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Auflösung: Franziskanerinnen werden zurück ins Mutterhaus Oberzell bei Würzburg gerufen - Abschied am 22. November.

Niedernberg. Schwester Damaris schießen Tränen in die Augen bei dem Gedanken, dass sie Niedernberg verlassen muss. Starke Emotionen hat diese Nachricht nicht nur bei der Ordensschwester ausgelöst. Beim Gottesdienst am Sonntag hatte Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, die Entscheidung bekanntgegeben: Die Schwestern Damaris Englert (81) und Norbertine Rüth (79) werden am 22. November in Niedernberg verabschiedet.

Sie gehen ins Mutterhaus, ins Kloster Oberzell bei Würzburg. Damit wird die letzte Niederlassung der Franziskanerinnen außerhalb Würzburgs aufgelöst. 

Noch vor zwei Jahren, bei der Feier zum 90-jährigen Bestehen der Schwesternstation in Niedernberg, hatte die Generaloberin zugesagt, dass die Schwestern bleiben dürfen, solange es ihre Gesundheit erlaubt. Sie habe selbst erlebt, wie sehr die Schwestern verwurzelt sind, wie sie wertgeschätzt werden und zum Dorf gehören. Sie von dort wegzuholen, verglich sie damals mit einer Operation am offenen Herzen. "Wir haben beschlossen, diese schwere Operation durchzuführen", sagte die Generaloberin nun. Es fiel ihr sichtlich schwer. Unter Tränen erklärte sie die Gründe. Im Mutterhaus in Oberzell habe sich in den vergangenen zwei Jahren einiges verändert. "Die Gebrechlichkeit unserer Schwestern nimmt zu. Wir haben in Deutschland ein Durchschnittsalter von 81 Jahren errreicht", berichtete die Generaloberin. Viele Schwestern seien hochbetagt und pflegebedürftig. "Seit über fünf Jahren ist keine Frau mehr in unsere Gemeinschaft eingetreten." Im vergangenen Jahr seien im Mutterhaus vier Schwestern an einem Krebsleiden gestorben. "Diese Verluste treffen unsere Gemeinschaft schwer."

113 Schwestern in Deutschland
Nicht alle Aufgaben könnten Angestellte übernehmen. Das Zahlenverhältnis von Schwestern zu Mitarbeitern habe sich umgekehrt. Heute kommen auf 113 Schwestern, die in Deutschland leben, 300 Mitarbeiter, die in den Einrichtungen angestellt sind. Ihr sei klar, dass die Lücken nicht durch Damaris und Norbertine geschlossen werden können, betonte Ganz.

Dass sich die Schwestern irgendwann von Niedernberg verabschieden müssen, ist seit einigen Jahren Thema. Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. "Aber wir wollen es angehen, solange wir noch die Kräfte haben, den Haushalt selbst aufzulösen", so Katharina Ganz. Dass all das auf "emotionaler Ebene nicht nachvollziehbar ist", sei klar. "Auch ich bin hin- und hergerissen zwischen dem, was der Kopf sagt, und dem, was das Herz fühlt." Sie bat um Verständnis für "die Situation unserer Gemeinschaft".

Am schwersten falle der Abschied den Schwestern selbst, sagte die Generaloberin. Vor allem Schwester Damaris, die hier "seit über 30 Jahren segensreich wirkt und Sie und Euch alle kennt und liebt". Sie besucht kranke und sterbende Menschen, gibt Kraft und Trost, steht Familien in schweren Zeiten bei. Die Ordensfrau hält Erntedankfeiern, Gebetskreise und Meditationen. Sie ist Orgelspielerin, Organistin, Gottesdienstgestalterin und Lektorin. Vor allem aber ist sie mit ganzem Herzen für alle Niedernberger da. Wie schmerzlich der Abschied werden wird, weiß auch die Generaloberin: "Dieser Dienst und die Präsenz der Schwestern sind unbezahlbar und werden durch nichts und niemanden ersetzt werden können."

Anja Mayer, Main-Echo

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