Bronzeplatte am Grab von Antonia Werr
gestaltet von Bildhauer Tilmar Hornung aus Bergtheim
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| Oberzell |
| Bronzeplatte
am Grab von Antonia Werr |
| Das Grab von Antonia Werr ist von einer Bronzeplatte bedeckt, die mit Worten
und Bildern das Leben und Wirken der Gründerin veranschaulicht. Lebensdaten:
- geboren am 14.12.1813 in Würzburg
- am 31.07.1848 Privatgelübde Franziskanerkloster Würzburg
- am 27.05.1855 Gründung der Gemeinschaft im Schlößchen
- verstorben am 27.01.1868 Antoniushaus an Typhus
Dieses Bild zeigt das
Gründungshaus der Gemeinschaft, das Schlößchen, in dem Antonia Werr am
Pfingstfest 1855 mit vier Frauen ihr Werk begann. Die Triebfeder war Gottes
Geist; Kraft schöpfte sie aus ihrem Glauben an die Menschwerdung Gottes.
So ist im Vordergrund das Kind Jesus zu sehen. Gott wurde Mensch und nahm
sein Kreuz an, er sagte JA zum Kreuz und lebte es bis zur äußersten
Konsequenz.
Dieses Bild lädt ein - trotz durchkreuzter Pläne und an Kreuzungen des Lebens
- JA zu sagen zu uns selbst und zu jedem Menschen.
Daraus wächst reifes Menschsein, echte Menschlichkeit. Das zweite Bild ist ein pfingstliches Bild.
Der Heilige Geist kommt herab auf einen Kreis von Schwestern, in deren Mitte
Mutter Antonia sitzt. Sie deutet auf das offene Buch der Heiligen Schrift und
zeigt damit den Weg auf für jede Schwester, für die gesamte Gemeinschaft. Mit
ihr zusammen sind 7 Schwestern auf dem Relief im Rund vereint. Sie lassen an die
pfingstliche Gemeinde im Obergemach denken, wo Kirche entstand durch diesen
Geist, deren Mitte Christus ist. Er sagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen
versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Mit den Worten Antonia Werrs
drückt das Bild aus: "Wir wollen dem Herrn nicht von der Seite gehen, hingebend
erlauschen, was er uns antwortet auf unsere Frage nach dem Wesen der Wahrheit.
Er wird uns keinen anderen Weg führen als den, den das heilige Evangelium uns
lehrt."
Das dritte Bild zeigt eine
dramatische Szene. Es geht um die Rettung derer, die auf dem Strom des Lebens
unterzugehen drohen. Deutlich ist ein Boot zu sehen, auf dem Mutter Antonia
steht.
Sie zieht mit beiden Händen eine Frau aus den Fluten. Dabei steht sie
aufrecht. Sie wirkt zuversichtlich, weiß sie sich doch gehalten von der Hand
Gottes über ihr. Sie erfährt Halt und gibt Halt. So geschieht Rettung durch sie.
Rechts und links von ihr sind zwei Schwestern, die wie sie, Frauen aus den
Fluten retten. Sie sind in gebückter Haltung, die Anspannung und Anstrengung ist
ihnen anzumerken. Das Wasser ist bewegt, die Fluten schlagen hohe Wellen. Hände
suchen Hände. Das Gesicht der einen Frau ist kaum zu sehen, während das der
anderen erschöpft und hilfe-suchend nach oben schaut. Alle drei sind ganz auf
rettende Hände ange-wiesen. Sonst bleibt nur das Ertrinken.
Das Bild erinnert an das Wort Jesu an Petrus: Ich mache dich zum
Menschenfischer. Mutter Antonia spricht von Seelenrettung - Menschen retten! Sie
wird so zur Mutter und ermöglicht neues Leben, einen neuen Anfang. Jede einzelne
von uns ruft sie an, an ihrem Platz an dieser Aufgabe mitzuwirken. Auch hier
sprechen wieder Bild und Text zusammen: "Herr, du bist wie eine zärtliche
Mutter. Darum ist es eine schöne, wenn auch schwere Aufgabe, den auf dem Strom
des Lebens Gescheiterten eine rettende Hand zu reichen, um ihr göttliches
Ebenbild wieder herzustellen."
Das vierte Bild - links auf der
Grabplatte. Wieder ist Mutter Antonia in der Mitte des Bildes dargestellt. Sie
hat einen Stab in der Hand - einen Wanderstab. Oder ist es die gute Hirtin? Sie,
die fasziniert war von Jesus, dem guten Hirten, wie wir aus ihren Schriften
wissen, wird nun selbst in seiner Nachfolge zur guten Hirtin.
Gottes Geist, der in Form einer Flamme über ihr schwebt, treibt sie an, den
Verlorenen nachzugehen, das geknickte Rohr nicht zu brechen, den glimmenden
Docht nicht zu löschen. So reicht sie ihre Hand einer werdenden Mutter. Es sieht
aus, als ob sie ihr etwas geben würde. Ob es Hoffnung, neuer Mut, ein Ort, eine
Heimat ist, oder das für diesen Moment Lebensnot-wendige für sie und ihr Kind?
Auf der anderen Seite wird Antonia Werr von einer Frau ein Mensch - ein Kind -
hingehalten. Sie sucht Hilfe. Ihr Gesicht zeigt das deutlich. Die hintere
Gestalt hat weniger Profil. Hände und Arme strecken sich ihr entgegen. Antonia
steht inmitten dieser Menschen in Not in großer Gelassenheit und
aufgerichtet.
So stimmen auch hier ihre Worte mit dem Bild überein: "Wir wollen nicht
mutlos werden, der Herr, der Starke ist mit uns. Gott führt den Menschen dahin,
wo er ihn haben will, so überlasse ich alles dem Herrn. Er wird mir den rechten
Weg zeigen. ER führt, ER leitet, nur Mut!"
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