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Am 27. und 28. Februar 2019 fand die Jahrestagung des Ökumenischen Umweltforums für Ordenschristen und -christinnen in der Benediktinerabtei Scheyern statt. Das Forum ist ein bayernweites Netzwerk von Frauen und Männern der verschiedenen Konfessionen, Ordensleute wie Laien, die in Ordensgemeinschaften im Bereich Schöpfungsverantwortung eingesetzt sind. Die Tagung dient zum einen dem Austausch untereinander, was die einzelnen Gemeinschaften in diesem Bereich aktuell beschäftigt, welche Entwicklungen es im vergangenen Jahr gab und auch, welche Schwierigkeiten es gibt oder in der Umsetzung von Maßnahmen zu überwinden sind.

Das Schwerpunktthema in diesem Jahr war „Schöpfungsfreundlicher Küchenbetrieb“. Frau Andrea Rickel, Leitung der Hauswirtschaft im Geistlichen Zentrum Schwanberg, berichtete von ihren Erfahrungen bei der Umstellung des Essensangebots. Das Zentrum machte sich bereits 2008 auf den Weg zur „schöpfungsfreundlichen Ernährung“. Zunächst erfolgte eine Bestandsaufnahme im Rahmen eines eintägigen Workshops mit den Küchenmitarbeitenden und Servicekräften. Dabei wurden zum Beispiel die Fragen „Woher beziehen wir unsere Lebensmittel?“, „Was ist für die Gäste wichtig?“ oder auch „Was ist bereits gut?“ betrachtet. Nach Auswertung dieses Tages wurde entschieden, welche Maßnahmen umgesetzt werden und was dafür notwendig ist. Als eine Maßnahme erstellte das Team eine Essensphilosophie, in die sowohl Aspekte aus der Regel des heiligen Benedikts als auch gesellschaftliche Entwicklungen einflossen. Diese Philosophie dient vor allem der Kommunikation mit den Gästen.

Frau Rickel berichtete, dass sie in den über zehn Jahren seit der schrittweisen Umstellung des Küchenbetriebs einen Wandel bei den Gästen feststelle. Diese seien inzwischen für das Thema Nachhaltigkeit empfänglicher.

Herr Josef Holzbauer, der Umweltbeauftragte des Bistums Passau, stellte seine Erfahrungen aus der kirchlichen Bildungsarbeit dar, unter anderem im Bildungshaus der Landvolkshochschule Niederalteich, in dem er vorher beschäftigt war. Seine Devise lautet: „Jedes Ma(h)l kommt die ganze Welt auf den Tisch.“ Damit stellt sich die Frage nach der Herkunft und den Produktionsbe­dingungen der Lebensmittel. Für Herrn Holzbauer bedeutet nachhaltige Ernährung:

  • gesundheitsverträglich
  • sozialverträglich
  • umweltverträglich
  • wirtschaftsverträglich

Wichtig sei auch der Aspekt, dass mit und in den Bildungshäusern eine Botschaft vermittelt wird. So könnten manche Gästegruppen für vegetarische Kost begeistert werden, indem Rezepte zum Nachkochen mitgeliefert würden. Seine Erfahrungen aus den letzten Jahren sind:

  • Es gibt zunehmend (essens)sensible Gäste.
  • Es gibt Gruppen, die möchten Fleisch essen.
  • Die Frage nach biologisch wird eher selten gestellt, die nach regional häufig.
  • Der Anspruch „biologisch und regional“ ist im Winter schwer umsetzbar.

Auch Herr Holzbauer konnte bestätigen, dass Lebensmittel, deren Herkunft und Verarbeitung für Tagungsgäste ein wichtiges Thema geworden sind.

Am nächsten Tag führte Pater Matthäus Beczkowiak von den gastgebenden Benediktinern durch die Kirche und das weitläufige Klostergelände. Besonders im Fokus war hierbei die Landwirtschaft, die seit 2015 von der Abtei wieder bewirtschaftet wird. Seit 2016 wurde der gesamte Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Bei der Tierhaltung ist neben der Nutzung auch die Förderung einheimischer Rassen ein Anliegen.

In einer Austauschrunde wurden die Handlungsempfehlungen „Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag“ besprochen, die im September 2018 von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) herausgegeben wurden. Dieser Schritt wurde als positiv bewertet und könnte auch der Deutschen Ordensoberenkonferenz (DOK) als Anregung dienen, das Thema Schöpfungsver­antwortung auf dieser Ebene in den Blick zu nehmen.

Mit interessanten Impulsen machten sich die Teilnehmenden auf den Heimweg, um das als wichtig Erfahrene in die eigene Ordensgemeinschaft hineinzutragen.

Sr. Beate Krug

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