
Marianne Lux wurde am 9. September 1935 in Deutsch Jaßnik im Sudentenland in eine Großfamilie hinein geboren. Ihre Kindheit war geprägt von den Belastungen des zweiten Weltkriegs, schon während ihrer Grundschulzeit musste die Familie wegen ständiger Bombengefahr 1944 erstmals die Heimat verlassen. Nach einiger Zeit kehrte die Familie zurück und erlebte anschließend – gemeinsam mit vielen Anderen – die schmerzhafte Vertreibung der Sudetendeutschen. Im April 1946 fand die Familie in Langendorf bei Hammelburg einen neuen Wohnsitz.
Durch die Schwesternstation in Langendorf lernte Marianne früh die Oberzeller Schwestern kennen und trat am 8. September 1949 in Oberzell ein. Von 1949 bis Herbst 1952 besuchte sie die dreiklassige Mädchenmittelschule der Ursulinen in Würzburg, anschließend das Kindergärtnerinnenseminar in St. Hildegard. Im Herbst 1954 begann Marianne in München das einjährige Werklehrerinnenseminar, das sie mit der Staatsprüfung abschloss.
Auf die Einkleidung im Mai 1956 folgte ein Jahr später die zeitliche Profess am 5. Mai 1957 und drei Jahre später die ewige Profess. Über 46 Jahre wirkte Sr. Redempta als Werklehrerin, die ersten 31 Jahre war sie in der Mittel- und Berufsschule in Oberzell eingesetzt und ab 1972 zusätzlich bei den angehenden Erzieherinnen in der Fachakademie St. Hildegard. Nach der Schließung der Berufsschule in Oberzell arbeitete sie weitere elf Jahre an der Von-Pelkhoven-Schule im Antonia-Werr-Zentrum in St. Ludwig.
Von ganzem Herzen Lehrerin
Sr. Redempta war von ganzem Herzen Lehrerin, sie war quirlig, lebendig, fleißig, hilfsbereit, in allem sehr genau und immer zügig unterwegs zu ihrem nächsten Ziel. Auch für ein Fußballspiel mit den Schülerinnen war sie zu haben und hat ihnen im Internat auch am Abend Angebote zur kreativen Arbeit gemacht. Aus ganz wenig konnte Sr. Redempta etwas Schönes gestalten, hat Puppen genäht, sich neue Servietten Faltungen ausgedacht oder mit Mitschwestern in der Schule über neue Ideen ausgetauscht.
Sie war sehr verbunden mit den Schwestern in Südafrika und hat die Pakete für dort gerichtet. Im Jahr 1979 konnte sie gemeinsam mit Sr. Clementine die Region besuchen. Der Abschied aus Oberzell fiel ihr nach der langen Zeit vermutlich nicht leicht, doch stellte sie sich der neuen Herausforderung, in St. Ludwig zu wirken. Sr. Redempta arbeitete im Team der Aufbauklasse und ehemalige Kolleg:innen schätzten die gute Zusammenarbeit mit ihr. Sie fand durch ihre wohlwollende, liebevolle Art schnell einen Zugang zu allen Mädchen. Auch mit eher schwierigeren oder herausfordernden Mädchen kam sie sehr gut zurecht, sie begegnete ihnen mit besonders viel Geduld und nahm sie so an, wie sie waren.
Mit viel Liebe, Ideenreichtum und Feingefühl hat sie die Mädchen beim kreativen Arbeiten unterstützt und konnte im Sinne der Nachhaltigkeit aus allem etwas gestalten. Der Verkauf von selbstgemachten Werkarbeiten beim jährlichen Basar stärkte das Selbstvertrauen der Mädchen und schenkte ihnen eine positive Erfahrung, das Gefühl, stolz auf sich sein zu dürfen. Genauigkeit und Geduld bei der kreativen Arbeit sowie das Interesse, immer Neues zu entdecken oder auszuprobieren gehörten auch zu ihr. Ein ehemaliger Lehrer sagte nach ihrem Tod: „Eine gute Seele hat uns verlassen, ihr war nichts zu viel und sie hat jederzeit Zuversicht und gute Laune versprüht.“
Immer ein Lächeln im Gesicht
Auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben pflegte sie weiter den Kontakt mit dem Antonia-Werr-Zentrum, hat in der Töpferei mitgearbeitet und weiterhin das kreative Arbeiten der Mädchen begleitet. Als Gruppenpatin der Elisabethgruppe nahm sie an allen Gruppenfesten gerne teil, war beliebt bei den Mädchen und bereicherte das Zusammensein durch ihre ruhige Ausstrahlung. Gerne kam sie auch zwischendurch in der Gruppe vorbei, brachte kleine Geschenke und begegnete allen Menschen immer mit einem Lächeln im Gesicht.
Neben ihrer Arbeit als Lehrerin war Sr. Redempta selbst eine Künstlerin und hat viel Kreatives, wie Tonkunstwerke, Karten und Bastelarbeiten aller Art geschaffen. Bei jedem Basar verkaufte sie selbst ihre wunderschönen Karten, Tonarbeiten oder andere kleinen Geschenkideen. Im Antoniushaus erinnern die individuellen Türschilder an Sr. Redempta. Sie hatte auch etwas Schelmisches an sich, nahm gerne an den Kabarettveranstaltungen von Cherubim teil.
Sr. Redempta war eine treue, stille Beterin und die Psalmen waren ihr sehr wichtig. Auf die erste Seite in ihrem Christuslob schrieb sie: „Wir haben Jesus als Weggefährten.“ Mit ihrem Weggefährten an ihrer Seite stand 2017 der nächste herausfordernde Schritt, der Umzug ins Antoniushaus an. Zuerst ging sie auch dort ihren Interessen nach, nahm an Malprojekten teil, schrieb Briefe, gestaltete Karten und kleine Geschenke, hörte Musik und ging ganz in ihrer Beschäftigung auf. Sr. Redempta hatte auch einen starken Willen und machte sehr deutlich, was sie mochte oder was auch nicht. Mit der Zeit verlangsamte sich ihr Tempo, sie verlor ihr Interesse an vielem, wurde stiller und beobachtete lieber das Geschehen.
Sr. Redempta schätzte und pflegte den Kontakt zu ihrer Familie. In den letzten zehn Jahren im Antoniushaus besuchte ihre leibliche Schwester, Sr. Edith, sie fast jeden Freitag und war in den letzten Wochen noch intensiver an ihrer Seite. Ihre Besuche oder Briefe waren für Sr. Redempta immer eine Freude, auch wenn sie die letzten Monate kaum noch mit ihr gesprochen hat. Seit Pfingsten verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand und es war ein gesundheitliches Auf und Ab. Im Gegensatz zu früher, wo Sr. Redempta Körperkontakt eher mied, suchte sie jetzt die körperliche Nähe, hielt die Hand all derer fest, die sich zu ihr setzten.
Am Morgen des 3. September kam ihr Jesus, ihr Weggefährte, entgegen und nahm sie kurz vor ihrem 91. Geburtstag auf in Sein himmlisches Reich.
Sr. Juliana Seelmann, Generaloberin