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„Sr. Katharina, es geht immer näher zur Ewigkeit“! Mit diesem Satz begrüßte mich Sr. Isabella, als ich sie vor wenigen Wochen nach ihrem Sturz im Krankenhaus besuchte. Dabei strahlte sie eine große Freude, innere Ruhe und tiefe Gewissheit aus. „Immer näher zur Ewigkeit.“ In diesem festen Glauben hat Schwester Isabella gelebt und ist sie am 7. März während der Eucharistiefeier für uns überraschend gestorben.

Heute, am 16. März 2020, wäre sie 95 Jahre alt geworden. So feiern wir mit dem Requiem auch ihren himmlischen Geburtstag.

Sr. Isabella wurde am 16. März 1925 in Bamberg geboren und am 17. März auf den Namen Maria getauft. Sie war die erste Tochter der Eheleute Jakob und Margareta Schwinn, die in Weiher, im Lkr. Höchstadt / Aisch, eine Landwirtschaft besaßen. Hier wuchs Maria mit einer Schwester und zwei Brüdern in einer religiösen Familie auf. Von Kindheit an war sie eingebunden in die Mitarbeit auf dem elterlichen Hof und damit in den Zyklus von Aussaat, Wachsen, Reifen, Ernten und der Dankbarkeit für das, was jährlich zum Leben geerntet werden konnte. Diese frühen Erfahrungen haben sie geprägt.

Von 1931 bis 1938 besuchte Maria die Volksschule und von 1938 bis 1940 die landwirtschaftliche Berufsschule in Sambach.

Nach ihrer Schulzeit, von 1940 bis 1948, ging sie bei einer Familie in Oberkreuth „in Stellung“ und arbeitete dort im Haushalt und der Landwirtschaft mit.

Maria spürte in sich die Berufung zur Nachfolge Jesu im Kloster, prüfte sich jedoch einige Zeit und rang mit sich, ob das Ordensleben wirklich ihr Weg werden könnte. 1949 trat sie schließlich in unsere Gemeinschaft ein.

Nach ihrer Kandidatur und dem Postulat wurde sie am 3. Oktober 1950 eingekleidet und in das damals einjährige Noviziat aufgenommen. Sie erhielt den Namen Schwester M. Isabella. 1951 legte sie die zeitliche Profess auf drei Jahre und 1954 die Profess auf Lebenszeit ab.

Ihr erster beruflicher Einsatz führte Sr. Isabella 1951 ins Antoniushaus und von 1954 bis 1963 nach Brücken in der Pfalz, wo sie jeweils im Gartenbau eingesetzt war.

1963 kam sie in das St. Raphaelsheim in Würzburg, wo sie zehn Jahre im Haushalt tätig war. Anschließend, von 1973 bis 1976, lebte sie wieder hier im Kloster Oberzell und arbeitete im Haushalt der Berufsfachschule mit.

Nach drei Jahren wurde Sr. Isabella wieder versetzt und wirkte von 1976 bis 1989 im Antoniusheim in Bad Brückenau. Dort war sie in Haus und Garten tätig und ermöglichte den Schwestern, die dort ihren Urlaub verbrachten, einen angenehmen Aufenthalt.

Im September 1989 führte sie ihr Weg zurück an ihren ersten Wirkungsort in das Antoniushaus, wo sie ebenfalls im Haushalt mitarbeitete. Nach der Generalsanierung des Antoniushauses lebte sie ab 1999 im Konvent Padua und half mit, wo sie gebraucht wurde.

Sr. Isabella war eine offene, freundliche und zugewandte Mitschwester. Sie konnte sich sehr gut auf Neues einlassen und ermutigte Andere mit dem Satz, „probieren wir es doch aus“. Sie war lebendig, aktiv und zupackend. Ihre Arbeiten erledigte sie zuverlässig. Keine Aufgabe war ihr zu gering, sondern wurde engagiert von ihr angegangen.

Den Menschen in ihrer Umgebung begegnete sie warmherzig und nahm Anteil an ihren Erlebnissen, Freuden und Sorgen. Sie war gesellig und nahm gern an Festen oder Veranstaltungen in der Gemeinschaft teil.

Zu Mitschwestern pflegte sie einen guten Kontakt und traf sich gern in ihrer freien Zeit zu einem Plausch oder geselligen Miteinander.

Sr. Isabella war sehr naturverbunden und liebte Pflanzen und Blumen. Besonders gern kümmerte sie sich um die Zimmerpflanzen, zog Ableger nach und sorgte für den Blumenschmuck im Haus. Die Schwestern erfreute sie mit Blumensträußchen zu  Geburts- oder Namenstagen.

Sr. Isabella war sehr kreativ und bastelte gern. Mit besonderem Geschick und Freude band sie filigrane Strohsterne für den Christbaum oder als Weihnachtsgeschenke. Zeitlebens hat sie auch gern gesungen.

Persönlich war Sr. Isabella ausgesprochen anspruchslos und lebte aus dem franziskanischen Geist. Sie war hilfsbereit und hat ihre persönlichen Dinge gern geteilt. Sr. Isabella war ein zutiefst dankbarer Mensch mit einer positiven Lebenseinstellung und freundlichen Ausstrahlung. Ihr im Alltag zu begegnen war immer aufbauend und ermutigend.

Ihren Angehörigen war sie eng verbunden und pflegte einen guten Kontakt zu ihnen. Über Neuigkeiten von der Familie oder Besuche freute sie sich sehr.

Dabei lebte Sr. Isabella aus einer tiefen Gottverbundenheit und Verehrung der Mutter Gottes. Sie war gewissenhaft beim Gebet, las gerne in der Heiligen Schrift und es war ihr eine Ehre, beim Stundengebet den Choristinnendienst zu übernehmen.

Aufgrund nachlassender Kräfte wurde Sr. Isabella im November 2016 selbst auf die Pflegestation des Antoniushauses verlegt. Aber auch hier machte sie sich, soweit sie konnte, noch nützlich. Sie half beim Austeilen des Essens, sammelte das Geschirr ein und bereitete den Kranken Freude durch Blumensträußchen und mehr noch, durch ihre aufmunternden Worte. Trotz nachlassender Kräfte konnte sie bis zuletzt gut sehen und hören. Für alles, was ihr Gott noch an Gesundheit schenkte, war sie sehr dankbar. Gleichzeitig hielt sie sich bereit heimzugehen.

Am 7. März hat sie das Frühstück noch zusammen mit dem Konvent eingenommen. Danach wurde ihr übel, und sie zog sich in ihr Zimmer zurück um sich hinzulegen. Als der Notarzt kam, konnte er nur noch den Tod feststellen.

So dürfen wir heute, an Deinem 95. Geburtstag Gott danken für Dein langes und erfülltes Leben, Sr. Isabella, Deinen selbstlosen Dienst, Deine Menschenfreundlichkeit und Dein Vorbild im Glauben. Durch Dich bekommt das alte Beerdigungslied von Sarah Flower Adams neue Bedeutung:

Näher, mein Gott, zu dir
1) Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!
Drückt mich auch Kummer hier, drohet man mir,
soll doch trotz Kreuz und Pein dies meine Losung sein:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir.

2) Bricht mir, wie Jakob dort, Nacht auch herein,
find ich zum Ruheort nur einen Stein;
ist selbst im Traume hier mein Sehnen für und für:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!

3) Geht auch die schmale Bahn aufwärts gar steil,
führt sie doch himmelan zu meinem Heil.
Engel, so licht und schön, winken aus selgen Höhn:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir.

4) Ist dann die Nacht vorbei, leuchtet die Sonn,
weih ich mich dir aufs neu vor deinem Thron;
baue mein Bethel dir und jauchz mit Freuden hier:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!

5) Ist mir auch ganz verhüllt dein Weg allhier,
wird nur mein Wunsch erfüllt: Näher zu dir!
Schließt dann mein Pilgerlauf, schwing ich mich freudig auf:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!

Sr. Dr. Katharina Ganz
Generaloberin

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