headeroberzell

Einen Tag vor ihrem 92. Geburtstag, am 5. November, rief Gott Schwester M. Ragenfrieda, in sein ewiges Reich.

Geboren:                    06.11.1927
Eintritt:                        17.09.1949
Einkleidung:                04.05.1952
Erstprofess:                05.05.1953
Ewige Profess:           05.05.1956
Todestag:                    05.11.2019

Schwester M. Ragenfrieda wurde am 6. November 1927 in Ottmachau, Landkreis Grottkau in Oberschlesien geboren. Ihre Eltern waren Franz und Hedwig Körber, der Vater von Beruf Tischler. Am 20. November erhielt sie in der Taufe den Namen Elisabeth. Von ihren sechs Geschwistern starben vier bereits im Säuglings- bzw. Kindesalter. So blieben Elisabeth noch zwei Brüder, mit denen sie aufwuchs.

Von 1934 bis 1942 besuchte Elisabeth die Volksschule in Ottmachau. Anschließend trat sie für ein Jahr den vorgeschriebenen Arbeitsdienst bei einem Bauern in Rathmannsdorf in Schlesien an. 1943 schloss sie den Lehrvertrag zur Ausbildung als Verkäuferin ab.

Im März 1945 musste sie die Lehre abbrechen, denn die Familie wurde zwangsevakuiert. Bei der Aussiedlung wurde die Familie in verschiedene Flüchtlingslager verwiesen, bis sie sich im Sommer 1945 wieder zu Hause trafen.

Im Januar 1946 wurde Elisabeth zu ihrer Tante nach Heinrichswalde gerufen, die dort krank als Flüchtling mit vier Kindern niederlag. Mit der Ausweisung des ganzen Dorfes durch die Polen am 8. April 1946 musste sie mit ihren Verwandten auch Heinrichswalde verlassen.

Der Flüchtlingstransport brachte sie auf die Insel Borkum. Bis Juli 1946 half Elisabeth dort ihrer Tante im Haushalt. Von 1. Juli an bis 1. Mai 1947 betätigte sie sich als Hausangestellte.

Im Katholischen Kinderheim „Sancta Maria“ in Borkum war sie von Mai 1947 bis Februar 1949 als Hausgehilfin tätig, wo sie zuletzt auch in einer Jungengruppe arbeitete.

In dieser Zeit wuchs in Elisabeth der Wunsch, in einen Orden einzutreten. Der Ortspfarrer von Borkum riet ihr mit dem Zug in den Süden, am besten nach Bayern, zu fahren, denn dort gebe es viele Klöster. Im Zug traf sie eine Schwester, die sie fragte, wo sie herkäme. „Aus dem Kloster Oberzell“, lautete die Antwort. So lernte Elisabeth unserer Gemeinschaft kennen.

1949 trat Elisabeth ins Kloster ein, wurde im Mai 1952 ins Noviziat aufgenommen und erhielt ihren Ordensnamen Schwester Maria Ragenfrieda. 1953 legte sie die Erstprofess und 1956 die Profess auf Lebenszeit ab.

Von 1953 bis 1955 besuchte sie das Kindergärtnerinnen-Seminar in St. Hildegard in Würzburg.

Der berufliche Einsatz von Schwester Ragenfrieda begann im August 1955 als Kindergärtnerin in Zell. Von 1959 bis 1969 leitete sie den Kindergarten in Wasserlos im Landkreis Alzenau. Danach wurde sie nach Ebensfeld im Landkreis Lichtenfels versetzt, wo sie bis 1976 tätig war. Im August 1976 kam sie nach Gerbrunn im Landkreis Würzburg als Kindergartenleiterin und blieb bis Ende 1977.

Anfang 1978 wurde Schwester Ragenfrieda nach Kirchschönbach im Landkreis Kitzingen versetzt. Die erste Zeit war sie als Erzieherin und Gruppenschwester bis 1987 bei den Mädchen eingesetzt. Von 1987 bis 1989 war sie im Haus und Garten tätig. Übergangsweise übernahm sie die Leitung des Kindergartens bis 1991. Danach versah sie den Speisesaal der Schwestern.

Schwester Ragenfrieda schöpfte ihre Kraft aus dem Gebet und der Eucharistie. Besonders verehrte sie ihre Namenspatronin, die hl. Elisabeth von Thüringen sowie deren Tante, die hl. Hedwig und Patronin Schlesiens.

Schwester Ragenfrieda war gastfreundlich und hatte zu vielen Menschen Kontakt. Aufgeschlossen und interessiert nahm sie am Leben der Gemeinde in Kirchschönbach teil. In Gottesdiensten war sie viele Jahre die einzige Kommunionhelferin und übernahm den Lektorendienst mit viel Freude.

Das Konventsleben schätzte sie sehr und brachte ihre Talente und Fähigkeiten gern ein. Viel Freude hatte sie an den Vögeln, die sie fütterte und gern beobachtete.

Nach der Schließung des Konventes in Kirchschönbach 2017 zog Schwester Ragenfrieda in das Antoniushaus, das Alten- und Pflegeheim der Kongregation, um. Sie liebte auch dort das Gebets- und Gemeinschaftsleben. Sie freute sich über Besuch und war vielseitig interessiert.

Die Beschwerden des Alters und der Krankheit nahm sie geduldig an. In der letzten Zeit litt sie unter Atemnot. Bewusst entschied sie sich zuletzt gegen einen weiteren Krankheitsaufenthalt.

Versehen mit den Sakramenten unserer Kirche und im Kreis der Mitschwestern gab sie ihr erfülltes Leben am 5. November 2019 im Alter von 92 Jahren in Gottes Hände zurück.

Sr. Dr. Katharina Ganz
Generaloberin

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