Ich bin Oberzeller Franziskanerin, weil mir die Spiritualität des heiligen Franziskus und die Lebensgedanken unserer Gründerin, Mutter Antonia Werr, ein großer Halt für mein geistliches Leben sind.
Aufgewachsen bin ich in Weismain (Landkreis Lichtenfels) in Oberfranken. Meine drei älteren Brüder standen schon im Berufsleben, als ich geboren wurde. Meine Eltern betrieben eine Gastwirtschaft, doch trotz aller Arbeit war ihnen der Glaube sehr wichtig. Jeden Sonntag wurde abgesprochen, wer um 8 Uhr oder um 10 Uhr den Gottesdienst besucht, damit die Gaststätte geöffnet bleiben konnte.
Meine erste Begegnung mit den Oberzeller Schwestern hatte ich durch Schwester Helmwarda, eine Verwandte, die zum Requiem von Pater Otto Gäbelein kam, dem Zwillingsbruder meines Vaters. Dieser wirkte bei unseren Schwestern in Südafrika. Ab 1963 absolvierte ich ein Soziales Jahr im St.-Anna-Heim in Würzburg und gewann Einblicke in die Gemeinschaft und ihren Auftrag. Nach einem Jahr kehrte ich wegen der schweren Krankheit meines Vaters nach Hause zurück. Nach seinem Tod 1965 entschied ich mich für das Klosterleben bei den Oberzeller Franziskanerinnen.
Meine Mutter und meine Brüder waren damals nicht begeistert. Mit knapp 21 Jahren trat ich in Oberzell ein und begann bald darauf die Ausbildung an der Krankenpflegeschule des Juliusspitals in Würzburg – ein lang gehegter Wunsch. Das Noviziat war eine sehr intensive Zeit, in der ich das Gemeinschaftsleben mit allen Aufgaben kennenlernte. Der Unterricht bei Spiritual Anton Hessler gab mir wichtige Impulse und bestärkte mich in meinem Wunsch, in dieser Ordensgemeinschaft zu leben. Das Charisma unserer Gründerin Antonia Werr und das Leben des heiligen Franziskus beeindruckten mich nachhaltig. Mit 24 Jahren legte ich die Erstprofess, mit 27 die Ewige Profess ab.
Im Mai 1970 kehrte ich wieder ins Juliusspital zurück. Hier wirkten damals über 100 Ordensschwestern. Meine erste Station war eine Chirurgische Frauenabteilung. Sehr dankbar bin ich dafür, dass ich mich für mein Berufs-, aber auch mein Ordensleben immer wieder weiterbilden durfte. Soabsolvierte ich Fortbildungen zur Mentorin und zur Stationsleitung sowie einen theologischen Kurs in Rom.
Im Juliusspital war ich in verschiedenen Abteilungen tätig: Nach meinem Einsatz auf der Unfallstation übernahm ich ab 1977 die Leitung der Kinderstation, zwei Jahre später die der chirurgischen Männerstation. Trotz vieler Herausforderungen fühlte ich mich dort stets am richtigen Platz. Während des großen Umbaus betreute ich mehrere Abteilungen und zog im Februar 1995 mit dem Stationsbetrieb in den Neubau um. Am 8. Januar 2012 war schließlich mein letzter Arbeitstag als Krankenschwester im Juliusspital.
Im Ruhestand übernahm ich den Sakristeidienst in der Pfarrkirche St. Kilian des Juliusspitals und später auch im Seniorenstift. Bereits seit 1996 bin ich mit der kirchlichen Sendung zur Kommunionspenderin betraut und ab 2002 war ich Oberin unseres Konvents, der heute nur noch aus zwei Schwestern besteht.
Heute helfe ich in der Seelsorge im Krankenhaus und im Seniorenstift mit. Die Besuche bei den Patient:innen und die Begleitung unserer kranken Mitschwestern bei ihren Krankenhausaufenthalten stellen für mich eine wertvolle Aufgabe dar, die meinem franziskanischen Ideal entsprechen. Zudem wurde ich in das Ethikkomitee des Juliusspitals berufen und singe seit über 25 Jahren im Chor „Spitalgeister“ mit.
Mein geistliches Leben kann ich jeden Tag mit Gottesdienst, kurzer Auslegung der Schrift und Betrachtung des Evangeliums vertiefen. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier sein kann und vieles tun und wirken darf.