Eine Ordensschwester geht die Steintreppe im barocken Konventbau herunter. Das Kunstschmiedeportal im Hintergrund.

Zwei Festtage, viele Lebenswege: Professjubiläen in Oberzell

Jubilarinnen, Generalleitung und Zelebranten der beiden Professjubiläen 2026.
Auf dem Bild links sind die Jubilarinnen vom 25. April zu sehen (vorne im Rollstuhl von links): Sr. Ambrosiana Hierl und Sr. Animata Ort sowie (hinten stehend von links) Sr. Beate Krug, Pfarrer Gerold Postler, Sr. Berthilde Weiß, Generaloberin Sr. Juliana Seelmann, Sr. Hermosila Müller, Generalrätin Sr. Teresa Weimert, Sr. Winifred Eckel, Generalvikarin Sr. Beatrix Barth, Generalrätin Sr. Rut Gerlach und Oberstudienrat Achim Wenzel. Auf dem rechten Bild versammeln sich die Jubilarinnen vom 2. Mai (vorne von links): Sr. Walburg Giesel, Sr. Kunihild Stemmler, Sr. Serafine Nickl, Sr. Petra Körner und Sr. Christophora Bieberle sowie (hinten von links) Generalvikarin Sr. Beatrix Barth, Sr. Gregoria Lutter, Generaloberin Sr. Juliana Seelmann und die Generalrätinnen Sr. Rut Gerlach und Sr. Teresa Weimert.

Fünf Schwestern blicken auf 70 Jahre Ordensleben zurück, sechs weitere auf 60 und 65 Jahre

Sie haben genäht, gepflegt, unterrichtet, begleitet und geleitet: Die Oberzeller Franziskanerinnen, die an zwei Wochenenden – am 25. April und am 2. Mai – ihr Professjubiläum in der Klosterkirche St. Michael feierten, blicken auf viele Jahrzehnte im Dienst am Menschen zurück. Fünf Schwestern begingen ihr gnadenvolles Jubiläum nach 70 Jahren Ordensleben, drei feierten ihre Eiserne (65 Jahre) und drei weitere ihre Diamantene Profess (60 Jahre). Zahlreiche Verwandte, Wegbegleiter:innen sowie Mitschwestern kamen zusammen, um das Lebenszeugnis der Jubilarinnen zu würdigen.

Beide Festtage standen im Zeichen der Dankbarkeit für ein langes Leben in der Nachfolge Christi und für vielfältige Dienste an Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Generaloberin Sr. Juliana Seelmann erzählte von den unterschiedlichen Lebenswegen der Jubilarinnen, die von Aufbrüchen, Veränderungen und der Bereitschaft geprägt waren, sich immer wieder neu senden zu lassen.

70 Jahre Ordensleben
Beim ersten Gottesdienst am 25. April standen die fünf Schwestern im Mittelpunkt, die vor 70 Jahren ihre Profess abgelegt hatten: Sr. Winifred Eckel, Sr. Ambrosiana Hierl, Sr. Animata Ort, Sr. Berthilde Weiß und Sr. Hermosila Müller. Für festliche Musik sorgten Alexandra und Stefan Meusert. In ihrer Ansprache würdigte Sr. Juliana die bewegten Lebenswege der Jubilarinnen, die als Erzieherinnen, Altenpflegerinnen, Schneiderinnen und Krankenschwestern tätig waren. Viele von ihnen wirkten über Jahrzehnte in der Jugendhilfe, in der Pflege oder in hauswirtschaftlichen Bereichen und brachten ihre Fähigkeiten an verschiedenen Orten ein.

Oberstudienrat Achim Wenzel würdigte die Jubilarinnen in seiner Predigt als Frauen, die dem Evangelium in ihrem Leben ein Gesicht gegeben haben. Ihr Glaube sei in ihrem konkreten Tun sichtbar geworden – in ihrem Dienst, in ihren Begegnungen und in ihrer Haltung gegenüber den Menschen. Sein Wunsch an sie lautete: „Schenken Sie uns weiterhin Ihr Lächeln.“

Sr. Ambrosiana Hierl stammt aus Stadl in der Oberpfalz (Landkreis Regensburg) und war als Handarbeitslehrerin, Heimerzieherin und Altenpflegerin tätig. Sie wirkte unter anderem im Elisabethenheim in Nürnberg, in St. Ludwig, Kirchschönbach sowie im Raphaelsheim und in Mohnheim. Sr. Animata Ort aus Schneeberg (Landkreis Miltenberg) arbeitete als Damenschneiderin und viele Jahre als Handarbeitsschwester in der Fürsorge im Heim in Schnaittach. Später war sie in St. Hildegard und im Konvent St. Burkhard tätig, wo sie weiterhin mit ihren handwerklichen Fähigkeiten gefragt war.

Sr. Berthilde Weiß aus Steinberg in der Oberpfalz (Landkreis Schwandorf) wurde zur Handarbeitslehrerin, Damenschneiderin und Erzieherin ausgebildet. Sie wirkte an verschiedenen Orten, darunter Schnaittach, St. Hildegard und viele Jahre in München-Thalkirchen. Auch im Raphaelsheim übernahm sie Aufgaben im Haushalt und Fahrdienste. Sr. Hermosila Müller aus Rannungen (Landkreis Bad Kissingen) arbeitete als Krankenschwester in verschiedenen Orten wie Rattelsdorf, Wiesenfeld und Ebensfeld. Später war sie viele Jahre im Haus Klara tätig, wo sie sich in der Hauswirtschaft und in der Betreuung der Gäste einbrachte. Sr. Winifred Eckel wuchs in Castell (Landkreis Kitzingen) auf und ließ sich zur Damen- und Herrenschneiderin ausbilden. Nach langjähriger Tätigkeit im Mädchenheim arbeitete sie später im Mutterhaus und im Antoniushaus als Schneiderin.

60 und 65 Jahre Ordensleben
Am zweiten Festtag, dem 2. Mai, blickten die Schwestern Christophora Bieberle, Gregoria Lutter und Kunihild Stemmler auf 65 Jahre sowie die Schwestern Petra Körner, Serafine Nickl und Walburg Giesel auf 60 Jahre Ordensleben zurück. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahm Johannes Grötzner mit dem Collegium Vocale. Die Lebenswege der Jubilarinnen sind ebenfalls geprägt von großer Vielfalt, wie Sr. Juliana betonte: Sie führten unter anderem in die Krankenpflege, in die Verwaltung, in die Erziehung und in Leitungsverantwortung – und für manche Schwestern über viele Jahre ins Ausland nach Südafrika oder in die USA.

Sr. Christophora Bieberle stammt aus Grünau (Landkreis Mährisch-Trübau) und war als Krankenschwester und Köchin tätig. Viele Jahre verbrachte sie als Missionarin in Südafrika, wo sie vor allem in der Küche wirkte. Sr. Gregoria Lutter aus Ehringsfeld (Landkreis Neumarkt) arbeitete als Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin und war viele Jahre in den USA tätig, wo sie unter anderem Verantwortung als Regionaloberin übernahm. Später führte ihr Weg ebenfalls nach Südafrika.

Sr. Kunihild Stemmler aus Unterwittighausen (Main-Tauber-Kreis) prägte als Verwaltungsfachkraft die Arbeit der Gemeinschaft an verschiedenen Orten. Sie leitete unter anderem das Haus Antonie Werr und engagiert sich bis heute im Oberzeller Kreis. Sr. Petra Körner aus Nußloch (Rhein-Neckar-Kreis) war als Sonderschullehrerin tätig, viele Jahre in St. Ludwig. Später übernahm sie Leitungsverantwortung als Oberin. Sie bringt sich bis heute unter anderem in der Gestaltung von Blumenschmuck ein.

Sr. Serafine Nickl aus Letzgau (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) arbeitete über viele Jahre als Krankenschwester, unter anderem im Juliusspital Würzburg, und übernahm später die Pflegedienstleitung im Antoniushaus sowie Verantwortung als Oberin. Sr. Walburg Giesel aus Pobutsch (Landkreis Hohenstadt) wirkte als Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerin. Viele Jahre unterrichtete sie in der Haushaltungsschule in Oberzell und arbeitete anschließend in der Wäscherei der Gemeinschaft.

In seiner Predigt stellte Br. Isaak Grünberger aus der Abtei Münsterschwarzach die Sehnsucht des Menschen nach Heimat in den Mittelpunkt. Die Jubilarinnen hätten durch ihr Leben vielen Menschen ein Stück Heimat gegeben und Räume eröffnet, in denen sie angenommen und begleitet wurden. In beiden Gottesdiensten erneuerten die Jubilarinnen ihre Profess und bekräftigten damit ihr „Ja“ zu Gott und zur Gemeinschaft. Die Feiern waren geprägt von festlicher Musik, persönlichen Begegnungen und der gemeinsamen Dankbarkeit für ein langes und erfülltes Ordensleben.

 

 

Impressionen der Professjubiläen