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Nach 35 Jahren hat Schwester Leandra Ulsamer ihren Dienst in der Mutterhausbibliothek zum 31. Dezember 2020 aufgegeben. Zum Abschied befragte Sr. Rut Gerlach Sr. Leandra zu ihren Erinnerungen an die Anfänge ihrer Tätigkeit und wie es weiter ging:

Sr. Leandra, am 2. Februar 1986 hast du deinen Dienst in der Mutterhausbibliothek begonnen. Was hast du damals vorgefunden?
„Ich habe die Bücher in Körben und Kisten vorgefunden. Sie waren aus dem Nordflügel im 1. Stock in einen alten Lehrsaal gebracht worden. Im 1. Stock waren damals, vor dem Umbau in den 80-iger Jahren zwei Beichtzimmer, ein paar Schlafzimmer und ein Raum für die Bücherei. Die war aber meist abgeschlossen und man konnte sich nur manchmal am Sonntag ein Buch holen, wenn Sr. Brigitte sie geöffnet hatte“.

Was waren deine ersten Arbeiten in der Bibliothek?
„Die Bücher sollten endlich systematisch erfasst und katalogisiert werden, es sollte also eine Bestandsaufnahme aller Bücher gemacht werden! Ich habe Unterstützung von der Fachstelle für die katholische Büchereiarbeit erhalten. Wöchentlich kam von dort eine Mitarbeiterin und hat mit mir auf langen Listen alle Bücher aufgeschrieben, nach Sachgruppen geordnet. Und dann wurde für jedes Buch eine Ausleihkarte und eine Katalogkarte erstellt. Und denk‘ dir, alles mit der Schreibmaschine! Für die Katalogkarten hat der Schreiner Endres eine schöne Kommode gebaut. Nach Sachgebieten waren die Karten in den einzelnen Schubfächern einsortiert. Ach ja, und alle Bücher wurden mit Folie eingebunden. Dabei haben auch verschiedene Schwestern geholfen. Das Zubehör (Karten und Folie) haben wir von Berthold Luz (ehemaliger Leiter der Fachstelle) umsonst bekommen“.

Wie lange hat die Bestandsaufnahme gedauert?
„So ein bis zwei Jahre. Dann gab es ja auch noch einen Aufruf an die Filialen, übrige Bücher in die Bibliothek ins Mutterhaus zu geben. Da hatten wir dann vieles doppelt und dreifach. Und später hat Frau Sybille Michalsky vom Antonia-Werr-Kreis dann den Bestand im Computer erfasst. Ich weiß noch, dass sie eines Tages gesagt hat: Heute können wir feiern. Jetzt sind es 4000 Bücher im Computer. Und heute sind es über zehntausend!“

Was war deine größte Freude in der Bibliothek?
„Da war ich ungefähr zehn Jahre alt. Da hat mich meine Großmutter zum ersten Mal mit in die Stadtbibliothek in Würzburg genommen. Von da an habe ich gern gelesen und mir immer Bücher geholt. Auch in den Fürsorgeheimen habe ich gerne die Büchereien mit den Mädchenbüchern betreut. Als ich hierher kam, war das eine große Umstellung. Hier war ja so viel religiöse Literatur“.

Was hast du besonders gern gelesen?
„Als junge Frau habe ich gerne Gertrud von le Fort gelesen. Später auch Hermann Hesse. Die beiden lese ich auch heute noch manchmal.“

Was war dir während deiner Zeit in der Bibliothek besonders wichtig?
„Mir war die schöne Gestaltung der Räume wichtig. Also, es sollte immer schön aussehen. Deshalb waren mir schöne Bilder wichtig, oder dass die Bücher bei der Anordnung auch farblich aufeinander abgestimmt waren. Oder wie die Möbel stehen. Manchmal habe ich mich hingesetzt und nur geschaut, ob es schön aussieht und man sich wohl fühlen kann. Und Blumen liebe ich. Ich habe schon immer gern gegärtelt, schon als Kind. Deshalb waren mir auch immer Blumenstöcke in der Bibliothek wichtig. Und später ist dann ja noch der Kräutergarten dazu gekommen. Aber ich hatte durch die Ehrenamtlichen auch immer viele Helfer.“

Der Abschied aus der Bibliothek fällt mir nicht so schwer wie damals aus dem Kräutergarten. Obwohl ich manchmal denke, ich muss aufräumen, wenn ich die Bücher liegen sehe. Aber ich tue es nicht.
Ich freue mich, dass ich jetzt für anderes mehr Zeit habe. Vor allem auch für Stille und das Gebet. Es ist schön, einfach da zu sein und mich von Gott angenommen zu wissen.“

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