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Kloster Oberzell |
| Treffen mit Christian Herwartz am Bahnhof Berlin-Köpenick. Der Jesuit gehört zur Gruppe "Ordensleute gegen Ausgrenzung", die durch Mahnwachen gegen unmenschliche Abschiebepraktiken von Asylsuchenden demonstrieren. |
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Mit dem Jesuiten Christian Herwartz halten wir eine Mahnwache in Berlin-Köpenick. In dem früheren Gefängnis werden Asylsuchende bis zu ihrer Abschiebung in Polizeigewahrsam genommen - manche 18 Monate lang. Die Mauern trennen heute nicht mehr Ost- und Westberlin, sondern Europa vom Rest der Welt, sagt Herwartz. Im Reichstag treffen wir Wolfgang Thierse. Was er sich von Ordensleuten erwarte? Die Wirtschaft reduziere den Menschen auf die Rolle als Konsument und Arbeitskraft, antwortet der Vizepräsidenten des Bundestages: Kirche und Christenmenschen sollen widersprechen, indem sie zeigen, was positiv gelebt werden kann. Wie sehr die Ökonomie den Alltag und das soziale Leben bestimmt, erfahren wir bei der nächsten Aufgabe. In Kleingruppen ist mit wenig Geld Essen, Getränke und einen Raum zu besorgen. Den ganzen Nachmittag mühen wir uns vergeblich. Nicht einmal abgelaufene Lebensmittel können wir erbetteln. Im nagelneuen Hauptbahnhof gibt es keinen Platz für die Obdachlosen und Armen, keine einzige Bank zum Hinsetzen. Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission schicken uns in ihre Filiale an den Bahnhof Zoo. Dort türmen sich Kisten mit Lebensmittelspenden. Nach der offiziellen Essensausgabe an die Bedürftigen bekommen wir Linsensuppe mit Würstchen in einem Zehnlitereimer, Brot, Butter, Wurst, Käse und Osterhasen in Plastiktüten. Die Gruppe, die für den Raum zu sorgen hatte, hatte großes Glück: eine Tagungsmanagerin überlässt uns im Hotel de Rome einen Salon. So löffeln wir die Suppe aus den mitgebrachten Plastiktellern und schmieren uns Brote mit dem Silberbesteck des Luxus-Hotels. Grenzgänge in Berlin: Über die einen wird entschieden, die anderen dürfen nicht entscheiden, weil ihnen die Hände gebunden sind und wieder andere treffen Entscheidungen, die weit reichende Konsequenzen haben. Die alte Mauer gibt es nicht mehr. Die neuen Mauern sind undurchschaubarer geworden. Sie verlaufen quer durch unsere Gesellschaft. Von oben nach unten, zwischen arm und reich, gesund und krank. Ordensleute sollten Grenzgänger sein, an der Seite der Armen, Türen öffnen und für die sprechen, die keine Stimme haben. |