headeroberzell

An einem starken Frauenort, dem Haus Klara der Oberzeller Franziskanerinnen bei Würzburg, trafen sich Theologinnen aus ganz Bayern, um sich zu vernetzen. Dr. Simone Birkel, Vorstandsmitglied des Theologinnenforums Agenda, hatte zu diesem Strategietreffen am 20. Juli eingeladen.

 Gekommen waren Frauen, die als katholische Theologinnen in Hochschule, Schule, Bildungshäusern und Orden in verantwortlichen Positionen arbeiten und sich einig sind: Es ist an der Zeit, die Ausgrenzung von Frauen in der katholischen Kirche zu beenden. „Man kommt sich auf dem Gebiete der Frauenfrage immer wie ein Wiederkäuer vor“. Diese Aussage der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm aus dem Jahr 1909 gilt über hundert Jahre später für Frauen in der katholischen Kirche nach wie vor. Die Frauen, die sich an diesem sommerlichen Auszeit-Tag trafen, allesamt promoviert in Theologie, kannten die biblischen Texte gut, in denen Frauen zu Wort kommen. Simone Birkel verwies auf die kluge Strategie der Frauen im Buch Exodus, die das Überleben des kleinen Moses sichern: die Hebammen Schiphra und Pua widersetzen sich dem Befehl des Pharaos, das Neugeborene zu töten; die Mutter und die Schwester des Säuglings sorgen für seine Rettung im Binsenkörbchen.

Sabine Bieberstein, Professorin für Exegese des Neuen Testaments in Eichstätt, rief die Namen der Frauen auf, die in der Briefliteratur bezeugt sind: Phöbe, Priska, die berühmte Junia, in der alten Bibelübersetzung noch als Junias zum Mann gemacht, und eine Reihe anderer Frauen lässt Paulus in Röm 16,1-16 grüßen. Die Jesusbewegung war eine Nachfolgegemeinschaft von Gleichgestellten, wie der Tauftext Gal 3,26-28 zeigt. Die Exegetin beklagte auf der Basis der biblischen Texte einen klaren Traditionsverlust: Denn es gab sie in den ersten Jahrhunderten der Kirche, die Prophetinnen, Diakoninnen und Gemeindeleiterinnen. Allerdings muss man die Bibel gegen den Strich lesen, um in den Ermahnungen des Verfassers der Pastoralbriefe das Wirken dieser einflussreichen Frauen zu erkennen.

Dr. Regina Postner, theologische Leiterin des Bildungshauses Klara, berichtete von ihren Erfahrungen als Theologin in der Schweiz, wo das Pastoralteam direkt von der Gemeinde angestellt und bezahlt wird. Eine große Freiheit in der seelsorglichen Arbeit habe sie dort erlebt. Die Theologin ermutigte Frauen dazu, einfach zu machen, kreativ und selbstständig Gemeinde zu gestalten und kritische Fragen laut auszusprechen.

Gastgeberin Schwester Dr. Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, skizzierte die Erfahrung ihrer Ordensgründerin Antonia Werr. Quelle ihres Mutes war die eigene Spiritualität. Im 19. Jahrhundert setzte sie die Gründung ihres Ordens mit kluger Strategie durch. Den Würzburger Ortsbischof informierte sie zum günstigen Zeitpunkt von ihrem Vorhaben, sich für strafentlassene Frauen einzusetzen. Um Erlaubnis gefragt hat sie ihn nicht.

Sich vernetzen, Verbündete suchen, einander ermutigen – diese Strategie setzten die Theologinnen im engagierten Austausch in die Tat um. In einer kreativen Liturgie im Freien feierten sie das Zeugnis der Maria von Magdala, der ersten Apostelin. Und mit einem Cocktail stießen sie auf dieses erste Regionaltreffen von Agenda in Bayern an und vereinbarten, sich am 4. Juli 2020 wieder zum inspirierten „Wiederkäuen“ zu treffen.

Dr. Annegret Langenhorst
Mitarbeiterin im Direktorat am Gymnasium Wendelstein

­