Sr. Sighilde Probst

Kreszentia Probst wurde am 21. August 1933 als fünftes Kind in Sulzdorf im Landkreis Donau-Ries geboren. Im Alter von sechs Jahren wurden sie und ihre Geschwister Halbwaisen, der Vater verstarb sehr früh an Magenkrebs. Nach dem Besuch der Volks- und Fortbildungsschule arbeitete Kreszenz in der elterlichen Landwirtschaft mit.

Im März 1950 trat sie in Oberzell ein, wurde zwei Jahre später am 3. Oktober eingekleidet und erhielt den Namen Sr. Sighilde. Nach dem einjährigen Noviziat feierte sie am 4. Oktober 1953 ihre Erstprofess, drei Jahre später ihre ewige Profess. Sr. Sighilde machte keine Ausbildung, sondern wirkte jahrzehntelang an verschiedenen Orten als Wirtschaftsschwester, man könnte auch sagen – als die gute Seele im Haus.

Ihr erster langer Einsatz führte sie nach Bad Brückenau in das St. Antoniusheim, wo sie 19 Jahre wirkte. Nach drei Jahren in St. Ludwig folgte erneut ein langer Einsatz mit 20 Jahren im Antoniushaus, im Haus Angela. Dort arbeitete sie im zweiten Stock gemeinsam mit Sr. Lioba und der langjährigen Mitarbeiterin Rosi Regner. Sie war eine „Schafferin“, sah immer, wo es etwas zu tun gab und hat das Haus vom Keller bis in den Dachboden geputzt. Sie arbeitete sehr genau und gründlich, so das alles gut erhalten bleibt. Viele Jahre pflegte sie die Grotte am Antoniushaus, hat sie geputzt, Kerzen aufgestellt und immer für frische Blumen gesorgt. Sie pflegte einen guten Kontakt zu den Mitarbeitenden, hatte immer ein aufmunterndes Wort und war allen freundlich zugewandt.

Im Juli 1996 wurde Sr. Sighilde nach Würzburg in das St. Raphaelsheim versetzt und arbeitete auch dort als Wirtschaftsschwester. Sehr gerne lebte und wirkte sie an diesem Ort 22 Jahre und der Abschied und Umzug nach Oberzell fiel ihr nicht ganz leicht. Sie liebte den Blick aus ihrem Fenster auf Stift Haug und das Käppele. Zu ihren Aufgaben gehörte die Wäscheversorgung, das Bügeln und sie half mit, wo immer sie gebraucht wurde.

Gabe, die ersten und letzten Rosen im Gelände zu finden

Anschließend verbrachte sie die nächsten vier Jahre im Franziskushaus und half auch dort weiterhin im Konvent mit, wo es ihre Kräfte zuließen. Sie versorgte den Konvent mit Obst aus dem Garten, zum Leidwesen so mancher Gartenschwester erntete sie schon etwas frühzeitig, um sicherzustellen, dass der Konvent auch etwas bekam. Sr. Sighilde fühlte sich sehr verantwortlich für die Pflege des heiligen Norbert vor dem Franziskushaus, für den Kreuzweg und die Grotte hinter dem Franziskushaus. Gerne betete sie auch den Kreuzweg im Park und vertraute dem hl. Norbert unser Kloster im Gebet an. Selbst als sie diese Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr übernehmen konnte, hatte sie die Pflege im Blick und bat Mitarbeiterinnen, sich darum zu kümmern. Sr. Sighilde sorgte sich um die Blumen im Haus, sie züchtete Geranien und liebte Rosen. So hatte sie auch die Gabe, die ersten und letzten Rosen im Gelände zu finden und damit Anderen eine Freude zu machen. Oft brachte sie ihren Oberinnen oder später ihrer Koordinatorin Monja eine Rose oder ein anderes Blümchen. Sr. Sighilde war ein Gemeinschaftsmensch, fehlte selten bei Gebets- oder Essenszeiten und unterstütze durch ihre Mitsorge das Konventsleben.

Mit der Auflösung des Konvents im Franziskushaus zog Sr. Sighilde im März 2022 in den Konvent Padua um. Immer wieder kam es auch dort zu Stürzen, obgleich sie fast immer einen Schutzengel hatte und sich kaum einmal verletzte. Im April 2024 wurde sie aus gesundheitlichen Gründen in den Antoniushauskonvent versetzt und packte auch hier beim Umzug selbst mit an – so sah man sie in diesen Tagen oft mit ihrem voll beladenen Rollator. So manche Veränderung fiel ihr bei dem Umzug schwer, wie das Aufgeben ihrer Eigenständigkeit in Bezug auf das Wäsche waschen oder Bügeln. Aber Sr. Sighilde fand auch dafür Lösungen, so ging sie lange Zeit noch in den Konvent Padua und konnte dort die gewünschten Dinge erledigen.

Sr. Sighilde liebte die Natur, fütterte Fische und Vögel. Als sie selbst nicht mehr zu den Fischen gehen konnte, gab sie genaue Anweisungen, wie man die Fische rufen sollte, um sie dann zu füttern. Wenn die Schmerzen zu stark wurden, war sie zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen. Zum Erstaunen aller schaffte sie es aber mit ihrer Willensstärke immer wieder, sich mit dem Rollator eigenständig fortzubewegen.

Immer sorgend und herzlich

Sr. Sighilde war eine Schwester, die oftmals ganz im Stillen und ohne groß aufzufallen, ihren Dienst verrichtet hat. Sie war sorgend, treu, rührig, fleißig und half überall dort mit, wo es nötig war. Ihre Hände und Füße kamen nicht wirklich lange zur Ruhe, nichts war ihr zu viel. Wenn man Sr. Sighilde begegnete, hat sie meist gelächelt, sie war freundlich, herzlich und erkundigte sich, wie es der anderen Person geht. Gleichzeitig war sie auch sehr willensstark, durchsetzungsfähig und vertrat ihre Meinung klar und entschieden. Auch ihre Gefühle oder Wünsche, z.B. nach einem Besuch, konnte sie gut äußern.

Zu ihrer Familie pflegte sie sehr guten Kontakt und verbrachte ihren Urlaub, so lange es möglich war, sehr gerne bei ihrer Nichte und deren Familie. Gerne teilte sie die Päckchen von ihrer Familie mit Mitschwestern und dem Personal und wollte so vielen eine Freude bereiten. Auch telefonisch oder durch Briefe pflegte sie regelmäßig den Kontakt nach Hause.

Neben aller Arbeit und praktischen Mitsorge schätzte Sr. Sighilde das Gebet, den Rosenkranz und lebte aus der Eucharistie, die ihr sehr wichtig war. Sie hatte eine innige Christusbeziehung und teilte ihre eigenen Sorgen, auch die kleinsten Alltäglichkeiten und die Anliegen Anderer mit Christus, der ihr Gegenüber war.

Sr. Sighilde, in deiner stillen, treuen und sorgenden Art hast du vieles Mitgetragen, vergelt’s Gott. Am Mittag des 7. Februar hat Er deine Sehnsucht erfüllt und dich zu sich gerufen.

Sr. Juliana Seelmann, Generaloberin