headeroberzell

Schwester Dr. Katharina Ganz, Mitglied des Synodalen Wegs, berichtet aus dem Forum „Frauen in Diensten und Ämtern“ – Beratungsgrundlage digital erarbeitet.

Eine stärkere Mitarbeit von Frauen im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, eine prozentuale Steigerung von Beraterinnen in den Kommissionen sowie das Einbinden von Expertinnen bei Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz. Auf weltkirchlicher Ebene könnte es deutlich mehr Frauen in der Leitung von Dikasterien geben und sollten Frauen mit Stimmrecht an den Beratungen bei Bischofssynoden teilnehmen können. So sehen einige der Vorschläge aus dem Forum „Frauen in Diensten und Ämtern“ des Synodalen Wegs aus. „Die Selbstverpflichtungen zur Erhöhung des Frauenanteils in all diesen Bereichen, auf die sich die Synodalversammlung einigt, müssten natürlich in den Diözesen umgesetzt und regelmäßig evaluiert beziehungsweise. fortgeschrieben werden, um Wirksamkeit entfalten zu können.“ Das erklärt Schwester Dr. Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen und Mitglied des Forums, in einem Statement, das sie aktuell verfasst hat. Ursprünglich sollte sie anlässlich des Festes von Maria von Magdala am 22. Juli an einer Podiumsdiskussion in Augsburg teilnehmen, diese wurde jedoch coronabedingt abgesagt.

Wie Ganz weiter ausführt, solle bei der Beteiligung von Frauen an den Diensten und Ämtern, die schon heute möglich und mit dem geltenden Kirchenrecht von 1983 vereinbar sind, „alle Bereiche wie Verkündigung, Diakonie, Liturgie, Communio sowie die Berufung von Frauen auf Lehrstühle katholisch-theologischer Fakultäten in den Blick genommen werden“. Alle Entscheidungsebenen und ergänzend zur binnenkirchlichen Perspektive auch Führungserfahrungen von Christinnen in Politik und Gesellschaft sollten einbezogen werden. „Als zentrales Thema gilt die Anthropologie der Geschlechter, also die Lehre vom Menschsein und der Ausfaltung in den Geschlechtern.“ Hier gebe es unterschiedliche Positionen. Die schöpfungstheologisch begründete Lehre geht davon aus, dass es zwei Geschlechter gibt und sich Männer und Frauen polar gegenüberstehen und komplementär ergänzen. Im Gegensatz dazu vertreten sozialwissenschaftliche Geschlechterstudien (Gendertheorien) oder Diversitykonzepte eher die Position, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gibt und die Rollen, wie sich Menschen im sozialen Leben verhalten, stark von kulturellen Übereinkünften abhängen – unabhängig vom jeweiligen biologischen Geschlecht. „Nicht zuletzt angesichts der Missbrauchsvorfälle gehört zu der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ansätzen eine kritische Reflexion auf die konkreten empirischen Folgen der jeweiligen Theorien für Frauen in Kirche und Gesellschaft“, betont die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen. Die Perspektive der Geschlechtergerechtigkeit und das Anliegen einer Inkulturation des Evangeliums in die heutige Kultur seien ebenfalls zu berücksichtigen.

Die Einschätzungen, wie sich theologische Positionen und lehramtliche Entscheidung in der Frage nach einer Zulassung von Frauen zum sakramentalen Amt zueinander verhalten, gehen laut Ganz auseinander. Das Forum werde diese Fragen diskutieren und verspreche sich durch die grundlegende Diskussion zur Geschlechteranthropologie eine klärende Perspektive. In diesem Zusammenhang wolle sich das Frauenforum ausführlich mit den Ergebnissen der außerordentlichen Bischofssynode „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ vom Oktober 2019 und dem nachsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus und seiner Auslegung beziehungsweise Bedeutung für die Situation in der Kirche in Deutschland befassen. Dabei zeige „Querida Amazonia“ selbst mögliche Lösungswege unvereinbar scheinender Positionen auf.

Derzeit beschäftigen sich laut Ganz die Mitglieder des Forums „Frauen in Diensten und Ämtern“ in Untergruppen mit drei Themenstellungen: mit der Partizipation von Frauen in Leitungsdiensten unter den gegenwärtigen Bedingungen des Kirchenrechts, mit der Geschlechteranthropologie und Genderfragen sowie mit der theologischen Argumentation in der kontroversen Frage der Teilhabe von Frauen am sakramentalen Weiheamt.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland fanden die Absprachen und der Austausch in den Arbeitsgruppen bislang ausschließlich digital statt. Zum ersten Themenschwerpunkt wurde eine Beratungsvorlage erarbeitet. Es werden darin den Synodalen Empfehlungen ausgesprochen, wie mehr Frauen involviert werden könnten bei der Leitung von Gemeinden und Pfarreien, in Liturgie und Verkündigung in der Gemeinde- und in der kategorialen Seelsorge, in Leitungspositionen und Aufgaben auf der Diözesanebene, in Gremien, Caritas, kirchlichen Verbänden und Laienorganisationen.

Die digital besprochenen Korrekturen und Ergänzungen werden nun in den Textentwurf eingearbeitet und dann als Beratungsgrundlage in die Regionalkonferenzen eingebracht, die am 4. September in fünf deutschen Städten stattfinden. Nähere Informationen im Internet unter www.synodalerweg.de.

Markus Hauck, POW

­