namen Margarete Hedwig getauft. Sie war das dritte Kind ihrer Eltern Josef und Hedwig Janocha. Der Vater war von Beruf Schuhmacher. Margarete wuchs mit sechs Geschwistern in einer religiösen Familie auf.

1943 ging sie ein Jahr in die Volksschule in Burgwasser. Wenige Monate vor Kriegsende musste sie die Geborgenheit der Heimat gegen unsichere Monate eintauschen, als die Familie durch die Russen vertrieben wurde. Da war sie gerade mal acht Jahre alt. Die Flucht bzw. Vertreibung hat sie sehr geprägt.

Im Herbst 1945 kamen sie nach Urspringen im Landkreis Marktheidenfeld. Dort ging Margarete von 1945 bis 1953 in die Volksschule und besuchte anschließend zwei Jahre lang die hauswirtschaftliche Berufschule in Marktheidenfeld sowie von 1955 bis 1957 die gewerbliche Berufsschule in Würzburg.

Während ihrer Berufsschulzeit war sie im Haushalt ihrer Mutter tätig. Das Kochen bereitete ihr viel Freude. So entschloss sie sich, diesen Beruf zu ergreifen. Von 1956 bis 1958 machte sie ihre Ausbildung zur Köchin in der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg.

Margarete hatte schon längere Zeit den Wunsch, in ein Kloster einzutreten. Im September 1958 trat sie in unsere Gemeinschaft ein. Ein Jahr später tauschte sie ihre weltliche Kleidung gegen das Ordenskleid ein und ihren Namen Margarete gegen den Ordensnamen Schwester Maria Richlinde.

Nach dem zweijährigen Noviziat legte sie 1961 die zeitliche Profess und 1964 die Profess auf Lebenszeit ab.

Ihr ganzes Ordensleben war Schwester Richlinde von da an als Köchin tätig. Von der Mutterhausküche wurde sie ab November 1963 fast ein Jahr lang als Aushilfe in verschiedene Filialen gerufen: ins St. Annaheim und nach St. Burkard in Würzburg, Kirchschönbach im Landkreis Kitzingen und nach Schnaittach im Nürnberger Land.

Ab Oktober 1964 war Schwester Richlinde als Köchin im Haus St. Hildegard in Würzburg eingesetzt. 1968 wurde sie einige Monate im Fürsorgeheim Maria-Thalkirchen in München gebraucht, kehrte aber noch im selben Jahr wieder nach Würzburg zurück.

1981 wurde Schwester Richlinde wieder ins Mutterhaus versetzt, wo sie weitere 25 Jahre lang in der Küche wirkte.

Schwester Richlinde war eine ruhige Schwester, die nie viel Aufhebens um sich gemacht hat. Still und bescheiden verrichtete sie ihre Arbeit. Kochen machte ihr Freude. Sie legte Wert auf Sauberkeit, Pünktlichkeit und Ordnung.

Das Gebet war ihr ein Herzensanliegen. Wenn es Zeit zum Beten war, schickte sie z. B. Besuch weg, um teilnehmen zu können.

Sie war sehr sparsam und wollte nichts extra für sich. Die größte Freude konnte man ihr mit Blumen machen. Auch ansonsten hat sie sich sehr als verantwortlich gefühlt, hat z.B. keinen Geburtstag oder Namenstag übersehen. Aufmerksam verfolgte sie das Geschehen in Kirche und Politik.

Krankheitsbedingt zog sie 2006 in das Alten- und Pflegeheim unsere Gemeinschaft um. Dort gehörte sie lange zum Heimbeirat und fertigte Handarbeiten. Oft hielt sie sich in der Kapelle auf. Ihre Krankheit hat sie tapfer getragen. Während der Corona-Beschränkungen hat sich nicht beklagt, obwohl sie nur wenig Besuch von ihrer großen Familie bekommen konnte. Dabei war sie ihren Angehörigen eng verbunden.

Im Antoniushaus sorgte sie für das gemeinsame Rosenkranzbeten. Dies hat sie ihr Leben lang sehr zuverlässig gepflegt und daraus Kraft geschöpft.

Infolge einer schweren Operation nahmen ihre Kräfte seit letztem Jahr immer mehr ab. Nachdem erst 2020 eine ihrer leiblichen Schwestern gestorben war, war auch sie in der letzten Zeit bereit, ihr irdisches Leben gegen das Leben nach dem Tod einzutauschen.

Am 8. Mai hätte sie ihr diamantenes Professjubiläum feiern können. Stattdessen hat sie schon in der Osternacht in das Exsultet eingestimmt:

 

Dies ist die Nacht,
die auf der ganzen Erde alle, die an Christus glauben,
scheidet von den Lastern der Welt,
dem Elend der Sünde entreißt,
ins Reich der Gnade heimführt
und einfügt in die heilige Kirche.

Dies ist die selige Nacht,
in der Christus die Ketten des Todes zerbrach
und aus der Tiefe als Sieger emporstieg.

Wahrhaftig, umsonst wären wir geboren,
hätte uns nicht der Erlöser gerettet.

O unfassbare Liebe des Vaters:
Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin!

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