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„Die Armen sollen essen und sich sättigen; den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer.“ So heißt es im Psalm 22,26

In der Osteroktav, am 15. April, hat Gott in den frühen Morgenstunden unsere Mitschwester M. Angeline Röchner, die ihr Leben lang Köchin war, in sein himmlisches Gastmahl gerufen.

Schwester Angeline wurde am 17. November 1939 in Watterbach, im Landkreis Miltenberg, geboren und am 19. November auf den Namen Elisabeth Karolina getauft. Sie war das Vierte von sieben Kindern der Eheleute Ludwig und Angelina Röchner, die eine Landwirtschaft besaßen.

Von 1945 bis 1952 besuchte Elisabeth die Volksschule in Watterbach, anschließend drei weitere Jahre bis 1955 die hauswirtschaftliche Berufsschule in Gerolzhofen. Nach dem Schulabschluss bat 1953 ihre Tante Elisabeth zu sich ins Pfarrhaus nach Reupelsdorf, wo sie bis 1957 im Haushalt mithalf. Im Winter nahm sie am Nähkurs bei unseren Schwestern in Stadelschwarzach teil.

Vom Oktober 1957 bis Juli 1961 war Elisabeth als Hausgehilfin im Kloster St. Ludwig tätig, das damals noch den Münsterschwarzacher Missionsbenediktinern gehörte. Sie arbeitete dort in der Küche, in der Wäscherei, die meiste Zeit aber im Studienseminar. Während dieser Zeit reifte in ihr auch der Wunsch Ordensfrau zu werden.

So trat Elisabeth im Oktober 1961 ins Kloster Oberzell ein. Nach dem Postulat wurde sie ein Jahr später 1962 eingekleidet und erhielt als Ordensnamen den Namen ihrer Mutter Schwester M. Angeline. Nach dem Noviziat legte sie 1964 die Erstprofess und 1967 die Profess auf Lebenszeit ab.

Der erste berufliche Einsatz von Schwester Angeline war von 1964 bis 1965 in der Küche des Antoniushauses im Kloster Oberzell. Danach wurde sie nach Bamberg ins Walburgisheim versetzt, wo sie sechs Jahre tätig war. Weitere Einsätze als Köchin waren in den Filialen ab 1971 zwei Jahre in Mannheim, 1973 zur Aushilfe in Schnaittach, 1974 zur Aushilfe im St. Antoniusheim in Bad Brückenau.

Parallel zu ihrem Einsatz in Schnaittach und Bad Brückenau vertiefte und erweiterte Schwester Angeline ihre Kochkenntnisse und in der Hauswirtschaft. Nach einem Jahr verließ sie 1974 die Private Fachschule für Wirtschafterinnen im Meinwerk-Institut in Paderborn als staatliche geprüfte Wirtschafterin.

Im September 1974 wurde Schwester Angeline in die Berufsfachschule nach Oberzell versetzt. Hier war sie Köchin sowohl für den Konvent als auch für die Internatsschülerinnen. Bei Schülerinnen und den Angestellten war sie gleichermaßen beliebt. Ihr Sinn für Humor zeigte sich etwa in der Faschingszeit, wo sie jedes Jahr den Schülerinnen einen Streich spielte. Dabei füllte sie jeweils einen der von ihr selbst gemachten Krapfen nicht wie üblich mit Hiffemark (Hagebuttenmarmelade), sondern mit Ketchup. Die Schülerin, die in den besonderen Faschingskrapfen biss, durfte als Ausgleich zu Schwester Angeline in die Küche, wo sie Zuspruch und einen Trostpreis bekam.

Nach der Auflösung der Berufsfachschule 1992 kam Schwester Angeline wieder ins Antoniushaus. Ab 1999 gehörte Schwester Angeline nach der Sanierung unseres Alten- und Pflegeheimes zu dem neu gebildeten Konvent Padua. Auch die Küche wurde modernisiert. Mit dem neuen Küchenchef arbeitete Schwester Angeline gut und gerne zusammen.

Bei einem Sturz brach sich Schwester Angeline im Herbst 2007 das Kniegelenk und musste operiert werden. An den Folgen dieses Unfalls hatte sie von nun an zu leiden. Soweit sie konnte, half sie noch in der Küche mit. Aber ihre Schmerzen verschlimmerten sich, so dass sie kaum noch auftreten konnte. In der letzten Zeit war sie ganz auf den Rollstuhl angewiesen und benötigte Unterstützung im Alltag. So wurde Schwester Angeline im November 2016 auf die Pflegestation verlegt.

Schwester Angeline war eine ruhige, fleißige und freundliche Ordensschwester. Sie galt als zuverlässig, anspruchslos und verständnisvoll. Auf allen Filialen war sie beliebt. Sie arbeitete sicher und zuverlässig und war bestrebt, neue Kochkenntnisse zu erwerben und Rezepte auszuprobieren.

Im November letztes Jahr waren fast alle ihre Verwandten hier, um mit Schwester Angeline ihren 80. Geburtstag zu feiern. Ihre Geschwister und vor allem eine ihrer Nichten erzählten, dass Schwester Angeline immer zu Hause Urlaub gemacht hat und ihre Geschwister besuchte. Dabei passte sie auf deren Kinder und Enkel, also ihre Nichten, Neffen sowie Großnichten sowie Großneffen auf. Das Spielen mit ihr war für die Kinder sehr unterhaltsam. Überhaupt war sie mit ihren Geschwistern und deren Familien sehr verbunden.

Wo sie war, erfüllte sie ihre Aufgaben zuverlässig. Schwester Angeline war gern in der Küche und konnte auch im Team arbeiten. Eine ihrer Stärken war, dass sie gut abschmecken konnte. Die Schwestern lobten ihre Kochkünste. Auch im Konvent Padua war sie gern in der Küche. Und in der Zentralküche im Antoniushaus wurde eigens ein Stuhl aufgestellt, damit Schwester Angeline ihre Arbeit im Sitzen verrichten konnte. Abends war sie die Letzte, die nochmal in der Küche nach dem Rechten schaute; sie machte die Lichter aus und sperrte die Türen zu. Bis zuletzt hat sie gerne in der Küche mitgeholfen, ob beim Bohnenputzen oder Zwetschgenentkernen. Unschlagbar war sie v. a. im Kartoffelschälen!

Schwester Angeline hatte einen trockenen Humor und konnte herzhaft lachen. In der Gemeinschaft war sie eine bescheidene, dankbare und zuvorkommende Schwester. In ihrer eigenen Pflegebedürftigkeit war sie immer bereit, ihr Zimmer mit jemandem zu teilen. Ihre letzten Jahre waren durch Krankheit und zunehmende Schwäche geprägt. Doch nie hörte man sie jammern oder dass sie unzufrieden war. Sie nahm an den Angeboten teil und war aufmerksam.

Wenn ein Mensch stirbt, sagen wir oft: Gott hat ihn oder sie in sein himmlisches Gastmahl gerufen. Jesus hat in vielen Gleichnissen das Reich Gottes beschrieben als eine Wirklichkeit, wo Menschen miteinander essen und trinken und Tischgemeinschaft haben. Er ist bei Zöllnern und Sündern eingekehrt und hat sich zu Tisch gesetzt mit den Randständigen der Gesellschaft. Sogar mit dem, der ihn in den Tod ausgeliefert hat, hat er das Brot in die gleiche Schüssel getaucht. Nicht zuletzt hat er Brot und Wein des jüdischen Mahles zu Zeichen seiner bleibenden Gegenwart erklärt.

So wie der Volksmund sagt: „Die Liebe geht durch den Magen“, können wir auch sagen: „Das Wesen des Christentums ist, miteinander Mahl zu halten.“ Wie wichtig und relevant für das soziale Leben die Arbeit in den Küchen ist, erleben wir nicht zuletzt in Zeiten von Corona, wo Hotels und Restaurants geschlossen bleiben. In Klöstern waren Küchen auch immer Orte der Seelsorge, der Beheimatung und der Zugehörigkeit.

Schwester Angeline hat in ihrem Leben in der Nachfolge Christi wichtige Züge gelebt, die auch von ihrer Taufpatronin, der hl. Elisabeth von Thüringen, überliefert sind: Als die Gräfin 1226 in Abwesenheit ihres Mannes Ludwig die Landgrafschaft verwaltete, verteilte sie die Vorräte der fürstlichen Scheuern an die Bevölkerung, die unter einer Hungersnot litten. Später weigerte sie sich bei Tisch, Mahlzeiten zu essen, wenn die Lebensmittel von den Bauern erpresst waren. Als der Hof sie nach dem Tod Ludwigs von der Wartburg verscheuchte, ließ sie sich in Marburg nieder, gründete ein Hospital und übernahm persönlich die Pflege der Kranken. Die adelige Königstochter wurde als Schwester in der Welt den Niedrigsten gleich. Ihre Großzügigkeit gegenüber den Armen begründete sie gegenüber ihren Gefährtinnen mit der schlichten Aussage: „Ich habe es euch gesagt, wir müssen die Menschen froh machen.“

Schwester Angeline, hat durch ihren Dienst in vielen Küchen, durch ihr heiteres Wesen, ihren Sinn für Humor und ihre tiefe Menschlichkeit viele Menschen froh gemacht. So ist sie ihrem Ordensnamen Angeline ähnlich geworden: eine Engelgleiche, eine Botin der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes.

Sr. Dr. Katharina Ganz
Generaloberin

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