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Aufgrund der Corona-Pandemie fand das 10. Sachkapitel der deutschen Konvente nicht wie geplant in der Osterwoche statt, sondern vom 7. bis 12. September 2020.

Im Juni 2019 hat das 28. Generalkapitel der Gemeinschaft, die höchste beschlussfassende Versammlung der Schwestern, stattgefunden. Zur Umsetzung der Beschlüsse folgen in aller Regel im darauffolgenden Jahr die Kapitel in den einzelnen Regionen. Aufgrund der Corona-Krise tagten die Ordensfrauen nun im September statt im Frühling. Auftrag des Sachkapitels war neben der Umsetzung der Beschlüsse des 28.Generalkapitels für die deutschen Konvente die Bearbeitung der neu eingegangenen Anträge und Anliegen. Insgesamt versammelten sich neben den deutschen Schwestern der Generalleitung (Katharina Ganz, Rut Gerlach, Beatrix Barth und Juliana Seelmann) zwölf gewählte Kapitularinnen im Alter von 35 bis 81 Jahren aus unterschiedlichen deutschen Konventen sowie Schwester Antonia Drewes als Beobachterin zu den Beratungen. Die Auswirkungen der Pandemie verhinderten leider die Teilnahme der Generalrätin Schwester Antonia Cooper aus den USA sowie der beiden Beobachterinnen aus Südafrika, der Schwestern Assumpta Hadebe und Teressa Zungu. Dank der technischen Möglichkeiten konnte Schwester Antonia Cooper jedoch jeden Abend per Videoschalte an der Reflexion des Tages teilnehmen. Begleitet wurde das Sachkapitel von Moderator Franz-Josef Wagner. Externe Fachleute waren themenbezogen eingebunden und zu den Beratungen anwesend. An zwei Tagen gab es ein offenes Kapitel, zu dem alle Mitschwestern eingeladen waren. Hiermit wurde die Anregung aus dem Generalkapitel aufgegriffen, Schwestern mehr als bisher in Meinungsbildung  und Entscheidungsfindung einzubeziehen. Die Eucharistiefeiern mit der Auslegung der Tageslesungen aus der Bibel zelebrierten Domkapitular Dietrich Seidel, Ordensreferent der Diözese sowie der Hausgeistliche der Gemeinschaft, Oberstudienrat Achim Wenzel.

Zukunft im Blick
Über allem Arbeiten stand das Motto, das die Gemeinschaft bereits während des Generalkapitels begleitet hatte: Weg – Wahrheit – Leben; Im Glauben gemeinsam unterwegs. Während der Woche wurden acht wichtige Themen behandelt, von denen die meisten eine Fortführung der im Generalkapitel 2019 verabschiedeten Beschlüsse und Empfehlungen waren. Weiter besprochen und ausgearbeitet wurden Themen und Kriterien für die Neugestaltung der Lebensordnung, d.h. der Regel der Kongregation, die der mit dem Thema betrauten Arbeitsgruppe bei der Fortführung der Überlegungen dienen sollen. Für die Arbeit der Kommission, die sich mit den Liegenschaften der Gemeinschaft beschäftigt, wurden Prinzipien und unveräußerliche Werte – allesamt immateriell – entwickelt. Dabei kristallisierte sich als zentrale Forderung die Haltung „Menschen sind wichtiger als Gebäude“ heraus, die der Arbeitsgruppe als Leitsatz dienen soll. Die Immobilie Sankt Raphaelsheim in der Würzburger Innenstadt, die noch bis zum Sommer 2021 dem Fachbereich Frauen als Übergangsquartier zur Verfügung steht, soll aufgrund der Dringlichkeit gesondert betrachtet werden. Hierfür wurde eine Arbeitsgruppe aus Schwestern, Mitarbeiter*innen und externen Fachleuten eingesetzt, die ein Nutzungskonzept erstellen soll. Mutig voran wagt sich die Gemeinschaft im Bereich Nachhaltigkeit mit dem Beschluss, dass die deutschen Konvente und Einrichtungen bis zum Jahr 2030 klimaneutral sein sollen. Ergänzend dazu sind die einzelnen Konvente aufgefordert, weitere Maßnahmen im Umweltschutz umzusetzen. Die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinschaft soll künftig personell aufgestockt und modernisiert werden. Großen Raum nahm das Älterwerden der Gemeinschaft mit der besonderen Sorge um die alten und kranken Mitschwestern ein. Eine Frage war, wie die Schwestern ihr spirituelles Ordensleben angesichts zunehmender Beschwerden und Einschränkungen gut leben können. Mitarbeiter*innen sollen künftig besonders hierfür sensibilisiert werden, damit Schwestern nicht beispielsweise Gottesdienste oder Gebetszeiten verpassen, weil zur gleichen Zeit ein Arzttermin für sie vereinbart wurde. Andererseits wurde die Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft besonders in den Blick genommen, woraus kreative Ideen zu Möglichkeiten der Anbindung und des Mitlebens oder zur Gründung eines neuen Konvents gemeinsam mit anderen Interessierten erwuchsen. Weitergeführt wurden die im letzten Generalkapitel erarbeiteten Positionierungen zu gesellschaftlichen und kirchenpolitischen Themen im Zusammenhang mit dem Profil der Gemeinschaft.

Corona-konforme Tagung
Versammlungen, Arbeitsweise, Gebetszeiten und Mahlzeiten waren geprägt von Abstands- und Hygieneregeln. Aufgelockert wurden die Beratungen immer wieder durch Bewegungseinheiten, einmal in Form einer live aus den USA von Schwester Antonia Cooper angeleitete T‘ai Chi Chih Übung. Besonders verbindend war eine Einheit, in der die Schwestern eine halbe Stunde Zeit hatten, in Kleingruppen je eine selbst gewählte Aufgabe für die Gemeinschaft durchzuführen. Das Ergebnis konnte sich wahrlich sehen lassen: In diesen 30 Minuten wurden Schwestern angerufen, kurze Videos für die Schwestern in Südafrika und den USA gedreht, Briefe an Schwestern geschrieben, Blumensträuße gepflückt und überreicht und Dank an die gesamte Dienstgemeinschaft weitergegeben. Insgesamt war das Miteinander in dieser Woche von großer Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt. Eine besonders bereichernde Erfahrung war die Öffnung des Kapitels am Dienstag und Donnerstag für alle interessierten Schwestern, die sich in der Kleingruppenarbeit an verschiedenen Themen beteiligten. Die gemeinsame Arbeit war lebendig, ermutigend und konstruktiv und lässt mutig weitergehen.

Sr. Beate Krug

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