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Am Vorabend des Palmsonntags, am 4. April, rief Gott unsere Mitschwester M. Hermetis Nöth aus einem Leben in der Nachfolge Christi in seine himmlische Herrlichkeit.

Schwester Hermetis wurde 26. April 1927 in Obersteinbach im Landkreis Haßberge geboren und zwei Tage später auf den Namen Maria getauft. Sie war das sechste von sieben Kindern von Konrad und Martha Nöth. Ihre Eltern hatten eine Landwirtschaft.

Maria besuchte die Volksschule von 1934 bis 1941 in Untersteinbach und anschließend bis 1943 die landwirtschaftliche Berufsschule in Fabrikschleichach. Nach der Schulzeit half sie im Haushalt und in der elterlichen Landwirtschaft, da ihre Brüder im Krieg waren. Drei Brüder sind im Zweiten Weltkrieg gefallen, ein weiterer wurde vermisst.

Nach Kriegsende besuchte Maria von 1947 bis 1948 die St. Walburgis-Haushaltungsschule in Bamberg, die unsere Schwestern leiteten. Durch den Kontakt mit den Schwestern reifte in ihr der Wunsch, selbst auch ins Kloster zu gehen.

Im Alter von 22 Jahren trat Maria 1949 in unsere Gemeinschaft ein. Als Kandidatin nahm sie ein Jahr lang am „Staatlichen Sonderlehrgang zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen“ im Kloster Oberzell teil, den sie im November 1950 erfolgreich beendete. Im Mai 1951 wurde Maria ins Noviziat aufgenommen und erhielt den Namen M. Hermetis. Nach dem einjährigen Noviziat legte sie im Mai 1952 die zeitliche und 1955 die ewig Profess ab.

Nach der Erstprofess 1952 wurde Schwester Hermetis nach Bamberg versetzt, wo sie vorher selbst die Haushaltungsschule besucht hatte. Hier unterrichtete sie 24 Jahre lang Schülerinnen in Handarbeit bis zur Schulschließung 1976.

Im Walburgisheim befand sich auch ein Altenheim für Damen. Schwester Hermetis entschloss sich, nun Altenpflegerin zu werden. Mit 49 Jahren besuchte sie von Herbst 1976 ein Jahr lang die „Fachschule für Altenpflege der Stiftung Juliusspital in Würzburg“. Als ausgebildete Altenpflegerin kehrte sie 1977 wieder nach Bamberg zurück, wo sie jetzt die Bewohnerinnen des Walburgisheims hingebungsvoll pflegte.

Als im März 1988 der Konvent in Bamberg aufgelöst wurde, zog Schwester Hermetis 1988 in unser damaliges Altenheim St. Annaheim in Würzburg. Zusammen mit Schwester Helwiga betreute Schwester Hermetis den 3. Stock und hielt auch viele Nachtwachen. Schwester Hermetis wurde als kompetente, gewissenhafte und einsatzbereite Altenpflegerin geschätzt. Durch ihr freundliches Wesen konnte sie vertrauensvolle Beziehungen zu den Bewohnerinnen aufbauen. Auch ihre Fähigkeiten als Handarbeitslehrerin kamen ihr weiterhin zugute.

Daneben war sie Organistin, Choristin und hielt gern Singstunden oder gestaltete Abende zur Unterhaltung oder religiösen Vertiefung mit den Bewohnerinnen. Mit ihren Bastelarbeiten bereitete sie den Bewohnerinnen viel Freude. Auch Näharbeiten für den Konvent gehörten zu ihrem Aufgabenbereich. Schwester Hermetis wirkte 13 Jahre im Annaheim, bis auch dieses Haus 2001 aufgelöst werden musste.

Mit 74 Jahren kam Schwester Hermetis ins Franziskushaus nach Oberzell. Es gab immer etwas zu flicken und zu nähen. Auch im Haushalt wurde sie gebraucht. Ebenso brachte sie auch ihre musikalischen Talente ein. Mit den Schwestern bot sie Gedächtnistraining an, jahrelang nahm sie selbst an den eutonischen Körperübungen teil, die im Haus Klara angeboten wurden, und später an den Leibübungen im Franziskushaus.

Zu ihren Angehörigen hielt Schwester Hermetis engen Kontakt. Sie liebte das Gemeinschaftsleben und konnte gleichzeitig gut allein sein. Vom Charakter her hatte sie ein freundliches Wesen, war sensibel, aufmerksam und musikalisch.

Im Laufe der letzten Jahre ließen ihre Kräfte allmählich nach. Ihren 90. Geburtstag feierte sie noch im Franziskushaus. Im September 2017 wurde sie ins Antoniushaus versetzt, wo sie in den letzten Wochen bettlägerig wurde.

Das religiöse Leben war Schwester Hermetis immer ein großes Anliegen gewesen. Kraft schöpfte sie aus der Eucharistiefeier, in der Anbetung und dem Stundengebet. Sie pflegte die Kindheit-Jesu-Verehrung, verehrte aber auch unsere Kongregationspatrone, Norbert von Xanten, Franziskus und Klara von Assisi.

Für Klara von Assisi hatte der Weg der Nachfolge ebenfalls am Palmsonntag 1212 begonnen, als ihr der Bischof beim Gottesdienst einen Palmzweig überreichte. Mit Palmzweigen in den Händen darf nun auch Schwester Hermetis einstimmen in den Psalm 118:

„Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig!
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden.
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat:
Wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch, vom Haus des Herrn her,
Gott, der Herr, erleuchte uns.
Mit Zweigen in den Händen
schließt euch zusammen zum Reigen,
bis zu den Hörnern des Altars.
Du bist mein Gott, dir will ich danken;
Mein Gott, dich will ich rühmen.
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
Denn seine Huld währt ewig.“

Sr. Katharina Ganz,
Generaloberin

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