„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“ – diesen Text hatte Sr. Sixta in einem ihrer Bücher aufbewahrt und er passt sehr gut zu ihrem Leben.

Theresia Zirkelbach wurde am 6. August 1938 als viertes von sechs Kindern der Landwirtsleute Eduard und Martha in Schönau an der Brend geboren. Die Familie musste schon früh gemeinsam einen Verlust tragen, da Theresias Bruder Burkhard im Alter von sechs Monaten verstarb.

Schon in ihrer Kindheit lernte sie Oberzeller Schwestern kennen, da es einen Konvent in ihrem Heimatort gab. Nach acht Volksschuljahren besuchte sie die landwirtschaftliche Berufsschule in Wegfurt und ihre erste Anstellung war auf einem landwirtschaftlichen Gut im Kreis Heilbronn. Anschließend arbeitete sie ein halbes Jahr im elterlichen Haus und Hof mit. In die Nähe des Kloster Oberzells führte sie eine Anstellung im Exerzitienhaus Himmelspforten, wo sie bis zu ihrem Eintritt am 24. März 1958 arbeitete. Von 1958 bis 1960 wurde sie im Juliusspital zur Krankenschwester ausgebildet.

Über 50 Jahre in Kutzenberg zuhause

Bei ihrer Einkleidung im Jahr 1960 erhielt sie den Namen Schwester Maria Sixta und es folgte die zweijährige klösterliche Ausbildung. Am 4. Oktober 1962 feierte sie ihre zeitliche Profess und wurde gleich im Anschluss nach Kutzenberg versetzt. Bis auf eine kurze Zeit in Schimborn wirkte Sr. Sixta 53 Jahre, von 1962 bis zur Auflösung im Mai 2015 als Krankenschwester, im Besuchsdienst, als Oberin, Ansprechpartnerin und Seelsorgerin in Kutzenberg. Mit Leib und Seele war Sr. Sixta Krankenschwester, setzte sich für das Wohl ihrer Patienten ein, ging individuell auf die Kranken ein, hatte ein offenes Ohr und ein freundliches Wort für Jeden.

Bei ihrem 40-jährigen Dienstjubiläum zählte Oberarzt Dr. Steppert sie zum „lebenden Inventar“ von Kutzenberg. Der Pflegedienstleiter Herr Dorsch sagte über sie: „Stets freundlich, nie ein böses Wort für die Patienten und Mitarbeiter, radelt sie mit ihrem Fahrrad durch das Klinikgelände und ist die gute Seele des Klinikums.“ Auch nach dem Ende ihres aktiven Dienstes als Krankenschwester blieb sie dem Haus sehr verbunden und übernahm Besuchsdienste. So traf man sie schon damals oft mit einer Häkelarbeit in der Hand an, gerne teilte sie ihr Wissen mit den Menschen und verschenkte großzügig ihre Kunstwerke. Viele Menschen in der Umgebung von Kutzenberg und natürlich auch hier in Oberzell hat sie mit ihren Häkelarbeiten erfreut. In einem Gespräch sagte sie einmal augenzwinkernd zu mir: „Ich habe ganz Oberfranken behäkelt, überall gibt es kleine Vorhänge von mir.“ Es machte ihr Freude, Bestellungen entgegen zu nehmen, immer wieder Neues auszuprobieren und ihre Hände standen so gut wie nie still.

Unsere Mission in Südafrika lag Sr. Sixta sehr am Herzen, so sammelte sie Spenden für ihre Handarbeiten, mit denen sie die Arbeit in Südafrika unterstützte. Als Oberin in Kutzenberg und später auch in Padua hat sie sich fürsorglich, liebevoll und pflichtbewusst um die Mitschwestern und die Gemeinschaft gekümmert. Sie war ein Gemeinschaftsmensch und sorgte für ein gutes Miteinander, sei es im gemeinsamen Gebet, beim Rätseln, Spielen oder Handarbeiten. Auch für das leibliche Wohl sorgte sie gerne und erfüllte Einzelnen ihre kleinen Wünsche. Feste und Feiern im Konvent wurden gepflegt, so durfte auch der Eierlikör bei der Eis-Nachspeise natürlich nicht fehlen. Mit Sr. Revocata hatte sie schon in Kutzenberg und später auch im Konvent Padua eine wichtige Stütze und Wegbegleiterin. Ihr plötzlicher Tod war für Sr. Sixta ein großer Einschnitt und hinterließ eine Lücke, bis zuletzt erinnerte ein Bild in ihrem Zimmer an Sr. Revocata.

Der Kontakt zu ihrer Familie war ihr sehr wichtig, so schrieb sie einmal im Lupe Interview, dass ihr liebstes Erinnerungsstück einige Fotos aus der Kindheit waren. Gerne verbrachte sie ihre Urlaube bei der Familie und pflegte den Kontakt bis zuletzt vor allem auch mit ihrer Nichte Barbara. Diese hat sie regelmäßig seit ihrem 18. Lebensjahr besucht, gemeinsam mit ihr Urlaube verbracht oder sie zur Familie gefahren. An ihrem Geburtstag kam die Familie zu ihr und es gab traditionell ein gemeinsames Grillfest. Ein Uhrmacher in ihrem Verwandtenkreis hat für unzählige Schwestern die Batterien für ein Vergelt’s Gott ersetzt.

In allem und allen das Schöne erkennen

Nach der Auflösung von Kutzenberg lebte Sr. Sixta ab Mai 2015 im Konvent Padua und übernahm auch dort erneut bereitwillig die Aufgabe als Oberin, obgleich sie auch den Zeitpunkt herbeisehnte, einmal keine Oberin mehr zu sein. Auch im Antoniushaus begegnete sie den Mitarbeiter:innen und Mitschwestern immer mit einem Lächeln oder einem Scherz auf den Lippen und ihre Türe stand immer allen offen. In allem und allen wollte sie das Schöne erkennen. Neben der Leidenschaft für Handarbeiten gestaltete sie auch gerne Kerzen oder züchtete und verschenkte Blumen. Von Kutzenberg brachte sie auch eine kleine Grotte mit, die außerhalb des Zaunes am Bach hinter dem Antoniushaus aufgestellt wurde. Täglich besuchte Sr. Sixta, solange es ihr möglich war, diese kleine Grotte, hegte und pflegte diese und ließ die Kerze nie ausgehen.

Im Dezember 2024 zog Sr. Sixta aus gesundheitlichen Gründen in den Konvent Antoniushaus und ging diesen Schritt sehr bewusst und entschieden, auch wenn es den ein oder anderen Kompromiss zu schließen galt. Weiterhin war sie mit Häkel- und Stricknadeln, Garn und Wolle unterwegs.

In den letzten Monaten hat sich ihr gesundheitlicher Zustand zusehends verschlechtert. So lang es noch möglich war, verbrachte Sr. Sixta einige Stunden am Brunnenplatz und beobachtet das Geschehen, ohne dass sie sich selbst äußern konnte. Im Lupe Interview antwortete sie auf die Frage, wie sie die letzte Stunde ihres Lebens verbringen möchte: „Mit Gott in Ruhe und Zufriedenheit.“ Sr. Sixta hat in ihrem Leben Ruhe und Zufriedenheit ausgestrahlt und andere Menschen daran teilhaben lassen. Sie schöpfte Kraft und Ruhe aus ihrer tiefen, stillen Gottesbeziehung. Sie sprach von einem liebenden Gott, den sie durch ihre Herzlichkeit und Offenheit an der Seite von kranken, leidenden und sterbenden Menschen spürbar werden ließ. So dürfen wir darauf vertrauen, dass Er in dieser letzten Stunde an ihrer Seite war und sie mit Ruhe und Zufriedenheit ihr Leben in seine Hände zurückgeben konnte. Amen.

Sr. Juliana Seelmann, Generaloberin