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Im Juni stand die Oberzeller Franziskanerin Juliana Seelmann noch vor Gericht, weil sie zwei geflüchteten Frauen aus Nigeria Kirchenasyl gewährte. Ihr Engagement für geflüchtete Menschen wird nun mit dem Würzburger Friedenspreis ausgezeichnet, der mit 3000 Euro dotiert ist. Die Verleihung soll am 10. Oktober in Würzburg stattfinden.

Das Komitee, das den Preis vergibt, würdigt den „langjährigen, hartnäckigen und beispielhaften Einsatz für geflüchtete Menschen“. Sr. Juliana ist in der Gemeinschaftsunterkunft Würzburg als Krankenschwester tätig und arbeitet dort im „Würzburger Modell“ mit. Dieses Modell ermöglicht es einem Team unter der Leitung von Prof. Dr. August Stich, Chefarzt der Tropenmedizin des Klinikums Würzburg Mitte, Asylbewerber*innen medizinisch zu versorgen. Schwester Juliana hatte außerdem gemeinsam mit ihren Mitschwestern der franziskanischen Ordensgemeinschaft in Oberzell Frauen Schutz gewährt und war dafür Anfang Juni vom Amtsgericht Würzburg wegen Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt verurteilt worden. Der Richterspruch ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Sr. Juliana und ihr Anwalt haben Berufung eingelegt.

Das Komitee kritisierte den Prozess "als politisch gewollten Versuch, geflüchtete Menschen in großer Not und ihre engagierten Helfer zu kriminalisieren und abzuschrecken". Kirchenasyl sei ein wichtiges Hilfsmittel, um in Einzelfällen übergroße Härten abzumildern, die Menschenwürde zu schützen und rechtsstaatliche Verfahren weiterzuentwickeln, heißt es in der Erklärung. Die Ordensfrau erfuhr bereits vor der Verhandlung viel Solidarität, auch der Würzburger Bischof Franz Jung stand hinter ihr und verteidigte das Kirchenasyl.

"Dieser Preis bestärkt uns, dass wir uns weiter gemeinsam einsetzen, weiter an der Seite von Menschen bleiben, nicht nachlassen, nicht aufgeben, nicht müde werden."

Für Sr. Juliana steht dieser Preis für all die Menschen, die sich in dieser Arbeit engagieren. Für ihre Kolleginnen und Kollegen der Migrantenmedizin, die seit vielen Jahren geflüchtete Menschen „begleiten, unterstützen, medizinisch versorgen und einfach ein Stück des Weges mit ihnen gehen“. Die Ordensfrau betont, dass ihre Gemeinschaft der Oberzeller Franziskanerinnen geflüchteten Frauen in ausweglosen Situationen Kirchenasyl gewährt, um menschenunwürdige Situationen zu verhindern. „In diesem Tun und Handeln bestärkt uns alle dieser Preis, dass wir uns weiter gemeinsam einsetzen, weiter an der Seite von Menschen bleiben, nicht nachlassen, nicht aufgeben, nicht müde werden. Dafür bin ich dankbar und freue mich über diese Auszeichnung.“

 

Einige Medien haben bereits berichtet, unter anderem:

 

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