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Schwester M. Revocata - Mathilde Müller ist im 84. Lebensjahr getorben.

Geboren:           10.09.1935
Eintritt:               06.04.1956
Einkleidung:       03.10.1958
Erstprofess:       04.10.1960
Ewige Profess:  04.10.1963
Todestag:          14.08.2019

Bei meinen Exerzitien in der Schweiz bin ich vor kurzem über eine hölzerne Brücke gelaufen, die bei Schmerikon über den Aabach führt am Zürich See. Bei der Durchfahrt steht auf der einen Seite: "Alles ist Übergang".
Auf der Rückseite: „Zur Heimat hin“.
Im der überdachten Brücke finden sich weitere Inschriften:
„Zwischen Zeit und Ewigkeit ist eine schmale Brücke.
Wir alle müssen drüber ziehn und fragen bang: Wohin, wohin?
Gott helfe, dass der Übergang uns führ' zum ewigen Glücke.“

Für Schwester Revocata war die Brücke zwischen Zeit und Ewigkeit sehr schmal. Nur wenige Minuten dauerte ihr Übergang zur Heimat und dem ewigen Glücke, auf das sie sich hin ausgerichtet hat. Ihr Ordensname Revocata bedeutet: „Die Zurückgerufene“. Berufen von Gott seit ihrer Taufe lebte sie in ihrer Ordensprofess aus dem Ruf Gottes, der an sie erging, gab Antwort mit ihrem ganzen Sein und Leben und hielt sich bereit für den Tag, an dem er sie zurückrufen würde in sein ewiges Glück.

Für uns, die zurückbleiben, wurde sie freilich sehr plötzlich und unerwartet am 14. August, einen Tag vor dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, zurückgerufen. 

Schwester Revocata wurde am 10. September 1935 in Eibenberg, im Landkreis Kronach geboren. Bei der Taufe erhielt sie den Namen Mathilde. Mit sieben Geschwistern wuchs sie in einem religiös geprägten Elternhaus auf.
Von 1941 bis 1949 besuchte Mathilde die Volksschule in Steinberg, anschließend die dreijährige landwirtschaftliche Berufschule und arbeitete auf dem elterlichen Hof mit.
Von 1953 bis 1954 qualifizierte sie sich in einem einjährigen Lehrgang in der Landwirtschaftsschule in Kronach weiter.

Eigentlich wäre Mathilde, die sehr kreativ veranlagt war, gerne Werklehrerin geworden. Aber die Armut der Nachkriegszeit machte es notwendig, dass sie zum Unterhalt der Familie beitrug. Deshalb ging sie ab 1954 bei einer Familie in Sulzheim in die Lehre und legte ein Jahr später die staatliche Prüfung als ländliche Hauswirtschaftsgehilfin ab.

Mathilde hatte schon als junge Frau den Wunsch, Ordensschwester zu werden. Im April 1956 trat sie in unsere Gemeinschaft ein. Als Kandidatin besuchte sie von 1956 bis 1958 die Krankenpflegeschule im Juliusspital Würzburg, die sie erfolgreich mit der staatlichen Prüfung beendete.

Nach der beruflichen Ausbildung erfolgte die klösterliche Ausbildung. Mathilde wurde im Oktober 1958 in das Noviziat aufgenommen und erhielt den Namen Schwester Maria Revocata. Im Oktober 1960 legte sie die Erstprofess und 1963 die Profess auf Lebenszeit ab.

In den darauf folgenden Jahren, bis 1974 wurde Sr. Revocata als Krankenschwester in verschiedenen Filialen eingesetzt:
Von 1960 bis 1961 im Mutterhaus
Von 1961 bis 1962 in Haus St. Hildegard in Würzburg
Von 1962 bis 1966 im St. Raphaelsheim in Würzburg
Von 1966 bis 1968 in Wildflecken
Von 1968 bis 1974 in Monheim

Von 1974 bis 1975 nahm Schwester Revocata am „Jahresseminar zur Ausbildung von Krankenschwestern für leitende Aufgaben im Krankenhaus-Pflegedienst“ des Deutschen Caritasinstituts für Gesundheitsfürsorge in Köln-Hohenlind teil, das sie erfolgreich abschloss.

Im Anschluss daran war sie von 1975 bis 1984 als Krankenschwester im Juliusspital tätig.
1984 stellte sie sich einer neuen Herausforderung. Schwester Revocata wechselte an die Altenpflegeschule des Juliusspitals und unterrichtete als Lehrschwester die Auszubildenden bis 1989.

Im Juni 1989 erfolgte die Versetzung als Krankenschwester ins Bezirksklinikum Kutzenberg, wo sie in auf der Orthopädischen Station und im Lungenzentrum eingesetzt war. Schwester Revocata übte ihren Beruf mit Hingabe aus. Sie pflegte die ihr anvertrauten Patienten mit Fachkenntnis und Liebe und hatte auch für die Ängste und Sorgen der Angehörigen ein offenes Ohr und ermutigende Worte. Bei ihrem Abschied aus der Orthopädie wurde hervorgehoben, mit wieviel menschlicher Wärme, Liebe und Geduld sie auf die Patienten einging.

Vonseiten der Direktion des Klinikums wurde immer wieder die gute Zusammenarbeit und das ausgezeichnete Arbeitsklima mit ihr und den anderen Mitschwestern hervorgehoben, sowie das segensreiche Wirken im Krankendienst gewürdigt.

Im September 2003 wurde Sr. Revocata aufgrund ihres Alters aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Sie stellte sich jedoch weiter für Nachtwachen bei schwerkranken und sterbenden Patienten zur Verfügung, die sie in ihren letzten Stunden mit ihrer Nähe, tröstenden Worten und ihrem Gebet begleitete. Sie spendete auch die Krankenkommunion und übernahm Besuchsdienste auf den Stationen.

Der personelle Rückgang in unserer Gemeinschaft machte es notwendig, dass auch wir unsere Filiale in Kutzenberg 2015 schließen mussten. Schwester Revocata wurde nach Oberzell, in den Konvent Padua versetzt, wo sie weiter zusammen mit Schwester Sixta Verantwortung im Schwesternkonvent übernahm und Hand anlegte, wo sie gebraucht wurde. Mit viel Zeit und Muse konnte sie nun ihre kreativen Begabungen verwirklichen. Sr. Revocata beherrschte viele handwerkliche Techniken und beschenkte andere gern mit ihren Werk- und Handarbeiten. In jungen Jahren führte sie auch Holzschnitzarbeiten aus. Sie strickte, stickte, bastelte und stellte selbst Kerzen her, die sie dann verzierte.

Sehr vielen Schwestern unserer Kongregation bereitete sie über viele Jahre hinweg große Freude mit den sehr schön gestalteten Jubiläumskerzen, für die sie sich immer ein anderes Motiv überlegte.
Sie kümmerte sich im Antoniushaus, wie schon in Kutzenberg um den Blumenschmuck in der Kapelle und im Haus, der entsprechend der Fest- und Jahreszeit sehr geschmackvoll war. In der Adventszeit fertigte sie unzählige Adventskränze und -gestecke, die sie an die verschiedenen Konvente oder an Schwestern verschenkte.

Schwester Revocata hat ihre Talente als Gaben Gottes angesehen und gesagt: „Was man von Gott bekommt, muss man ausnutzen“. Sie war sehr hilfsbereit, großzügig und konnte gut organisieren.

Schwester Revocata war eine lebensfrohe, aktive und vielseitig interessierte Frau. Aufmerksam verfolgte sie das Geschehen in Politik und Kirche und berichtete davon, bei den Zusammenkünften des Konventes. Sie hatte einen gesunden Humor und war eine gute Erzählerin, der man gern zuhörte weil sie Zusammenhänge sehr verständlich mitteilte. In ihrer Nähe fühlte man sich wohl. Sie strahlte etwas Liebenswürdiges aus und nahm Menschen an wie sie waren.

In schwierigen, konflikthaften Situationen war es Schwester Revocata ein Anliegen, für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden. Sie grenzte niemanden aus, sondern ging gerade auf Menschen zu, die eine andere Meinung vertraten und hat sie respektiert. Ihre angenehme und feine Umgangsart wurde von allen Seiten geschätzt.

Der Natur verbunden, liebte Schwester Revocata lange Spaziergänge im Freien.

Auch ihrer Familie war Schwester Revocata sehr verbunden. Aus ihrem Urlaub, den sie in diesem Jahr zunächst gar nicht antreten wollte, kam sie gut erholt zurück. So kam ihr Sterben am Morgen des 14. August für uns alle plötzlich und unerwartet, und war ein sehr großer Schock.

Dabei hatte Schwester Revocata im vergangenen Jahr öfter geäußert, dass sie nicht mehr lange zu leben habe. Im Winter machte ihr eine lange Erkältungsphase mit Lungenentzündung sehr zu schaffen. Sie hatte stark abgenommen und fühlte sich schwach und müde. Sie hatte Herzbeschwerden und erhielt aufgrund ihres Rheumas schon seit längerer Zeit auch blutverdünnende Mittel.

Am Tag vor ihrem eigenen Sterben war sie noch bei der Beerdigung ihrer Schwägerin. Niemand in der Verwandtschaft ahnte, dass es die letzte Begegnung mit ihr sein würde.

Schwester Revocata lebte aus dem tiefen Glauben an Jesus Christus. Das Gebetsleben war ihr sehr wichtig und sie beteiligte sich gern an der Gestaltung von gottesdienstlichen Feiern. Sie übernahm gern den Lektorinnendienst in der Eucharistiefeier und war Choristin beim Stundengebet.

Während ihrer Zeit im oberfränkischen Kutzenberg war sie gerne mit den Mitschwestern in den frühen Morgenstunden zur Wallfahrtskirche nach Vierzehnheiligen gefahren, um dort den Gottesdienst zu besuchen. Sie liebte es, auf dem Weg dorthin, der durch die schöne oberfränkische Landschaft führt, einen Lobgesang aus dem Buch Jesaja (2,1-5) zu beten:

Am Ende der Tage wird es geschehen:
Der Berg mit dem Haus des Herrn
steht fest gegründet als höchster Berg;
er überragt alle Hügel.
Alle Völker strömen zu ihm,
viele Nationen machen sich auf den Weg und sagen:
Kommt, wir ziehen hinauf zu Berg des Herrn
und zum Haus des Gottes Jakobs.
Er soll uns seine Wege zeigen,
auf seinen Pfaden wollen wir gehen.
Denn von Zion kommt die Belehrung,
das Wort des Herrn aus Jerusalem.
Er spricht Recht im Streit der Völker,
er weist viele Nationen in Schranken.
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern
und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk
und übt sich nicht mehr für den Krieg.
Kommt ihr vom Hause Jakobs
wir wollen leben im Licht des Herrn.

Schwester Revocata hat ihre letzte Wallfahrt nun angetreten. Wir glauben und vertrauen, dass sie angekommen ist am Berg mit dem Haus des Herrn. Dort darf sie nun leben im Licht des Herrn. R.i.p.

Sr. Dr. Katharina Ganz
Generaloberin

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